Blended Learning im Unternehmen: Definition, Modelle, Vor- und Nachteile

Was ist Blended Learning? Definition, Modelle wie Flipped Classroom, Vor- und Nachteile sowie ein Praxisbeispiel für die Weiterbildung im Unternehmen.

Von Marielle Gantenberg
10 Min. Lesezeit

Blended Learning, auf Deutsch integriertes Lernen, verbindet Präsenzveranstaltungen mit digitalen Lernformen wie E-Learning-Modulen, Webinaren oder Microlearning zu einem didaktisch abgestimmten Gesamtkonzept. Online-Phasen vermitteln Grundlagen im eigenen Tempo, Präsenzphasen dienen der Übung, dem Austausch und dem Feedback. In der betrieblichen Weiterbildung eignet sich das Konzept besonders für Software-Schulungen, Führungstrainings und das Onboarding.

Das Wichtigste in Kürze

  • Blended Learning kombiniert Präsenz- und Online-Lernphasen zu einem abgestimmten Lernkonzept; der deutsche Begriff lautet integriertes Lernen.
  • Verbreitete Modelle sind das Rotations-, Flex-, Self-Blend- und Enriched-Virtual-Modell; eine bekannte Sonderform ist der Flipped Classroom.
  • Vorteile sind Flexibilität, besser genutzte Präsenzzeit und wiederverwendbare Inhalte; Nachteile sind ein höherer Konzeptionsaufwand und der Bedarf an Selbstdisziplin.
  • Für Software-Schulungen bewährt sich eine Kombination aus E-Learning vor dem Go-live, praktischer Schulung und Unterstützung direkt in der Anwendung.

Präsenzlernen oder E-Learning: Liegt der Schlüssel vielleicht in einer ausgewogenen Kombination? Seit einigen Jahren hat ein neues Lernkonzept in der Arbeitswelt Einzug gehalten: Blended Learning. Lesen Sie bei Knowmore, was sich hinter dem Begriff verbirgt und was diese Art des Lernens Ihrem Unternehmen und Ihren Mitarbeitenden bringen kann.

Was ist Blended Learning?

Blended Learning (integriertes Lernen) bezeichnet die didaktisch abgestimmte Kombination von Präsenzlernen und digitalen Lernformen. Um das Konzept einzuordnen, lohnt sich zunächst ein Blick auf die Lernformen, die in der betrieblichen Weiterbildung eingesetzt werden.

Betriebliche Fortbildung: Welche Lernformen gibt es?

Lange Zeit haben sich die Konzepte für die betriebliche Weiterbildung nicht verändert, doch inzwischen hat auch in diesem Bereich der Wandel Einzug gehalten. Eine der bekanntesten Lernformen ist zweifellos die Präsenzschulung. Sie findet meist in Gruppen statt und ermöglicht den direkten Austausch. Daneben hat sich das E-Learning als zweite große Lernform etabliert. Von MOOCs über virtuelle Klassenzimmer, Videos und E-Learning-Module bis hin zum Mobile Learning sind solche Methoden nun Teil der modernen Weiterbildung.

Abgesehen davon tauchen aber seit einigen Jahren noch weitere Lernformate in der Welt der Fortbildung auf. Ein Beispiel ist Microlearning: sehr kurze Lerneinheiten, die meist nur wenige Minuten dauern. Ihr Vorteil? Solche Formate erleichtern das Behalten von Informationen und verringern die kognitive Belastung beim Lernen. Das ist aber noch nicht alles.

Auch Gamification, also der Einsatz spielerischer Elemente wie Punkte, Ranglisten oder Abzeichen, gewinnt in der Weiterbildung an Bedeutung.

Parallel zu diesen Lernkonzepten gibt es noch weitere neue Trends, die sich, ganz nach dem Vorbild der Gamification, ebenfalls im Bereich der Fortbildung durchsetzen und diese für die Lernenden spielerischer machen sollen. Ob Serious Games oder interaktive Lernpfade mit Auszeichnungen in Form von Badges beziehungsweise Medaillen: Die Dynamik von Spielen ist immer präsenter und berücksichtigt die Tatsache, dass Vergnügen wichtig für das Lernen ist. Welche Verbindung hat das nun zum Blended Learning?

Blended Learning: das integrierte Lernkonzept

Unter dem Begriff Blended Learning versteht man nun die Kombination all dieser Lernformen. Man spricht auch von „integriertem Lernen“ beziehungsweise „Hybridlernen“. Blended Learning ist eine Art des Lernens, bei der Präsenzlernphasen und E-Learning kombiniert werden. Ziel ist es, die Stärken beider Lernformen zu verbinden.

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Unternehmen müssen sich damit nicht mehr für ein einziges Schulungskonzept entscheiden. Die Problemstellungen und Themen sind unterschiedlich und sollten unterschiedlich behandelt werden. Sie möchten Ihre Mitarbeiter in Teammanagement oder Unternehmenskommunikation weiterbilden? Dann ist eine Präsenzveranstaltung die beste Art, das damit verbundene Wissen zu vermitteln. Sie möchten Ihre Mitarbeiter im Umgang mit ihrer Software schulen? Dann setzen Sie auf E-Learning und technologische Hilfsmittel, um die Lernenden Schritt für Schritt mit neuen Tools vertraut zu machen. Die Besonderheit von Blended Learning liegt nämlich genau in der Ausgewogenheit zwischen den Anforderungen des Unternehmens und den Erwartungen der Beschäftigten.

Blended Learning: Welchen Nutzen bietet das Konzept Unternehmen und Mitarbeitern?

Blended Learning ist heute in vielen Unternehmen ein fester Bestandteil der Weiterbildung.

Blended Learning: mehr Flexibilität für eine bessere Leistung

Blended Learning bietet Unternehmen einen hohen Nutzen, vor allem, da es sehr flexibel ist. Durch den Einsatz verschiedener Lernformen für verschiedene Problemstellungen verbessert Blended Learning die didaktische Wirksamkeit. Die Weiterbildungsmaßnahmen sind zielgerichteter und besser an die unternehmerischen Anforderungen angepasst. Das Ergebnis: effizientere Schulungen. Aber es gibt noch einen anderen Punkt.

Technologische Fortschritte wie Digitalisierung und die individuelle Anpassung der Inhalte stellen den Fortbildungsbereich vor neue Herausforderungen, und Blended Learning erweist sich dabei als besonders geeignet. Denn Themen wie Digitalisierung, Zugriff in Echtzeit oder digitale Akzeptanz können schlichtweg im Rahmen von Präsenzveranstaltungen nicht effizient behandelt werden. Auf der anderen Seite kann Wissen über Soft Skills (Führungsqualitäten, Einfühlungsvermögen, Kreativität, Gemeinschaftssinn) nicht ausschließlich in Onlineschulungen vermittelt werden. Wer sich auf eine einzige Form der Weiterbildung festlegt, zahlt oft doppelt: mit höheren Kosten und mit einer weniger wirksamen Qualifizierung der Mitarbeitenden. Die Flexibilität, die Blended Learning durch die Investition in effiziente und passende Lernkonzepte bietet, ist also ein ausgezeichnetes Mittel, um die Kosten der betrieblichen Fortbildung zu senken.

Welche Blended-Learning-Modelle gibt es?

Blended Learning ist kein starres Format. Je nachdem, wie Präsenz- und Online-Anteile verteilt sind, unterscheidet man mehrere Modelle. Verbreitet ist die Einteilung von Heather Staker und Michael Horn, die auch das Portal e-teaching.org aufgreift:

  • Rotationsmodell: Online- und Präsenzphasen wechseln nach einem festen Plan, zum Beispiel ein E-Learning-Modul vor jedem Workshop.
  • Flex-Modell: Die Inhalte werden überwiegend online bereitgestellt; Trainerinnen und Trainer stehen bei Bedarf persönlich zur Verfügung.
  • Self-Blend-Modell: Lernende ergänzen eine Präsenzschulung eigenständig um zusätzliche Online-Kurse.
  • Enriched-Virtual-Modell: Ein virtueller Kurs wird durch einzelne Präsenztermine angereichert, etwa zum Auftakt und zum Abschluss.

Eine Sonderform des Rotationsmodells ist der Flipped Classroom (umgedrehter Unterricht): Die Teilnehmenden erarbeiten sich die Theorie vorab online, etwa mit Videos, und nutzen die gemeinsame Präsenzzeit für Fragen, Diskussionen und Übungen.

Abzugrenzen ist Blended Learning vom Hybrid Learning im engeren Sinn: Dort nimmt ein Teil der Gruppe vor Ort und ein anderer Teil gleichzeitig online an derselben Veranstaltung teil. Beim Blended Learning wechseln dagegen alle Lernenden nacheinander zwischen Online- und Präsenzphasen.

Blended Learning: betriebliche Weiterbildung, die an die Bedürfnisse der Mitarbeiter angepasst ist

Es ist gut, den Erfordernissen des Unternehmens gerecht zu werden. Besser ist es jedoch, den Erfordernissen von Unternehmen und Mitarbeitern gerecht zu werden. Das Ziel einer Weiterbildung ist schließlich, Kompetenzen aufzubauen. Dabei geht es nicht nur darum, den Arbeitnehmern neues Wissen zu vermitteln, sondern auch darum, überholte Qualifikationen auf den neuesten Stand zu bringen. Für den Erfolg einer Weiterbildungsmaßnahme ist es allerdings ausschlaggebend, ob die Mitarbeiter sich engagieren. Damit sie das tun, muss die Schulungsmaßnahme ihren Bedürfnissen und Erwartungen entsprechen.

1 % der Arbeitswoche. So viel Zeit kann ein Mitarbeiter investieren, um sich neue Qualifikationen anzueignen (Bersin by Deloitte).

Nicht nur ein Unternehmen, auch seine Mitarbeiter haben das Bedürfnis nach Flexibilität. Zunächst im Hinblick auf die Zeit. Sich neue Kompetenzen anzueignen, ist das eine, die Zeit dafür zu finden, ist das andere. Und zur Flexibilität gehört Autonomie. Viele Beschäftigte möchten zudem Softwareprobleme selbst lösen können, statt auf den Support zu warten. Vor diesem Hintergrund eignen sich technologische Tools wie Digital Adoption Platforms besonders gut, vor allem, da sie jederzeit zugänglich sind.

Da Blended Learning für jeden Themenbereich die passende Lösung bieten kann, ist dieses Konzept das geeignete Mittel für alle genannten Fälle. Inhalte, bei denen zwischenmenschliche Kompetenzen im Vordergrund stehen, werden durch Präsenzschulungen vermittelt. Für den Umgang mit neuen Technologien ist E-Learning dagegen der richtige Weg. Durch den ausgewogenen Einsatz verschiedener Lernformen unterstützt Blended Learning die Autonomie der Mitarbeiter. Diese können ihre Fähigkeiten in ihrem eigenen Tempo und nach ihren eigenen Bedürfnissen verbessern.

Vor- und Nachteile von Blended Learning

Blended Learning entfaltet seinen Nutzen nur, wenn Online- und Präsenzphasen didaktisch sinnvoll aufeinander abgestimmt sind. Die wichtigsten Stärken und Schwächen im Überblick (vgl. bpb, „Blended Learning in der Praxis“):

VorteileNachteile
Lernende teilen sich Zeit und Tempo der Online-Phasen selbst ein.Online-Phasen erfordern Selbstdisziplin und gutes Zeitmanagement.
Die Präsenzzeit wird für Übung, Austausch und Feedback genutzt statt für reine Wissensvermittlung.Die Konzeption und Erstellung digitaler Module ist aufwendig.
Die Kombination aus Online-Inhalten und Präsenzterminen aktiviert stärker als reine Online-Kurse.Die Zusammenarbeit im virtuellen Raum fällt vielen schwerer als im Seminarraum.
Digitale Inhalte lassen sich wiederverwenden und für viele Mitarbeitende bereitstellen.Online-Phasen müssen moderiert und eng mit den Präsenzterminen verzahnt werden.

Blended Learning im Unternehmen einführen: Beispiel Software-Schulung

Bei der Einführung eines neuen ERP- oder CRM-Systems kann ein Blended-Learning-Konzept so aussehen: Vor dem Go-live vermitteln kurze E-Learning-Module die Grundlagen. In einer Präsenz- oder Live-Online-Schulung üben die Teilnehmenden typische Abläufe an Praxisfällen. Nach dem Start helfen Anleitungen direkt in der Anwendung bei selten genutzten Vorgängen. So verteilt sich der Lernaufwand, und das Wissen steht genau dort zur Verfügung, wo es gebraucht wird.

Weitere Tipps für gelungenes Blended Learning

Wussten Sie, dass Microlearning als Unterstützung für eine Präsenzschulung eingesetzt werden kann? Zum Beispiel, um den Umgang mit einer bestimmten Software zu verbessern? Vor der Schulung können Microlearning-Module bereits in die Grundlagen der Software einführen. Nach der Präsenzschulung können bestimmte Punkte durch Microlearning vertieft werden, zum Beispiel bestimmte Aspekte, die in der Präsenzveranstaltung nicht behandelt wurden. Das Beispiel zeigt, wie Blended Learning die Stärken von Präsenz- und Onlineunterricht verbindet.

Knowmore: integriertes Lernen für eine bessere Performance

Knowmore bietet effiziente Weiterbildungslösungen, die auf den Prinzipien Mikrolernen und Learning by Doing basieren. Damit unser Angebot einer zentralen Herausforderung für Unternehmen gerecht wird – nämlich der digitalen Transformation –, setzen wir besonders auf Blended Learning. Wie können wir Sie nun genau unterstützen?

Wir bieten Ihnen eine Digital Adoption Platform (DAP), mit der Sie Ihre Mitarbeiter in Software schulen können, und zwar direkt in ihren Tools. Die Beschäftigten werden Schritt für Schritt im Umgang mit den Tools angeleitet und können auf diese Weise technische Schwierigkeiten überwinden und effizienter arbeiten. Knowmore unterstützt Ihre Mitarbeiter in Echtzeit mit interaktiven Leitfäden, die rund um die Uhr verfügbar sind. Das Ergebnis: Ihre Mitarbeiter sind autonomer und die Supportkosten sinken. Die Beschäftigten können sich auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren. Und weil jedes Projekt nur dann effizient ist, wenn es auch messbar ist, bietet Knowmore Ihnen Zugang zu Statistiken, mit denen Sie Ihre Weiterbildungsangebote analysieren und anpassen können.

Häufig gestellte Fragen

Was heißt Blended Learning auf Deutsch?

Blended Learning bedeutet wörtlich „vermischtes Lernen“. Im Deutschen ist der Begriff integriertes Lernen gebräuchlich, seltener auch hybrides Lernen. Gemeint ist eine Lernform, die Präsenzveranstaltungen und digitale Lernangebote wie E-Learning-Module, Webinare oder Lernvideos didaktisch sinnvoll miteinander verbindet. In Unternehmen und Bildungseinrichtungen wird meist der englische Begriff Blended Learning verwendet.

Was ist der Unterschied zwischen E-Learning und Blended Learning?

E-Learning umfasst alle Lernformen, die vollständig digital stattfinden, etwa Online-Kurse, Lernvideos oder Webinare. Blended Learning kombiniert solche digitalen Elemente mit Präsenzphasen, in denen die Lernenden gemeinsam üben, diskutieren und Feedback erhalten. E-Learning ist damit ein Baustein von Blended Learning, aber nicht dasselbe.

Was ist der Unterschied zwischen Blended Learning und Flipped Classroom?

Der Flipped Classroom ist eine bestimmte Form des Blended Learning. Dabei erarbeiten sich die Lernenden die Inhalte vorab selbstständig online, zum Beispiel mit Videos oder Texten, und die gemeinsame Präsenzzeit dient der Anwendung, der Diskussion und der Klärung von Fragen. Blended Learning ist der Oberbegriff für alle Kombinationen aus Online- und Präsenzlernen, unabhängig von der Reihenfolge der Phasen.

Welche Beispiele gibt es für Blended Learning im Unternehmen?

Typische Beispiele sind ein Onboarding-Programm mit digitalen Lernpfaden und einem Einführungstag vor Ort, eine Führungskräfteentwicklung mit Online-Modulen zwischen mehrtägigen Workshops oder eine Software-Schulung, bei der E-Learning-Module vor dem Go-live die Grundlagen vermitteln und eine Präsenzschulung die Praxis vertieft. Auch Pflichtschulungen lassen sich mit einem Online-Test und einer praktischen Unterweisung vor Ort kombinieren.

Lohnt sich Blended Learning auch für kleine Unternehmen?

Ja, wenn das Konzept zum Bedarf passt. Kleine und mittlere Unternehmen müssen nicht alles selbst produzieren: Sie können fertige E-Learning-Angebote, Webinare von Kammern und Verbänden oder kurze, selbst erstellte Lernvideos mit internen Präsenzterminen kombinieren. Blended Learning spart Reisezeiten und Kosten, während die Präsenzphasen den persönlichen Austausch und die praktische Übung sichern.

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