Learning by Doing im Unternehmen: Beispiele aus der Praxis

Learning-by-Doing-Beispiele aus Unternehmen: CRM- und ERP-Einführung, IT-Sicherheit, duale Ausbildung – plus Erfolgsfaktoren und Kennzahlen.

Von Marielle Gantenberg
7 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Learning by Doing zeigt sich im Unternehmen vor allem dort, wo Mitarbeitende Neues direkt bei echten oder realitätsnahen Aufgaben lernen – etwa bei der Einführung von CRM- oder ERP-Software.
  • Typische Beispiele sind die duale Berufsausbildung, die Einarbeitung durch Mitlaufen, Job-Rotation, Projektarbeit, Simulationen wie Phishing-Übungen und interaktive Anleitungen direkt in der Software.
  • Entscheidend für den Erfolg sind personalisierte Inhalte, interaktive Werkzeuge, regelmäßige Anwendung und eine enge Begleitung der Lernenden.
  • Ob sich Learning by Doing lohnt, zeigen Kennzahlen wie Einarbeitungszeit, Fehlerquote, Supportanfragen und die tatsächliche Nutzung neuer Software.

Learning by Doing ist eine Lernmethode, die die Praxis statt der Theorie in den Mittelpunkt stellt. Mit diesem aktiven Ansatz können die Mitarbeiter neues Wissen besser verankern und schneller in der täglichen Arbeit anwenden. In diesem Artikel erhalten Sie konkrete Beispiele, wie Unternehmen Learning by Doing in ihre Weiterbildung einbinden können und welche Ergebnisse sich damit erzielen lassen.

Was ist Learning by Doing?

Learning by Doing basiert auf dem Ansatz, dass Lernende sich neues Wissen effizienter aneignen, wenn sie dieses direkt praktisch anwenden. Anstatt sich Vorträge anzuhören oder Wissen anzulesen, setzen sie das, was sie lernen sollen, sofort in die Praxis um. Mit dieser Weiterbildungsmethode kann man sich neue Informationen viel besser merken und versteht neue Vorgehensweisen schneller.

Warum sollte man im Unternehmen Learning by Doing umsetzen?

  1. Nachhaltiges Lernen: Durch sofortige praktische Anwendung behalten Lernende neue Informationen besser.
  2. Mehr Selbstständigkeit: Die Mitarbeitenden werden selbstständiger und lernen, Probleme eigenständig zu lösen.
  3. Niedrigere Weiterbildungskosten: Präsenzschulungen, die oft teuer und zeitaufwendig sind, entfallen oder werden reduziert.
  4. Anpassung an Veränderungen: Die Akzeptanz neuer Vorgehensweisen und Technologien wird verbessert.

Learning by Doing: Beispiele aus dem Berufsalltag

Learning by Doing ist in vielen Unternehmen längst Alltag – oft, ohne dass es so genannt wird. Die folgende Übersicht zeigt typische Beispiele:

BeispielSo funktioniert esWas gelernt wird
Duale BerufsausbildungAuszubildende arbeiten im Betrieb mit und besuchen parallel die Berufsschule.Fachliche Routinen und Arbeitsabläufe
Einarbeitung durch MitlaufenNeue Mitarbeitende begleiten erfahrene Kolleginnen und Kollegen und übernehmen Schritt für Schritt eigene Aufgaben.Prozesse, Werkzeuge, Unternehmenskultur
Job-RotationBeschäftigte arbeiten für einige Wochen in anderen Abteilungen mit.Abteilungsübergreifendes Verständnis
ProjektarbeitTeams lösen eine reale Aufgabe mit klarem Ziel und Termin.Fach-, Methoden- und Teamkompetenz
SimulationenMitarbeitende üben in einer realitätsnahen Umgebung, etwa mit simulierten Phishing-Mails oder in einer Übungsumgebung der Software.Sicheres Verhalten ohne Risiko für echte Daten
Anleitungen in der SoftwareInteraktive Hinweise führen Anwenderinnen und Anwender bei echten Vorgängen Schritt für Schritt durch die Anwendung.Bedienung neuer Software im Arbeitsalltag

Das bekannteste Beispiel im deutschsprachigen Raum ist das duale System: Die Ausbildung findet an zwei Lernorten statt, im Betrieb und in der Berufsschule. Ende 2019 befanden sich in Deutschland rund 1,3 Millionen Menschen in einer solchen Ausbildung. Bei der Einführung neuer Software eignen sich vor allem Simulationen und Anleitungen direkt in der Anwendung, weil Mitarbeitende dort an realistischen Vorgängen lernen und bei Bedarf sofort Hilfe erhalten.

Fallstudien: Erfolgreiche Integration von Learning by Doing

1. Unternehmen A: Einführung eines neuen CRM-Systems

Kontext: Unternehmen A, ein Handelsunternehmen, musste ein neues CRM-System einführen, um das Kundenbeziehungsmanagement zu verbessern. Die Herausforderung bestand darin, dass die Vertriebsteams das neue Tool schnell akzeptieren und effizient einsetzen sollten.

Lösung: Das Unternehmen integrierte interaktive Anleitungen und kontextbezogene Tutorials direkt in die Benutzeroberfläche der CRM-Software. Durch die Ausführung konkreter Tätigkeiten lernten die Mitarbeiter mithilfe von Tooltips und praktischen Beispielen schnell den Umgang mit der Software.

Ergebnisse:

  • Geringerer Zeitaufwand für die Weiterbildung.
  • Bessere Akzeptanz der Software: Die meisten Anwenderinnen und Anwender kamen nach kurzer Zeit selbstständig damit zurecht.
  • Weniger Supportanfragen.

2. Unternehmen B: Ausbildung zur Verbesserung der Computer- und Netzwerksicherheit

Kontext: Unternehmen B, ein Anbieter von Finanzdienstleistungen, musste seine Mitarbeiter im Hinblick auf die Computer- und Netzwerksicherheit schulen. Die bisherigen theoretischen Schulungen hatten die Beschäftigten kaum erreicht.

Lösung: Das Unternehmen entwickelte konkrete Szenarios, in deren Rahmen die Mitarbeiter simulierte Cyberangriffe erkennen und entsprechend reagieren mussten. Zu den Übungen gehörten simulierte Phishing-Versuche, Aufgaben zu sicheren Passwörtern und das richtige Verhalten bei Sicherheitsvorfällen.

Ergebnisse:

  • Das Wissen zur IT-Sicherheit blieb besser im Gedächtnis.
  • Höhere Wachsamkeit der Mitarbeiter in Bezug auf Bedrohungen.
  • Weniger gemeldete Sicherheitsvorfälle.

3. Unternehmen C: Einführung eines neuen ERP-Systems

Kontext: Unternehmen C, ein Produktionsbetrieb, hat ein neues ERP-System eingeführt, um Produktionsprozesse und Lagermanagement zu optimieren. Die Umstellung auf die neue Software war für die Mitarbeiter eine große Herausforderung.

Lösung: Das Unternehmen nutzte Weiterbildungsmodule, die auf Learning by Doing basieren, sodass die Mitarbeiter anhand realer Szenarios den Umgang mit dem neuen ERP-System lernen konnten. Die Module enthielten praktische Fälle für Lagermanagement, Produktionsplanung und Auftragsmanagement.

Ergebnisse:

  • Kürzere Umstellungsphase auf das neue ERP-System.
  • Präzisere Daten für das Lagermanagement.
  • Höhere Produktivität dank eines besseren Verständnisses des Systems.

Erfolgsfaktoren für die Einbindung von Learning by Doing

1. Personalisierung der Weiterbildung

Passen Sie die Module zur Weiterbildung an die spezifischen Bedürfnisse des Unternehmens und der Mitarbeiter an. Eine personalisierte Weiterbildung bindet die Lernenden ein und erzielt bessere Ergebnisse.

2. Einsatz interaktiver Tools

Integrieren Sie interaktive Tools wie Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Videotutorials und Simulationen konkreter Szenarios. Solche Tools machen das Lernen dynamischer und immersiver.

3. Überwachen und Beurteilen

Nutzen Sie Mechanismen, mit deren Hilfe Sie den Fortschritt der Lernenden überwachen und die Wirksamkeit der Weiterbildungen beurteilen können. Verbessern Sie die Schulungsmodule kontinuierlich auf Basis des Feedbacks.

4. Kontinuierliche Anwendung fördern

Fordern Sie die Mitarbeiter dazu auf, das Gelernte regelmäßig anzuwenden. Wiederholung ist für die Verankerung von Wissen und eine dauerhafte Umsetzung wichtig.

5. Unterstützung und Begleitung

Begleiten Sie die Lernenden dauerhaft und individuell, um ihnen dabei zu helfen, Probleme zu überwinden und sich neue Kompetenzen anzueignen.

Learning by Doing ist eine wirkungsvolle Weiterbildungsmethode, um die Akzeptanz neuer Software oder neuer Vorgehensweisen im Unternehmen zu beschleunigen. Wenn Lernende konkrete Aufgaben selbst erledigen, verankern sie Wissen schneller, werden selbstständiger und passen sich besser an Veränderungen an. Die Beispiele zeigen, welche Vorteile die Methode im Unternehmen bieten kann.

Wie messen Sie den Erfolg von Learning by Doing?

Damit Ihre eigenen Beispiele überzeugen, sollten Sie den Erfolg von Anfang an messbar machen. Legen Sie vor dem Start fest, welche Ausgangswerte Sie erheben und welche Ziele Sie erreichen wollen. Bewährt hat sich eine Kombination aus Lern- und Geschäftskennzahlen:

  • Einarbeitungszeit: Wie lange dauert es, bis neue Mitarbeitende eine Aufgabe selbstständig erledigen?
  • Fehlerquote: Wie oft müssen Vorgänge, Buchungen oder Datensätze korrigiert werden?
  • Supportanfragen: Wie viele Tickets betreffen reine Bedienfragen?
  • Nutzung: Werden neue Funktionen und Prozesse tatsächlich genutzt?
  • Rückmeldungen: Wie bewerten die Lernenden Aufwand und Nutzen?

Für Software-Einführungen ist zudem die Time-to-Value aufschlussreich: Wie schnell erzielt das Unternehmen mit dem neuen System den erwarteten Nutzen? Erfassen Sie die Kennzahlen nicht nur unmittelbar nach der Schulung, sondern auch einige Wochen später: Erst dann zeigt sich, ob das Gelernte im Arbeitsalltag angekommen ist. Vergleichen Sie die Werte möglichst mit einer Gruppe, die klassisch geschult wurde – nur so lassen sich Verbesserungen seriös dem Learning by Doing zuschreiben.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein gutes Beispiel für Learning by Doing im Beruf?

Ein typisches Beispiel für Learning by Doing im Beruf ist die Einführung einer neuen CRM-Software: Statt einer mehrstündigen Präsentation erledigen die Vertriebsmitarbeitenden ihre ersten echten Vorgänge direkt im System und werden dabei von interaktiven Anleitungen geführt. Weitere Beispiele sind die duale Ausbildung, die Einarbeitung durch Mitlaufen, Job-Rotation und Projektarbeit.

Welche Methoden für Learning by Doing eignen sich für Unternehmen?

Für Learning by Doing im Unternehmen eignen sich vor allem die Einarbeitung am Arbeitsplatz, Job-Rotation, Projektarbeit, Simulationen und Übungsumgebungen sowie interaktive Anleitungen direkt in der Software. Welche Methode passt, hängt vom Lernziel ab: Für Bedienwissen sind Anleitungen in der Anwendung ideal, für sicherheitskritische Abläufe eher Simulationen ohne Risiko für echte Daten.

Wie setzt man Learning by Doing bei einer Software-Einführung um?

Bei einer Software-Einführung legen Sie zuerst die wichtigsten Arbeitsabläufe je Rolle fest, stellen eine Übungsumgebung oder Simulation bereit und begleiten die Anwender beim Go-live mit Anleitungen direkt in der Software. Eine kurze Einführung in die Grundlagen, feste Ansprechpartner und eine Auswertung der Nutzung ergänzen den Ansatz. So lernen die Mitarbeitenden an echten Aufgaben statt an Folien.

Kann Learning-Management-Software Präsenzschulungen ersetzen?

Learning-Management-Software kann Präsenzschulungen teilweise ersetzen, vor allem bei der Wissensvermittlung, bei Pflichtschulungen und bei Lernnachweisen. Für praktische Fertigkeiten genügt sie allein selten: Hier wirken Übungen, Simulationen und Anleitungen am Arbeitsplatz besser. Viele Unternehmen kombinieren daher ein Learning Management System mit Präsenzphasen und Learning by Doing im Arbeitsalltag.

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