Das Wichtigste in Kürze
- Struktureller Wandel im Unternehmen bezeichnet die Neuordnung der Aufbau- und Ablauforganisation, etwa von Abteilungen, Hierarchieebenen, Zuständigkeiten und Prozessen.
- In der Volkswirtschaft meint Strukturwandel dagegen die Verschiebung der Anteile einzelner Branchen und Sektoren an der Wirtschaftsleistung, zum Beispiel von der Landwirtschaft hin zu Dienstleistungen.
- Auslöser im Unternehmen sind meist Marktveränderungen, Wachstum, Fusionen oder die digitale Transformation.
- Erfolgsentscheidend sind eine frühe, offene Kommunikation, der konstruktive Umgang mit Widerstand und passende Schulungen für neue Rollen, Prozesse und Software.
Struktureller Wandel beschreibt eine Veränderung der Unternehmensstruktur. Dabei kann es sich um einen umfassenden Prozess handeln, der die gesamte Unternehmensstruktur betrifft, oder um gezielte Umgestaltungen einzelner Ebenen, die die Leistung verbessern sollen. Typischerweise wird struktureller Wandel durch Entscheidungen der Unternehmensleitung angestoßen, wobei oft eher äußere Zwänge als der eigene Wunsch nach Erneuerung dahinterstehen. Oftmals lassen bestimmte Umstände dem Unternehmen keine andere Wahl, als sich anzupassen. Struktureller Wandel durchläuft verschiedene Phasen, die sorgfältig aufeinander abgestimmt sein müssen. Vor allem geht es darum, die Notwendigkeit für einen solchen Wandel sowie die Auswirkungen auf die Organisation zu verstehen.
Wesentliche Herausforderungen, die struktureller Wandel mit sich bringt
Viele Unternehmen erreichen irgendwann den Punkt, an dem grundlegende Neugestaltungen erforderlich sind, die einen strukturellen Wandel nach sich ziehen. Ein solcher Wandel kann sich als äußerst komplex erweisen. Um den Prozess erfolgreich zu gestalten, ist es wichtig, die Zusammenhänge klar zu erkennen, die damit verbunden sind.
Wenn eine Organisation sich dazu entscheidet, umfassende organisatorische oder strukturelle Veränderungen herbeizuführen, geschieht dies oft, weil die bestehenden Strukturen den aktuellen wirtschaftlichen Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Ein solches Vorhaben ist zwangsläufig mit zahlreichen Herausforderungen verbunden.
Anpassung an Marktentwicklungen und die Konkurrenzsituation
Jedes Unternehmen muss sich an Marktveränderungen anpassen und in diesem Zusammenhang neue Vorgehensweisen entwickeln. Fast immer geht damit ein struktureller Wandel einher. Gelingt es dem Unternehmen nicht, mit den Marktentwicklungen Schritt zu halten, hat das unweigerlich negative Folgen:
Verlust von Marktanteilen,
geringere Margen,
entgangene Chancen u. v. m.
Digitale Transformation hilft dabei, sich an die Veränderungen im Markt anzupassen, setzt aber manchmal einen strukturellen Wandel voraus. Auf diese Weise ist man jedoch besser für wirtschaftliche Veränderungen oder neue Wettbewerber im Markt gerüstet.
Sicherung von Wachstum und Unternehmenstransformation
Die Größe der Belegschaft ist nicht konstant, sondern kann wachsen oder schrumpfen. Veränderungen der Mitarbeiterzahl lösen dabei in vielen Fällen strukturelle oder organisatorische Veränderungen aus. Wächst ein Unternehmen, ist damit fast immer ein struktureller Wandel verbunden. Aber nicht nur eine höhere Mitarbeiterzahl, sondern auch Kapitalerhöhungen oder Umsatzsteigerungen können Strukturveränderungen nach sich ziehen. Ein Unternehmen kann daher im Laufe der Zeit mehrere Phasen eines strukturellen Wandels durchlaufen.
Struktureller Wandel in der Wirtschaft und im Unternehmen: Was ist der Unterschied?
Der Begriff wird in zwei Bedeutungen verwendet. In der Volkswirtschaftslehre bezeichnet Strukturwandel die mehr oder weniger stetige Veränderung der Beiträge einzelner Wirtschaftszweige und Sektoren zur gesamtwirtschaftlichen Leistung (Lexikon der Wirtschaft der bpb). Typisch ist, dass der Anteil der Land- und Forstwirtschaft sinkt, während der Dienstleistungsbereich wächst. Neue Technologien und ein zunehmender internationaler Wettbewerb beschleunigen diese Entwicklung. Unterschieden werden vor allem zwei Formen:
- Sektoraler Strukturwandel: Die Gewichte zwischen Branchen und Wirtschaftssektoren verschieben sich, etwa von der Industrie zu Dienstleistungen.
- Regionaler Strukturwandel: Ganze Regionen müssen sich neu ausrichten, wie das Ruhrgebiet nach dem Ende des Steinkohlebergbaus oder die Lausitz mit dem Ausstieg aus der Braunkohle.
Im Unternehmen meint struktureller Wandel dagegen die Veränderung der eigenen Organisation: der Aufbauorganisation mit Abteilungen, Hierarchieebenen und Zuständigkeiten sowie der Ablauforganisation mit Prozessen und IT-Systemen. Beide Ebenen hängen zusammen. Der Strukturwandel einer Branche zwingt Unternehmen oft zu strukturellen Veränderungen, etwa wenn Automobilzulieferer ihr Geschäft auf Elektromobilität umstellen. Dieser Artikel behandelt den strukturellen Wandel im Unternehmen.
Auswirkungen auf die verschiedenen Unternehmensaspekte
Struktureller Wandel ist ein geplanter Prozess, der von allen Beteiligten unterstützt werden muss, um erfolgreich zu sein. Daher ist es wichtig, die Auswirkungen auf verschiedene Aspekte des Unternehmens vorherzusehen.
Auswirkungen auf Mitarbeiter
Struktureller Wandel hat immer Konsequenzen für die Mitarbeiter, da sie auf verschiedenen Ebenen mit Veränderungen konfrontiert sind.
- Funktionen,
- Arbeitsplätze,
- Verantwortungsbereiche,
- Qualifikationen.
Aufgrund veränderter Arbeits- oder Verantwortungsbereiche sind Mitarbeiter gezwungen, sich neue Qualifikationen anzueignen, um ihre Funktion im Unternehmen zu erfüllen. Da das Personal einer der wichtigsten Faktoren für die Entwicklung des Unternehmens ist, müssen die Auswirkungen auf die Produktivität der Mitarbeiter von Anfang an berücksichtigt werden. Themen wie Weiterbildung, Talentmanagement und Kommunikation müssen daher von der Unternehmensleitung ernst genommen werden, damit alle Beteiligten dem Übergang gelassen entgegenblicken können.
Folgen für Prozesse und Vorgehensweisen
Die Struktur eines Unternehmens ist eng mit den bestehenden Prozessen und Vorgehensweisen verbunden. Struktureller Wandel bedeutet daher oft eine Neugestaltung der aktuellen Workflows. Die Unternehmensleitung muss deshalb die Arbeitsabläufe überprüfen und neue Vorgehensweisen festlegen. Dies ist ein komplexer Vorgang. Das Ziel dabei ist, die Prozesse und Abläufe so wenig wie möglich zu beeinträchtigen und gleichzeitig die Gesamteffizienz zu steigern.
Struktureller Wandel hat oft Auswirkungen auf die Unternehmenskultur, und die Mitarbeiter werden mit neuen Tools und Technologien konfrontiert. Veränderungsmanagement ist bei strukturellem Wandel ein wichtiges Thema und erfordert oft externe Unterstützung durch spezialisierte Dienstleister.
Externe Expertise kann sich lohnen, unabhängig davon, ob es sich um ein kleines Unternehmen mit einfachen Strukturen oder einen Konzern mit einer komplexen Unternehmensarchitektur handelt. So lassen sich die Auswirkungen auf die Arbeitsweise und damit auf die Produktivität begrenzen.
In welchen Phasen läuft struktureller Wandel im Unternehmen ab?
Struktureller Wandel ist kein einmaliger Akt, sondern ein Prozess, dessen Phasen aufeinander abgestimmt sein müssen. In der Praxis hat sich folgender Ablauf bewährt:
- Analyse: Auslöser, Ziele und betroffene Bereiche klären. Warum passt die bisherige Struktur nicht mehr, und was soll die neue leisten?
- Zielbild und Planung: Organisation, Rollen, Prozesse und Systeme festlegen, Zeitplan und Budget definieren. In Deutschland ist zudem ein bestehender Betriebsrat einzubinden: In Unternehmen mit in der Regel mehr als 20 wahlberechtigten Arbeitnehmern muss der Arbeitgeber ihn über grundlegende Änderungen der Betriebsorganisation rechtzeitig und umfassend unterrichten und die Maßnahmen mit ihm beraten (§ 111 BetrVG).
- Kommunikation: Gründe, Ziele und Folgen offen erklären, bevor Gerüchte entstehen, und Führungskräfte als Multiplikatoren einbinden.
- Umsetzung und Qualifizierung: Die neuen Strukturen schrittweise einführen und die Mitarbeitenden für neue Aufgaben, Prozesse und Software schulen.
- Stabilisierung: Ergebnisse messen, nachsteuern und die neuen Abläufe verankern, ganz im Sinne der Refreeze-Phase im 3-Phasen-Modell von Kurt Lewin.
Ein Team kann nur eine begrenzte Zahl von Veränderungen gleichzeitig verkraften. Folgen mehrere Umstrukturierungen zu schnell aufeinander, droht Change Fatigue.
Gängige Problemstellungen bei der Umsetzung von strukturellem Wandel
Struktureller Wandel und das damit verbundene Veränderungsmanagement finden oft in Krisenzeiten statt, die eine schnelle Anpassung der Organisation erfordern. Dies kann zu Problemen innerhalb des Unternehmens führen, da die betroffenen Akteure oft Schwierigkeiten haben, die Veränderungen zu akzeptieren. Typische Herausforderungen sind der Umgang mit Widerstand gegen Veränderungen, eine gute Kommunikation über den Übergang und seine Auswirkungen sowie die Entwicklung eines angemessenen Schulungsprogramms.
Widerstand gegen Veränderungen
Organisatorische und strukturelle Veränderungen gehen oft mit Widerstand gegen die Veränderungen einher. Die Mitarbeiter zeigen sich oft zurückhaltend, wenn es darum geht, vertraute Routinen aufzugeben und Neuerungen zu akzeptieren. Im Extremfall kann dies zum Scheitern des gesamten Vorhabens führen. Eine gute Kommunikation ist daher ein wesentlicher Faktor, um Widerstand gegen Veränderungen abzubauen. Dies ist jedoch nicht immer einfach, da die Unternehmensleitung während des Wandels oft versucht, sich auf die Strategie zu konzentrieren und die Kommunikation über die Veränderungen zurückzustellen. Dabei ist Kommunikation für erfolgreiches Veränderungsmanagement äußerst wichtig. Sie hält die Mitarbeiter auf dem aktuellen Stand, was eine grundlegende Voraussetzung für ein vertrauensvolles Arbeitsklima ist. Jeder Mitarbeiter hat das Recht, die Gründe für solche grundlegenden Veränderungen zu kennen und die Ziele zu verstehen, die damit erreicht werden sollen.
Mitarbeiterschulung
Die Kompetenzentwicklung ist ein wesentlicher Faktor, damit Mitarbeiter und Teams sich an ein neues organisatorisches und strukturelles Umfeld anpassen können. Die Ausarbeitung angepasster Schulungen und Weiterbildungsmaßnahmen, die auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter zugeschnitten sind, ist daher unerlässlich. Diese Maßnahmen müssen flexibel und individuell anpassbar sein, damit jeder Einzelne die erforderlichen Fähigkeiten erwerben und seine neue Rolle erfolgreich ausfüllen kann.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass struktureller Wandel ein unverzichtbarer Prozess für Unternehmen ist, die in einem sich ständig verändernden Umfeld wettbewerbsfähig bleiben wollen. Er birgt zahlreiche Herausforderungen und hat grundlegende Auswirkungen auf alle Bereiche eines Unternehmens. Um den strukturellen Wandel erfolgreich zu gestalten, müssen mehrere Hürden überwunden werden. Flexibilität, eine offene Kommunikation und die gezielte Schulung der Mitarbeitenden tragen entscheidend dazu bei, dass der Wandel gelingt.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter strukturellem Wandel?
Struktureller Wandel bezeichnet grundlegende Veränderungen einer Struktur. In der Volkswirtschaft ist damit die Verschiebung der Anteile einzelner Branchen und Sektoren an der Wirtschaftsleistung gemeint, etwa von der Landwirtschaft hin zu Dienstleistungen. Im Unternehmen beschreibt struktureller Wandel die Neuordnung der Organisation, also von Abteilungen, Hierarchien, Zuständigkeiten und Prozessen, zum Beispiel nach Wachstum, einer Fusion oder im Zuge der digitalen Transformation.
Was ist eine strukturelle Veränderung im Unternehmen?
Eine strukturelle Veränderung ist ein Eingriff in die Aufbau- oder Ablauforganisation eines Unternehmens. Beispiele sind die Zusammenlegung von Abteilungen, der Abbau oder die Einführung von Hierarchieebenen, der Wechsel zu einer Matrix- oder Spartenorganisation, die Zentralisierung von Funktionen wie Einkauf oder IT sowie neue Prozesse und Systeme. Anders als kleinere Anpassungen verändert sie Rollen und Zuständigkeiten vieler Mitarbeitender.
Welche Arten von Strukturwandel gibt es?
In der Wirtschaft unterscheidet man vor allem den sektoralen Strukturwandel, bei dem sich die Gewichte zwischen Land- und Forstwirtschaft, Industrie und Dienstleistungen verschieben, und den regionalen Strukturwandel, der einzelne Regionen betrifft. Hinzu kommt der intrasektorale Strukturwandel innerhalb einer Branche. Im Unternehmen wird häufig zwischen evolutionärem Wandel in kleinen Schritten und revolutionärem Wandel unterschieden, der Strukturen in kurzer Zeit grundlegend neu ordnet.
Welche Beispiele gibt es für den Strukturwandel in Deutschland?
Bekannte Beispiele sind das Ruhrgebiet, das sich nach dem Niedergang von Kohle und Stahl stärker auf Dienstleistungen, Wissenschaft und Logistik ausgerichtet hat, sowie die Lausitz, die sich auf den Ausstieg aus der Braunkohle vorbereitet. Aktuell verändert der Umstieg auf Elektromobilität die Automobilindustrie und ihre Zulieferer. Solche Entwicklungen lösen in den betroffenen Unternehmen häufig strukturelle Veränderungen aus.
Was ist der Unterschied zwischen Umstrukturierung und Restrukturierung?
Eine Umstrukturierung ist jede größere Änderung der Organisationsstruktur, etwa neue Abteilungen, Zuständigkeiten oder Standorte, und kann auch aus einer Position der Stärke erfolgen, zum Beispiel bei starkem Wachstum. Von Restrukturierung spricht man meist, wenn ein Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt und Strukturen, Kosten und Finanzierung neu ordnet, um seine Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen. Beides sind Formen des strukturellen Wandels.
Quellen
- Bundeszentrale für politische Bildung, „Strukturwandel“, in: Das Lexikon der Wirtschaft (Duden Wirtschaft von A bis Z, 6. Aufl. 2016)
- Bundeszentrale für politische Bildung, „Strukturwandel“, in: Schubert/Klein, Das Politiklexikon, 7. Aufl. 2020
- Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG), § 111 Betriebsänderungen