Arten von Change Management: 4 Ansätze und ihr Beitrag zur Transformation

Welche Arten von Change Management gibt es? Kontinuierlich, initiiert, direktiv, organisiert – plus evolutionärer und revolutionärer Wandel erklärt.

Von Marielle Gantenberg
9 Min. Lesezeit

Für Change Management gibt es keine einheitliche Typologie. In der Fachliteratur werden Veränderungen vor allem nach ihrer Intensität (evolutionär oder revolutionär) und nach ihrer Steuerung (top-down oder bottom-up) unterschieden. Dieser Artikel stellt vier praxisnahe Ansätze vor – kontinuierliches, initiiertes, direktives und organisiertes Change Management – und zeigt, für welche Vorhaben sie sich eignen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Für die Arten von Change Management gibt es keine einheitliche Typologie; die vier Ansätze dieses Artikels sind eine praxisnahe Einteilung.
  • Kontinuierliches Change Management verändert schrittweise und ohne festes Ende; beim initiierten Change Management setzt die Leitung die Ziele und bezieht die Mitarbeitenden in die Umsetzung ein.
  • Direktives Change Management legt Inhalte und Methoden einseitig von oben fest, organisiertes Change Management entwickelt Ziele und Lösungen gemeinsam mit den Beschäftigten.
  • In der Fachliteratur werden Veränderungen vor allem nach Intensität (evolutionär oder revolutionär) und Steuerung (top-down oder bottom-up) unterschieden.

Effektives Change Management ist entscheidend für den Erfolg eines jeden Unternehmens. Eine Organisation, die sich nicht an Marktentwicklungen anpasst, gerät auf Dauer ins Hintertreffen. Anpassungsfähigkeit und die Fähigkeit, schnell auf Veränderungen von Markt, Technologien und Kundenbedürfnissen zu reagieren, sind entscheidend für die Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit. Vor diesem Hintergrund stellen wir vier Arten von Change Management vor: kontinuierliches, initiiertes, direktives und organisiertes Change Management.

Diese Einteilung ist eine praxisnahe Orientierungshilfe und keine standardisierte Typologie der Fachliteratur. Dort werden Veränderungen vor allem nach ihrer Intensität (evolutionär oder revolutionär) und nach ihrer Steuerung (top-down oder bottom-up) unterschieden. Beide Sichtweisen fassen wir am Ende des Artikels zusammen.

Kontinuierliches Change-Management

Ein kontinuierlicher Prozess für das organisatorische Change-Management – auch evolutionärer Wandel genannt – ist ein strategischer Ansatz, bei dem Veränderungen im Unternehmen allmählich und konstant stattfinden. Im Gegensatz zu anderen Arten des Change-Managements, die sich durch eine radikalere Vorgehensweise auszeichnen, basiert kontinuierliches Change-Management auf regelmäßigen Anpassungen und einer schrittweisen Weiterentwicklung auf allen Ebenen des Unternehmens: Abläufe, Prozesse, Produkte und Services. Diese Art organisatorischer Veränderungsprozesse ist zudem durch eine wenig formalisierte Vorgehensweise geprägt, bei der weder der Beginn noch das Ende eindeutig bestimmt sind.

Wann ist kontinuierliches Change-Management notwendig?

Meist sind es interne oder externe Faktoren, durch die einem Unternehmen bewusst wird, dass Verbesserungen notwendig sind, und die einen kontinuierlichen Veränderungsprozess auslösen. Solche Faktoren können sein:

  • Rückmeldungen,
  • veränderte Kundenbedürfnisse,
  • bei Analysen oder Audits aufgedeckte Mängel,
  • Best Practices, die in anderen Branchen beobachtet werden.

Der große Unterschied zwischen einem kontinuierlichen und einem geplanten Veränderungsprozess liegt in der Flexibilität, die der erstgenannte Ansatz bietet. Es handelt sich nämlich um ein organisches Modell, das sich auf die reale Entwicklung stützt. In diesem Fall werden während des ganzen Prozesses bei Bedarf Anpassungen vorgenommen. Führungskräfte können im Rahmen des Change Managements beispielsweise bestimmte Teilschritte oder definierte Ziele des Projektes ändern.

Wie setzt man diese Art von Change Management in der Praxis um?

Kontinuierliches Change-Management ist ein Prozess, der in vielen Betrieben abläuft. Kundenbedürfnisse ändern sich heute im Zuge des technologischen Fortschritts rasant, und Unternehmen der Technologiebranche sind demzufolge gezwungen, sich kontinuierlich an solche Veränderungen anzupassen. Produktentwicklungsprozesse müssen daher ständig auf den neuesten Stand gebracht werden.

In diesem Fall kann das Unternehmen die Mitarbeiter dazu ermuntern, Verbesserungsmöglichkeiten im Tagesgeschäft aufzuzeigen. Dahinter steht das Ziel, effizientere Entwicklungsmethoden umzusetzen und in die Aus- und Weiterbildung der Beschäftigten zu investieren.

Initiiertes Change-Management

Dies ist eine andere Art, Change-Projekte im Unternehmen umzusetzen. In diesem Fall gibt die Unternehmensleitung vor, welche Ziele erreicht und welche Veränderungen umgesetzt werden sollen. Die Mitarbeiter werden nicht zwangsläufig nach ihrer Meinung gefragt.

Welche Rolle hat die Unternehmensleitung?

Die Führungsriege des Unternehmens spielt beim initiierten Change Management eine proaktive Rolle. Sie bestimmt, in welchen Bereichen es zu Veränderungen oder Anpassungen kommen muss. Anschließend arbeitet sie einen Plan aus, der umgesetzt werden muss, und definiert gleichzeitig, welche Ziele am Ende des Veränderungsprozesses erreicht werden sollen. Die Unternehmensleitung bestimmt darüber hinaus, welche Ressourcen für die Umsetzung der Veränderungen bereitgestellt werden und wie man mit Widerstand umgeht.

Damit dieser Veränderungsprozess gut abläuft, müssen die Führungskräfte gemeinsam mit dem Bereich Human Resources (HR) eine ausgewogene Vorgehensweise ausarbeiten, damit die Mitarbeiter nicht mit zu vielen Veränderungen auf einmal konfrontiert werden. So können zum Beispiel Ziele, Fristen und die notwendigen Ressourcen definiert werden. Es ist bei dieser Vorgehensweise jedoch möglich, die Aktivitäten, mit denen die Ziele in der vorgesehenen Frist erreicht werden sollen, gemeinsam mit den Beschäftigten zu bestimmen.

Warum ist eine gute Kommunikation beim initiierten Change Management wichtig?

Eine gute Kommunikation im Rahmen des Change Managements kann die Motivation der Mitarbeiter fördern und folglich den Übergang erleichtern. Sie können den Beschäftigten beispielsweise die Gründe erläutern, die zu der organisatorischen Veränderung geführt haben, und die aus ihr resultierenden Vorteile für das Unternehmen aufzeigen. Geht es um die Einführung neuer Software, kann zudem eine Digital Adoption Platform helfen: Sie leitet die Mitarbeitenden direkt in der Anwendung an und erleichtert so den Einstieg.

Direktives Change-Management

Bei diesem Change-Management-Ansatz werden die Mitarbeiter von der Unternehmensleitung gelenkt und kontrolliert. Er beruht daher auf einem autoritären Führungsstil und auf Kontrollen in jeder Projektphase. Die Entscheidungen für die Umsetzung der Veränderung im Unternehmen werden einseitig getroffen, sowohl was die Maßnahmen als auch die Methoden angeht.

Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei diesem Change-Management-Ansatz?

Viele Führungskräfte agieren nach dem Prinzip des direktiven Change Managements. Diese Vorgehensweise wird oft mit der taylorschen Managementtheorie in Verbindung gebracht, die nach dem Amerikaner Frederick Winslow Taylor benannt wurde. Bei diesem Konzept haben die Mitarbeiter lediglich eine ausführende Rolle und müssen den Anweisungen der Unternehmensleitung folgen. Sie führen ihre Aufgaben auf eine standardisierte Art und Weise aus. Das Prinzip kann sich als effizient erweisen, sofern die Unternehmensleitung die richtigen Entscheidungen trifft und die richtigen Arbeitsmethoden festlegt. Sie muss die Beschäftigten eng überwachen und die Leistung anhand der im Vorfeld definierten Normen kontrollieren.

Wie setzt man direktives Change-Management am besten um?

Ein Unternehmen, das bestrebt ist, die Produktionskosten signifikant zu senken, um auf diese Weise den Ertrag zu steigern, entscheidet sich möglicherweise für eine Change-Management-Methode nach dem Taylor-Prinzip. Dafür entwickelt die Unternehmensleitung einen strategischen Plan, der unter anderem folgende Dinge festlegt:

  • Arbeitsmethoden,
  • Arbeitszeiten,
  • Produktionsquoten u. v. m.

Sie informiert die Mitarbeiter lediglich über die neue Arbeitsweise und setzt ein Qualitätskontrollteam ein, das die Arbeit überwacht.

Organisiertes Change-Management

Wie beim kontinuierlichen Change Management liegt das endgültige Ziel beim organisierten Change Management nicht von Anfang an fest. Dieser Ansatz fördert die Abstimmung aller Beteiligten, sodass jeder nach einer Bestandsaufnahme Vorgehensweisen, Arbeitsmethoden und mögliche Ziele vorschlagen kann.

Warum bezieht man die Mitarbeiter ein?

Beim organisierten Change Management werden die Mitarbeiter aktiv einbezogen. Auf diese Weise soll ein Arbeitsumfeld entstehen, das Kreativität und Innovation fördert. Die Unternehmensleitung spielt zwar bei den Entscheidungen eine wichtige Rolle, die Meinungen der Beschäftigten werden jedoch berücksichtigt. Das Konzept hat den Vorteil, dass es bei veränderten Anforderungen Flexibilität und Anpassungsfähigkeit bietet. Ein wichtiger Faktor ist dabei das Ausprobieren.

Wie führt man organisiertes Change-Management ein?

Um organisiertes Change-Management einzuführen, beginnen viele Führungskräfte damit, zunächst eine Vision der gewünschten Transformation zu entwickeln. Egal, ob es sich um eine organisatorische oder eine strukturelle Veränderung handelt, zunächst werden die gewünschten Ziele und die Vorteile des Wandels für das Unternehmen vorgestellt. Im nächsten Schritt beginnt die Zusammenarbeit mit den Beteiligten. Die Unternehmensleitung ermutigt alle Mitarbeitenden, ihren Beitrag zum Prozess zu leisten und Ideen oder Lösungsansätze vorzuschlagen. Auf diese Weise entsteht ein iterativer Prozess, der im Laufe der Zeit aufgrund von Rückmeldungen angepasst werden kann.

Change Management ist ein wichtiges Element im Leben einer Organisation. Die vier vorgestellten Ansätze zeigen verschiedene Wege, wie ein Unternehmen den Übergang zu optimierten Strukturen und Abläufen gestalten kann, die den derzeitigen und zukünftigen Herausforderungen besser entsprechen. Es ist wesentlich, sich für den Ansatz zu entscheiden, der am besten zum Unternehmen und seinen Anforderungen passt. Für welches Modell Sie sich auch entscheiden, passen Sie es an die Situation und Kultur Ihres Unternehmens sowie an die Unternehmensziele an.

Welcher Change-Management-Ansatz passt zu welchem Vorhaben?

Welcher Ansatz sinnvoll ist, hängt vor allem von Zeitdruck, Tragweite und Unternehmenskultur ab. Die folgende Übersicht dient als Orientierung:

AusgangslageGeeigneter AnsatzWorauf es ankommt
Laufende Optimierung von Abläufen und Produktenkontinuierlichfeste Routinen für Verbesserungsvorschläge, zum Beispiel nach dem PDCA-Zyklus
Strategische Entscheidung, etwa für eine neue ERP- oder HR-Softwareinitiiertklare Ziele der Leitung, frühe Beteiligung der Anwender an der Umsetzung
Akute Krise unter hohem Zeitdruckdirektivschnelle Entscheidungen, nachvollziehbare Begründung, begrenzte Dauer
Neuausrichtung von Kultur oder ZusammenarbeitorganisiertRaum für Experimente, regelmäßiges Feedback, Geduld

Für Software-Einführungen eignet sich häufig der initiierte Ansatz: Die Entscheidung für ein neues System trifft die Unternehmensleitung, doch genutzt wird es im Alltag erst, wenn Key-User und Anwender früh eingebunden werden. Ein direktiver Ansatz kann in Krisen kurzfristig wirken, birgt aber das Risiko, dass Mitarbeitende Veränderungen nur widerwillig mittragen. Unabhängig vom gewählten Ansatz gilt: Wer die Betroffenen informiert, schult und im Arbeitsalltag unterstützt, verringert Widerstände und verkürzt die Zeit, bis die Veränderung tatsächlich wirkt.

Welche Arten von Change Management unterscheidet die Fachliteratur?

Die vier oben beschriebenen Ansätze sind eine praxisnahe Einteilung, keine standardisierte Typologie. In der betriebswirtschaftlichen Literatur werden Veränderungen vor allem nach folgenden Kriterien unterschieden:

  • Nach der Intensität: Evolutionärer Wandel verbessert die Organisation in kleinen, aufeinander aufbauenden Schritten, etwa im Rahmen der kontinuierlichen Verbesserung. Revolutionärer Wandel gestaltet sie grundlegend und in kurzer Zeit neu, wie beim Business Reengineering.
  • Nach der Steuerung: Beim Top-down-Ansatz gibt die Unternehmensleitung die Veränderung vor, beim Bottom-up-Ansatz entwickeln die Mitarbeitenden sie selbst. Häufig werden beide Richtungen kombiniert.
  • Nach der Reichweite: Prosci unterscheidet Change Management auf Projektebene, also die Begleitung einer konkreten Veränderung, von Change Management auf Unternehmensebene, bei dem Veränderungsfähigkeit als dauerhafte Kompetenz aufgebaut wird.

Ordnet man die vier Ansätze in dieses Raster ein, ergibt sich folgendes Bild: Kontinuierliches Change Management entspricht dem evolutionären Wandel. Direktives Change Management ist konsequent top-down gesteuert, organisiertes Change Management stark bottom-up. Initiiertes Change Management verbindet beides: Die Ziele kommen von oben, die Umsetzung wird gemeinsam erarbeitet.

Häufig gestellte Fragen

Welche Arten von Change Management gibt es?

Eine einheitliche Einteilung gibt es nicht. Häufig unterscheidet man Change Management nach der Intensität des Wandels (evolutionär oder revolutionär), nach der Steuerung (top-down oder bottom-up) und nach der Reichweite (Projekt- oder Unternehmensebene). Praxisnah lassen sich zudem kontinuierliches, initiiertes, direktives und organisiertes Change Management unterscheiden.

Was ist der Unterschied zwischen evolutionärem und revolutionärem Wandel?

Evolutionärer Wandel verändert eine Organisation in kleinen, aufeinander aufbauenden Schritten, sodass alle Beteiligten das Tempo mitgehen können; typisch ist die kontinuierliche Verbesserung. Revolutionärer Wandel gestaltet Strukturen und Prozesse dagegen grundlegend und in kurzer Zeit neu, etwa beim Business Reengineering. In der Praxis werden beide Formen oft kombiniert.

Was ist der Unterschied zwischen Change Management und Transformation?

Change Management bezeichnet die Planung, Steuerung und Begleitung einzelner Veränderungen, etwa einer neuen Software oder einer neuen Organisationsstruktur. Eine Transformation ist dagegen ein umfassender, meist mehrjähriger Wandel, der Geschäftsmodell, Strukturen und Kultur zugleich betrifft. Change Management ist deshalb ein Werkzeug, mit dem Unternehmen die vielen Einzelveränderungen einer Transformation umsetzen.

Was bedeuten Top-down und Bottom-up im Change Management?

Beim Top-down-Ansatz plant die Unternehmensleitung eine Veränderung und gibt sie an die Organisation weiter; das geht schnell, stößt aber leicht auf Widerstand. Beim Bottom-up-Ansatz entstehen Veränderungen aus den Teams heraus, was die Akzeptanz stärkt, aber mehr Zeit braucht. Viele Unternehmen kombinieren beides: Die Leitung setzt die Ziele, die Mitarbeitenden gestalten die Umsetzung mit.

Welche 4 Phasen gibt es im Change Management?

Ein verbindliches Vier-Phasen-Modell gibt es nicht. Viele Praxisleitfäden gliedern Veränderungsprozesse in Analyse, Planung, Umsetzung und Verankerung. Bekannte Modelle teilen den Prozess anders ein: Kurt Lewin beschreibt drei Phasen (Auftauen, Verändern, Wiedereinfrieren), John Kotter acht Stufen. Entscheidend ist weniger die Zahl der Phasen als eine konsequente Begleitung der Betroffenen.

DIGITALE ADOPTION

Fördern Sie die Nutzung Ihrer Business-Anwendungen

Entdecken Sie, wie Knowmore Ihre Mitarbeitenden direkt in ihren Anwendungen unterstützt.

Demo anfordern