ERP-CRM-Komplettlösungen: 5 Anbieter, die beide Systeme kombinieren

ERP und CRM in einer Lösung: Dynamics 365, Salesforce, Oracle, SAP und Infor im Überblick – plus Komplettlösungen für KMU und Tipps zur Integration.

Von Marielle Gantenberg
8 Min. Lesezeit

Eine ERP-CRM-Komplettlösung verbindet Enterprise Resource Planning (Finanzen, Einkauf, Lager, Produktion) mit Customer Relationship Management (Vertrieb, Marketing, Service), sodass Kunden-, Auftrags- und Finanzdaten nicht doppelt gepflegt werden müssen. Microsoft, Oracle, SAP und Infor bieten beide Bereiche an, Salesforce dagegen nur CRM mit Schnittstellen zum ERP. Für kleinere Unternehmen gibt es zudem Systeme wie SAP Business One, Oracle NetSuite oder Odoo.

Das Wichtigste in Kürze

  • ERP-Systeme steuern interne Prozesse wie Finanzen, Einkauf und Lieferkette, CRM-Systeme die Beziehungen zu Kunden in Vertrieb, Marketing und Service.
  • Microsoft (Dynamics 365), Oracle, SAP und Infor bieten sowohl ERP- als auch CRM-Software an; Salesforce ist ein reiner CRM-Anbieter und wird per Schnittstelle an ein ERP angebunden.
  • Für kleine und mittlere Unternehmen gibt es Systeme, die ERP- und CRM-Funktionen in einer Lösung vereinen, etwa SAP Business One, Oracle NetSuite oder Odoo.
  • Ob Komplettlösung oder Integration zweier Systeme: Entscheidend für den Erfolg sind saubere Stammdaten, klar definierte Prozesse und gut eingearbeitete Anwender.

Die Kombination von ERP (Enterprise-Resource-Planning) und CRM (Customer-Relationship-Management) kann für Ihr Unternehmen von Nutzen sein. Diese Systeme vereinfachen das Management in vielen Bereichen, zum Beispiel was Kunden, Warenbeschaffung, Finanzen, Risiken und vieles mehr angeht. Eine Software, die die Funktionen von ERP und CRM kombiniert, vermeidet doppelte Datenerfassung und ermöglicht eine bessere Auswertung der vorhandenen Daten. Wenn Sie ein solches Tool suchen, um das Unternehmensmanagement zu vereinfachen, dann finden Sie hier einen Überblick über fünf Lösungen.

Dynamics 365

Microsoft hat Dynamics 365 im Jahr 2016 eingeführt und darin seine ERP- und CRM-Anwendungen auf einer gemeinsamen Cloud-Plattform zusammengeführt. Dynamics 365 ist modular aufgebaut: Sie kombinieren genau die Anwendungen, die Ihr Unternehmen benötigt. Für die CRM-Seite stehen Anwendungen wie Dynamics 365 Sales, Customer Service, Contact Center und Field Service sowie Marketinglösungen zur Verfügung. Dynamics 365 Sales bietet Ihnen unter anderem folgende Vorteile:

  • ein besseres Verständnis für Ihre Kunden,
  • eine Verbesserung von Marketing und Vertrieb,
  • eine Automatisierung von Vertriebsaufgaben und -prozessen,
  • eine Erhöhung der Produktivität Ihrer Vertriebs- und Marketingteams.

Mit Dynamics 365 Customer Service bieten Sie Ihren Kunden einen individuellen Service. Diese CRM-Software erleichtert Ihnen darüber hinaus die Bearbeitung von Kundenanliegen und stärkt die Kundenbeziehungen.

Für die ERP-Seite stehen unter anderem Dynamics 365 Finance, Supply Chain Management und Project Operations zur Verfügung; für kleine und mittlere Unternehmen bietet Microsoft Dynamics 365 Business Central an. Dynamics 365 Finance sammelt und verarbeitet Finanzdaten, sodass Sie einen hervorragenden Überblick über die finanzielle Seite der Geschäftsvorgänge erhalten. So können Sie schneller auf Veränderungen reagieren. Das ERP-System verbessert außerdem die Leistung Ihrer Teams, da es Daten verknüpft und Aufgaben automatisiert.

Mit Dynamics 365 Supply Chain Management erkennen Sie Engpässe in Beschaffung und Lieferkette frühzeitig. Das ERP-System unterstützt Sie dabei, Stillstandszeiten zu reduzieren und die Auftragsverarbeitung durch KI zu automatisieren. Auf diese Weise haben Sie einen durchgängigen Überblick über die Lieferkette.

Salesforce

Salesforce gehört zu den weltweit führenden Anbietern von CRM-Software. Die Lösung für Kunden- und Vertriebsmanagement wird als Cloud-Software bereitgestellt. Sie umfasst ein breites Spektrum an Anwendungen für zusätzliche Funktionen, die Sie in das CRM-System integrieren können. Module wie „Vertrieb“, „Service“, „Marketing“, „Commerce“ usw. bieten Ihnen einen umfassenderen Überblick über die Kunden- und Unternehmensdaten. So verbessern Sie den Kundenservice, stärken die Kundenbeziehungen und steigern letzten Endes den Umsatz.

Salesforce enthält zwar kein ERP-System, Sie finden die Software dennoch auf dieser Liste, da Sie Salesforce in Ihr ERP-System integrieren können. So führen Sie Kunden- und Auftragsdaten zusammen und vermeiden doppelte Datenpflege. Die Software hilft zudem bei der Automatisierung der Prozesse. Am Ende können Sie fundierte Entscheidungen treffen, die das Unternehmenswachstum beschleunigen.

Oracle

Die cloudbasierten Anwendungen von Oracle können ebenfalls als ERP- und CRM-Systeme eingesetzt werden. Oracle Fusion Cloud ERP deckt die zentralen kaufmännischen Prozesse ab, unter anderem:

  • Finanzmanagement
  • Projektmanagement
  • Einkauf
  • Finanz- und Rechnungswesen
  • Beschaffung, Projektmanagement und Unternehmensplanung (für die Lieferkette bietet Oracle mit Oracle Fusion Cloud SCM eine eigene Suite).

Damit erkennen Sie Abweichungen frühzeitig und können rechtzeitig gegensteuern. Weitere Vorteile sind die Automatisierung von bislang manuell ausgeführten Tätigkeiten und die damit verbundene Zeitersparnis, um schneller neue Geschäftsmodelle entwickeln zu können.

Für das Kundenbeziehungsmanagement bietet Oracle die Suite Oracle Fusion Cloud Customer Experience (CX) an. Sie unterstützt Marketing, Vertrieb und Service dabei, Kundenkontakte über alle Kanäle hinweg zu steuern. Für mittelständische Unternehmen bietet Oracle zudem NetSuite an, eine Cloud-Suite, in der ERP- und CRM-Funktionen auf einer Plattform zusammenlaufen.

SAP

SAP bietet mit SAP S/4HANA Cloud ein ERP-System und mit SAP Sales Cloud eine eigene Software für das Kundenbeziehungsmanagement an; für kleine und mittlere Unternehmen enthält SAP Business One bereits CRM-Funktionen. Mit dem ERP-System haben Sie Finanzen, Vertrieb, Einkauf und Lieferketten im Griff. Damit wird es für Sie einfacher, operative Tätigkeiten zu automatisieren. Das System ist vielseitig, sodass Sie damit Prozesse im gesamten Unternehmen steuern und schnell reagieren können.

Die CRM-Anwendung umfasst Lösungen für das Management von E-Commerce, Kundendaten, Vertrieb, Service und Marketing. Sie hilft Ihnen, Vertriebs- und Marketingtätigkeiten zu automatisieren und so den Umsatz zu steigern.

Infor

Infor bietet branchenspezifische ERP-Suiten und mit Infor CRM SLX auch eine eigene CRM-Software an. Mit ihr optimieren Sie die Interaktionen mit den Kunden und verbessern die Performance Ihrer Vertriebsteams. Darüber hinaus haben Sie einen sehr guten Überblick über den gesamten Kundenstamm und alle Aktivitäten im Zusammenhang mit Vertrieb, Marketing und Service.

Im ERP-Bereich bietet Infor unter anderem folgende Suiten und Systeme an:

Welche Lösung passt, hängt vor allem von Branche, Unternehmensgröße und vorhandener Systemlandschaft ab.

ERP-CRM-Komplettlösung oder Integration: Was passt zu Ihrem Unternehmen?

Grundsätzlich gibt es zwei Wege, ERP und CRM zusammenzubringen. Bei einer Komplettlösung stammen beide Bereiche aus einer Suite und greifen auf gemeinsame Stammdaten zu. Bei einer Integration verbinden Sie zwei spezialisierte Systeme, etwa Salesforce mit einem bestehenden ERP, über Schnittstellen oder eine Middleware. SAP weist darauf hin, dass manche ERP-Systeme bereits CRM-Funktionen enthalten, CRM-Software dagegen keine ERP-Daten wie Aufträge oder Rechnungen verwaltet.

LösungAnsatzTypische Zielgruppe
Microsoft Dynamics 365modulare Suite mit ERP- und CRM-AnwendungenMittelstand und Konzerne
Salesforcereines CRM, Anbindung an ein ERP per SchnittstelleUnternehmen mit Fokus auf Vertrieb und Service
Oracle Fusion Cloud ERP und Oracle CXgetrennte Cloud-Suiten eines AnbietersGroßunternehmen
SAP S/4HANA Cloud und SAP Sales CloudERP- und CRM-Portfolio eines AnbietersMittelstand und Konzerne
Infor CloudSuites und Infor CRM SLXBranchen-ERP mit eigenem CRMFertigung und Großhandel
SAP Business One, Oracle NetSuite, OdooERP mit integrierten CRM-Funktionen in einem Systemkleine und mittlere Unternehmen

Eine Komplettlösung vereinfacht Datenpflege und Lizenzverwaltung, bindet Sie aber stärker an einen Anbieter. Die Integration spezialisierter Systeme bietet mehr Funktionstiefe, erfordert jedoch Aufwand für Schnittstellen und Datenabgleich. Die grundsätzlichen Unterschiede zwischen ERP und CRM erklären wir in einem eigenen Beitrag.

Fazit

Es gibt verschiedene cloudbasierte Systeme, die ERP und CRM kombinieren. Vergleichen Sie sie anhand Ihrer wichtigsten Prozesse, Ihrer bestehenden Systemlandschaft und der Anforderungen Ihrer Anwender, um die passende Lösung zu finden.

Worauf sollten Sie bei der Einführung einer ERP-CRM-Lösung achten?

Ob Komplettlösung oder integrierte Einzelsysteme: Die Software allein garantiert noch keinen Nutzen. Achten Sie vor allem auf folgende Punkte:

  • Prozesse zuerst: Klären Sie, wie Angebote, Aufträge, Rechnungen und Serviceanfragen zwischen Vertrieb, Finanzen und Logistik fließen sollen, bevor Sie Funktionen auswählen.
  • Stammdaten bereinigen: Kunden-, Artikel- und Preisdaten sollten vor der Datenmigration geprüft und Dubletten entfernt werden.
  • Führendes System festlegen: Definieren Sie für jedes Datenobjekt, ob ERP oder CRM die maßgebliche Quelle ist.
  • Anwender einbinden: SAP nennt die Benutzerakzeptanz ausdrücklich als Herausforderung der ERP-CRM-Integration und empfiehlt kontinuierliche Schulung und Unterstützung. Vertriebs- und Servicemitarbeitende arbeiten nach der Umstellung oft mit neuen Masken und Abläufen.

Klassische Anwenderschulungen lassen sich durch kontextbezogene Hilfen direkt in der Anwendung ergänzen, etwa mit einer Digital Adoption Platform. Sie unterstützen die Nutzer auch nach dem Go-live, wenn die meisten Fragen im Arbeitsalltag entstehen. Legen Sie außerdem fest, wer nach der Einführung Fragen beantwortet und Anleitungen bei Updates aktualisiert.

Häufig gestellte Fragen

Ist ein CRM ein ERP?

Nein. Ein CRM-System verwaltet Kundenbeziehungen, also Kontakte, Verkaufschancen, Marketingkampagnen und Serviceanfragen. Ein ERP-System steuert die internen Ressourcen und Prozesse wie Finanzbuchhaltung, Einkauf, Lager und Produktion. Manche ERP-Systeme enthalten jedoch CRM-Funktionen, und viele Anbieter bieten beide Systeme als aufeinander abgestimmte Suite an. Reine CRM-Software bildet dagegen keine ERP-Prozesse wie Buchhaltung oder Lagerverwaltung ab.

Welche Software kombiniert ERP und CRM?

ERP- und CRM-Anwendungen aus einer Hand bieten unter anderem Microsoft mit Dynamics 365, Oracle mit Fusion Cloud ERP und Oracle CX, SAP mit SAP S/4HANA Cloud und SAP Sales Cloud sowie Infor. Für kleinere und mittlere Unternehmen gibt es Lösungen, die ERP- und CRM-Funktionen in einem System vereinen, zum Beispiel SAP Business One, Oracle NetSuite oder die Open-Source-Software Odoo.

Ist SAP ein ERP- oder ein CRM-System?

SAP ist ein Softwarehersteller, der sowohl ERP- als auch CRM-Software anbietet. Bekanntestes ERP-Produkt ist SAP S/4HANA; für kleinere Unternehmen gibt es SAP Business One und SAP Business ByDesign. Für das Kundenbeziehungsmanagement bietet SAP eigene CRM-Lösungen für Vertrieb, Service und Marketing an. Werden beide kombiniert, entsteht eine einheitliche Sicht auf Kunden- und Geschäftsdaten.

Wann lohnt sich eine Integration von ERP und CRM?

Eine Integration von ERP und CRM lohnt sich, sobald Vertrieb und Service regelmäßig Informationen aus dem ERP benötigen, etwa Lagerbestände, Lieferstatus, offene Posten oder Preise, oder wenn Aufträge aus dem CRM ohne erneute Erfassung im ERP weiterverarbeitet werden sollen. Ohne Integration entstehen doppelte Dateneingaben, Übertragungsfehler und widersprüchliche Kundendaten. Je mehr Nutzer und Vorgänge, desto größer ist der Nutzen einer automatischen Synchronisation.

Welche ERP-CRM-Lösung eignet sich für den Mittelstand?

Für mittelständische Unternehmen kommen sowohl Suiten wie Microsoft Dynamics 365 als auch Komplettlösungen wie SAP Business One, Oracle NetSuite oder Odoo infrage. Entscheidend sind Branche, vorhandene Systemlandschaft, benötigter Funktionsumfang im Vertrieb und die Frage, ob die Lösung in der Cloud oder im eigenen Rechenzentrum betrieben werden soll. Vergleichen Sie mehrere Anbieter anhand Ihrer wichtigsten Prozesse.

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