IaaS, PaaS und SaaS sind die drei grundlegenden Servicemodelle des Cloud Computing: Infrastructure as a Service stellt Rechenleistung, Speicher und Netzwerk bereit, Platform as a Service zusätzlich eine Entwicklungs- und Laufzeitumgebung, und Software as a Service liefert fertige Anwendungen über das Internet. Die Modelle unterscheiden sich vor allem darin, wie viel der Anbieter verwaltet und wie viel in der Verantwortung des Unternehmens bleibt. In diesem Artikel erfahren Sie, was IaaS, PaaS und SaaS genau bedeuten, wo die Unterschiede liegen, welche Beispiele es gibt und welches Modell für welchen Zweck passt.
Was ist IaaS (Infrastructure as a Service)?
Bei IaaS mietet ein Unternehmen die grundlegende IT-Infrastruktur aus der Cloud: virtuelle Server, Speicher, Netzwerke und Rechenkapazität. Der Anbieter betreibt die physischen Rechenzentren, die Hardware und die Virtualisierung. Betriebssysteme, Middleware, Datenbanken und Anwendungen installiert und verwaltet das Unternehmen selbst.
- Vorteile: maximale Flexibilität und Kontrolle, schnelle Skalierung, keine Investition in eigene Hardware, nutzungsabhängige Abrechnung.
- Nachteile: hoher Verwaltungsaufwand, IT-Fachwissen für Betrieb, Sicherheit und Updates erforderlich.
- Typische Einsatzbereiche: Migration bestehender Server in die Cloud, Test- und Entwicklungsumgebungen, Big-Data-Analysen, Backup und Disaster Recovery.
- Beispiele: Amazon EC2, Microsoft Azure Virtual Machines, Google Compute Engine, IONOS Cloud.
Was ist PaaS (Platform as a Service)?
PaaS baut auf IaaS auf und stellt zusätzlich eine vollständige Plattform zur Entwicklung, Bereitstellung und zum Betrieb von Anwendungen bereit: Betriebssystem, Laufzeitumgebungen, Datenbanken, Middleware und Entwicklungswerkzeuge. Entwickler konzentrieren sich auf Code und Daten, ohne sich um Server, Patches oder Skalierung kümmern zu müssen.
- Vorteile: schnellere Entwicklung, weniger Betriebsaufwand, integrierte Tools für Tests und Deployment, automatische Skalierung.
- Nachteile: weniger Kontrolle über die Umgebung, Abhängigkeit von den Technologien des Anbieters (Vendor Lock-in).
- Typische Einsatzbereiche: Entwicklung eigener Web- und Unternehmensanwendungen, APIs und Integrationen, Erweiterungen von SaaS-Lösungen, Low-Code-Anwendungen.
- Beispiele: Microsoft Azure App Service, Google App Engine, AWS Elastic Beanstalk, Heroku, SAP Business Technology Platform, Salesforce Platform.
Was ist SaaS (Software as a Service)?
Bei SaaS nutzt das Unternehmen eine fertige Anwendung über den Browser oder eine App, meist im Abonnement. Der Anbieter verantwortet alles: Infrastruktur, Plattform, Anwendung, Updates und Verfügbarkeit. Das Unternehmen kümmert sich nur noch um seine Daten, Benutzer und Einstellungen.
- Vorteile: sofort einsatzbereit, keine Installation und Wartung, planbare Kosten, Zugriff von überall, regelmäßige automatische Updates.
- Nachteile: geringere Anpassbarkeit, Abhängigkeit vom Anbieter, Fragen zu Datenschutz und Datenstandort, häufige Änderungen an der Oberfläche.
- Typische Einsatzbereiche: Büroanwendungen, CRM, HR, Einkauf, ERP, Kollaboration, Ticketsysteme.
- Beispiele: Microsoft 365, Salesforce, Workday, SAP SuccessFactors, ServiceNow, Coupa, Slack.
IaaS vs. PaaS vs. SaaS: die Unterschiede im Überblick
Der wichtigste Unterschied liegt in der Verteilung der Verantwortung. Je weiter man von IaaS über PaaS zu SaaS geht, desto mehr übernimmt der Anbieter:
| Ebene | On-Premise | IaaS | PaaS | SaaS |
|---|---|---|---|---|
| Anwendungen | Unternehmen | Unternehmen | Unternehmen | Anbieter |
| Daten | Unternehmen | Unternehmen | Unternehmen | Unternehmen |
| Laufzeit und Middleware | Unternehmen | Unternehmen | Anbieter | Anbieter |
| Betriebssystem | Unternehmen | Unternehmen | Anbieter | Anbieter |
| Virtualisierung | Unternehmen | Anbieter | Anbieter | Anbieter |
| Server, Speicher, Netzwerk | Unternehmen | Anbieter | Anbieter | Anbieter |
Unabhängig vom Modell bleibt das Unternehmen immer für seine Daten, Benutzerzugänge und die richtige Nutzung verantwortlich. Diese Aufteilung wird als Shared Responsibility Model bezeichnet.
| Kriterium | IaaS | PaaS | SaaS |
|---|---|---|---|
| Zielgruppe | IT-Administratoren, Infrastruktur-Teams | Entwickler | Endanwender in den Fachbereichen |
| Kontrolle | hoch | mittel | gering |
| Verwaltungsaufwand | hoch | mittel | gering |
| Anpassbarkeit | sehr hoch | hoch | begrenzt (Konfiguration) |
| Zeit bis zur Nutzung | Tage bis Wochen | Stunden bis Tage | sofort |
| Abrechnung | nach Ressourcenverbrauch | nach Ressourcen oder Nutzung | pro Nutzer und Monat |
Einfach erklärt: das Pizza-Beispiel
Ein bekannter Vergleich macht die Unterschiede greifbar:
- On-Premise: Sie backen die Pizza zu Hause, mit eigenem Ofen, eigenen Zutaten und eigenem Tisch.
- IaaS: Sie mieten eine Küche mit Ofen, bringen aber Teig, Zutaten und Rezept selbst mit.
- PaaS: Sie bestellen Teig und Ofen, belegen die Pizza aber nach eigenem Rezept.
- SaaS: Sie gehen ins Restaurant und essen die fertige Pizza.
Weitere Cloud-Servicemodelle: FaaS, CaaS und mehr
- FaaS (Function as a Service) oder Serverless: Entwickler laden einzelne Funktionen hoch, die nur bei Bedarf ausgeführt und sekundengenau abgerechnet werden, etwa AWS Lambda oder Azure Functions.
- CaaS (Container as a Service): Bereitstellung und Orchestrierung von Containern, zum Beispiel auf Basis von Kubernetes.
- DaaS (Desktop as a Service): virtuelle Arbeitsplätze aus der Cloud.
Zusammenfassend wird oft von XaaS (Everything as a Service) gesprochen.
Welches Cloud-Modell passt zu Ihrem Unternehmen?
| Wenn Sie … | dann eignet sich … |
|---|---|
| volle Kontrolle über Server und Betriebssysteme brauchen oder bestehende Systeme in die Cloud verlagern | IaaS |
| eigene Anwendungen entwickeln möchten, ohne Infrastruktur zu betreiben | PaaS |
| eine Standardlösung für CRM, HR, Einkauf oder Office schnell einführen wollen | SaaS |
In der Praxis kombinieren die meisten Unternehmen alle drei Modelle: SaaS für Standardprozesse, PaaS für individuelle Erweiterungen und Integrationen, IaaS für Altsysteme und spezielle Workloads. Wichtige Auswahlkriterien sind Datenschutz und Datenstandort (DSGVO), Integrationsfähigkeit, Kosten über die gesamte Laufzeit, Abhängigkeit vom Anbieter und das vorhandene IT-Know-how. Einen Vergleich mit dem klassischen Betrieb finden Sie in unserem Artikel SaaS vs. On-Premise, die Cloud-Variante für Unternehmenssoftware im Artikel zum Cloud-ERP.
SaaS im Unternehmen: Was Anwender wirklich brauchen
Der Großteil der Software, mit der Mitarbeitende täglich arbeiten, ist heute SaaS. Das bringt einen oft unterschätzten Effekt mit sich: SaaS-Anbieter veröffentlichen mehrmals im Jahr Updates, die Oberflächen, Menüs und Prozesse verändern. Was für die IT bequem ist, weil keine Updates mehr eingespielt werden müssen, bedeutet für Anwender, dass sie sich immer wieder neu orientieren müssen. Klassische Schulungen und Handbücher veralten dadurch schnell.
Hinzu kommt die wachsende Zahl an Anwendungen: Viele Mitarbeitende arbeiten täglich mit einem Dutzend oder mehr SaaS-Tools. Eine Digital Adoption Platform (DAP) legt eine einheitliche Hilfe-Ebene über diese Anwendungen: interaktive Schritt-für-Schritt-Anleitungen, kontextbezogene Hinweise und Ankündigungen neuer Funktionen direkt in der Software. Mehr dazu lesen Sie in unseren Artikeln zu SaaS-Lösungen und DAPs und zum SaaS-Onboarding. Mit K-Now von Knowmore begleiten Sie Ihre Anwender in allen webbasierten Unternehmensanwendungen.
Fazit
IaaS, PaaS und SaaS unterscheiden sich darin, wie viel Verantwortung beim Anbieter und wie viel beim Unternehmen liegt. IaaS bietet maximale Kontrolle über die Infrastruktur, PaaS beschleunigt die Entwicklung eigener Anwendungen, und SaaS liefert fertige Software ohne Betriebsaufwand. Die meisten Unternehmen nutzen eine Kombination. Gerade bei SaaS entscheidet am Ende nicht die Technik über den Erfolg, sondern ob die Anwender die Software sicher und effizient nutzen.
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Häufige Fragen zu IaaS, PaaS und SaaS
Was sind IaaS, PaaS und SaaS?
Es sind die drei grundlegenden Cloud-Servicemodelle. IaaS stellt Infrastruktur wie Server und Speicher bereit, PaaS zusätzlich eine Plattform zur Anwendungsentwicklung, und SaaS liefert fertige Anwendungen über das Internet.
Was ist der Unterschied zwischen IaaS und SaaS?
Bei IaaS mietet das Unternehmen nur die Infrastruktur und verwaltet Betriebssystem, Software und Daten selbst. Bei SaaS nutzt es eine fertige Anwendung, deren Betrieb vollständig beim Anbieter liegt.
Was ist der Unterschied zwischen PaaS und SaaS?
PaaS richtet sich an Entwickler, die auf der Plattform eigene Anwendungen bauen. SaaS richtet sich an Endanwender, die eine fertige Anwendung nutzen.
Welche sind die drei großen Cloud-Anbieter?
Die drei größten Anbieter von Cloud-Infrastruktur und -Plattformen sind Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure und Google Cloud.
Ist Microsoft 365 SaaS oder PaaS?
Microsoft 365 ist SaaS: Die Anwendungen werden fertig über die Cloud bereitgestellt. Microsoft Azure bietet dagegen IaaS- und PaaS-Dienste.
Was bedeutet Shared Responsibility Model?
Das Modell beschreibt die Aufteilung der Verantwortung zwischen Cloud-Anbieter und Kunde. Je nach Servicemodell übernimmt der Anbieter mehr oder weniger Ebenen, die Verantwortung für Daten und Benutzerzugänge bleibt immer beim Kunden.