Learning by Doing im Unternehmen: 6 Vorteile und wo die Grenzen liegen

Welche Vorteile hat Learning by Doing im Unternehmen? 6 Vorteile, die wichtigsten Nachteile und 5 Tipps für die Umsetzung in der Weiterbildung.

Von Marielle Gantenberg
8 Min. Lesezeit

Learning by Doing bedeutet Lernen durch eigenes Handeln: Mitarbeitende eignen sich Wissen und Fähigkeiten an, indem sie Aufgaben selbst ausführen, Fehler machen und daraus lernen. Im Unternehmen bietet das vor allem sechs Vorteile: Lernen im Arbeitskontext, praktische Fähigkeiten, Kreativität, eine bessere Vorbereitung auf den Beruf, mehr Selbstvertrauen und kontinuierliche Weiterentwicklung. Ohne Anleitung und Reflexion stößt der Ansatz jedoch an Grenzen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Learning by Doing bedeutet Lernen durch eigenes Handeln; als pädagogisches Prinzip geht es vor allem auf John Dewey zurück.
  • Im Unternehmen fördert der Ansatz das Lernen im Arbeitskontext, praktische Fähigkeiten, Kreativität, Selbstvertrauen und eine kontinuierliche Weiterentwicklung.
  • Nachteile sind mögliche Folgekosten von Fehlern, die Überforderung von Einsteigern und fehlende Reflexion, wenn das Lernen nicht begleitet wird.
  • Wirksam wird Learning by Doing mit klaren Lernzielen, geschützten Übungsumgebungen, schrittweise reduzierter Anleitung und Hilfen direkt im Arbeitsablauf.

Learning by Doing ist eine Methode, bei der man durch praktisches Umsetzen lernt. Sie basiert auf den Grundlagen des Konstruktivismus und bevorzugt das Handeln gegenüber der Theorie.

Learning by Doing: eine aktive Lernmethode

Das Learning-by-Doing-Modell ist eine Lernmethode, bei der die Lernenden aktiver als bei anderen Lernkonzepten agieren. Im Unternehmen werden die Mitarbeiter in diesem Fall konkret in bestimmte Aufgaben einbezogen.

Auf diese Weise setzen sie das zu Lernende praktisch um. Praktisches Anwenden hilft, neues Wissen dauerhaft zu verankern. Mit geeigneter Software lässt sich das Arbeitsumfeld selbst zur Lernumgebung machen.

Learning by Doing ist also ein Ansatz, der die Lernenden aktiv einbezieht. Sie beschränken sich nicht darauf, sich mit der Theorie zu befassen, sondern sie setzen Dinge in die Praxis um und schließen so Lücken in Erfahrung und Wissen.

Durch Learning by Doing kontextbezogen lernen

Herkömmliche Ausbildungen mit Workshops reichen oft nicht aus, um Lerninhalte tief zu verankern. Wer Wissen direkt in echten Arbeitssituationen anwendet, kann es später in ähnlichen Situationen leichter abrufen.

Learning by Doing verbindet das Lernen unmittelbar mit realen Aufgaben. Die Beschäftigten analysieren ihr Umfeld und suchen für die jeweilige Situation eine passende Lösung.

Auf diese Weise nutzen die Mitarbeiter bereits vorhandenes Wissen und ergänzen es gleichzeitig durch neue Erfahrungen.

Erfolgreiche Lösungswege verankern sich und lassen sich auf ähnliche Aufgaben übertragen. Zudem lernen die Beschäftigten, Probleme in ihrem Kontext zu sehen und passende Lösungen zu finden.

Learning by Doing unterstützt die Entwicklung praktischer Fähigkeiten

Die Vorteile von Learning by Doing im Unternehmen beschränken sich nicht auf das kontextbezogene Lösen von Problemen. Lernen durch praktische Umsetzung fördert die Entwicklung neuer Fähigkeiten innerhalb des Teams.

Die Mitarbeiter lernen neue Fähigkeiten in ihrem individuellen Tempo und verankern diese in der täglichen Routine. So werden sie autonomer und können ein Problem schneller lösen.

Die Lernenden erkennen in der Praxis, wo ihre Grenzen liegen, lernen, diese zu überwinden, und machen nachhaltige Fortschritte. Zudem entwickeln sie Eigenschaften wie:

  • mentale Stärke,
  • Motivation durch die erreichten Erfolge,
  • Engagement für das Unternehmen.

Sie überwinden Hindernisse und werden selbstständiger, sodass sie auch mit tiefgreifenden Veränderungen im Unternehmen besser zurechtkommen.

Förderung von Kreativität und Innovation durch Learning by Doing

Das Learning-by-Doing-Modell setzt auf direkte und wiederholte Umsetzung verschiedener Tätigkeiten. Auf diese Weise fördert es bei den Mitarbeitern die Entwicklung bereichsübergreifender Kompetenzen. Sie lernen, im Team zu arbeiten und kritisch zu denken, und werden kreativer.

Lernen durch praktische Umsetzung schärft den Blick für konkrete Probleme. Die Beschäftigten suchen Lösungen für ein konkretes Problem. Nachdenken und das selbstständige Suchen nach Problemlösungen werden zur Gewohnheit, gleichzeitig verbessern sich das analytische Denken und die Kreativität.

Diese Art zu lernen steigert zudem die Innovationsfähigkeit im Unternehmensumfeld. In Teams, die Learning by Doing praktizieren, kann innovatives Denken zur Gewohnheit werden. Auf diese Weise können neue Lösungen und Konzepte für das Unternehmen entstehen.

Mit Learning by Doing besser auf das Berufsleben vorbereitet

In der zunehmend wettbewerbsorientierten und digital geprägten Welt kann Learning by Doing auch ein Hebel für das moderne Ausbildungssystem sein. Mit Ausbildungsprogrammen, die auf diesem Ansatz basieren, können Sie Teilnehmer dualer Ausbildungen an den beruflichen Alltag gewöhnen.

Learning by Doing verbessert das Behalten von Informationen. Bieten Sie Praktikanten diese Möglichkeit des Lernens, um sie besser auf das Berufsleben vorzubereiten. Wenn sie später dann einmal eine feste Anstellung haben, können sie bereits effizienter arbeiten.

Für die Umsetzung kann es sich lohnen, Fachleute für Instruktionsdesign hinzuzuziehen. Auch die Lösungen von Knowmore beruhen auf dem Prinzip Learning by Doing.

Gestiegenes Selbstvertrauen dank Learning by Doing

Das Selbstvertrauen Ihrer Mitarbeiter wächst, weil sie sich bei dieser Lernmethode mit unbekannten Aufgaben auseinandersetzen, um sich neue Fähigkeiten anzueignen.

Ein Sprungbrett für konstanten Fortschritt

Auf diese Weise müssen sie sich direkt mit dem Berufsleben auseinandersetzen und ihre Problemlösungsfähigkeit unter Beweis stellen. Jeder Erfolg steigert das Selbstvertrauen und das Selbstwertgefühl, jeder Misserfolg wird zu einer neuen Lernerfahrung, die den Lernprozess bereichert.

Dieser erfahrungsbasierte Ansatz verbessert das Behalten von Informationen und die Aneignung praktischer Kompetenzen. Die kollektiven Anstrengungen, die auf diese Weise entstehen, können Sie nutzen, um innovative Ansätze für die Lösung spezifischer Probleme zu finden.

Das Ergebnis? Zuversichtlichere und kompetentere Mitarbeiter, die mehr Leistung erbringen. Sie erreichen ihre persönlichen Ziele leichter und tragen zum Unternehmenserfolg bei.

Welche Nachteile hat Learning by Doing?

So wirksam Learning by Doing auch ist: Ohne klaren Rahmen stößt der Ansatz an Grenzen.

  • Fehler können teuer werden: Wer direkt im Produktivsystem übt, riskiert falsche Buchungen, Datenfehler oder Sicherheitsprobleme.
  • Einsteiger sind schnell überfordert: Ohne Vorwissen kostet eigenständiges Ausprobieren viel Kapazität im Arbeitsgedächtnis. Die Cognitive Load Theory zeigt, dass Anfänger mit ausgearbeiteten Lösungsbeispielen oft besser lernen als durch reines Probieren.
  • Erfahrung ist nicht automatisch Erkenntnis: Ohne Reflexion und Feedback bleibt offen, was jemand aus einer Situation tatsächlich gelernt hat. Modelle wie der Lernzyklus nach Kolb sehen die Reflexion deshalb als festen Schritt vor.
  • Falsche Routinen verfestigen sich: Wer sich einen umständlichen Weg angewöhnt, behält ihn oft bei.
  • Zeitbedarf: Lernen durch Ausprobieren dauert anfangs häufig länger als eine kurze Erklärung.

Ob die Vorteile überwiegen, hängt vor allem von drei Faktoren ab: wie gravierend Fehler wären, wie viel Vorwissen die Lernenden mitbringen und ob Zeit für Feedback eingeplant ist. Bei Routineaufgaben in einer vertrauten Anwendung überwiegen meist die Vorteile. Bei sicherheitskritischen Abläufen sollte dagegen zuerst in einer geschützten Umgebung geübt werden. Die meisten Nachteile lassen sich durch Anleitung, Übungsumgebungen und regelmäßiges Feedback abfedern.

Eine Lernmethode, bei der der Lernende im Fokus steht

Learning by Doing ist eine wirkungsvolle Ergänzung zu klassischen Weiterbildungen, wie man sie normalerweise im Berufsleben kennt. Kontaktieren Sie uns, wenn Sie ein betriebliches Weiterbildungskonzept umsetzen möchten, das auf Ihre Mitarbeiter und Ihre Unternehmenspolitik zugeschnitten ist.

Bei Knowmore erhalten Sie maßgeschneiderte Konzepte, mit denen Sie das Know-how der Lernenden verbessern. Wir setzen auf dieses Konzept, um die Akzeptanz neuer Software in Unternehmen zu verbessern. Nutzen Sie unsere kontextbezogenen Tutorials und interaktiven Anleitungen in den Anwendungen, die wir abdecken.

Das hilft Ihnen dabei, die Mitarbeiterzufriedenheit zu steigern und Supportanfragen zu reduzieren.

Learning by Doing im Unternehmen umsetzen: 5 Tipps

Damit Learning by Doing seine Vorteile entfaltet und die typischen Nachteile vermieden werden, braucht es einen klaren Rahmen. Diese fünf Grundsätze haben sich in der betrieblichen Weiterbildung bewährt:

  1. Lernziele festlegen: Definieren Sie, welche Aufgaben Mitarbeitende nach der Lernphase selbstständig erledigen sollen. Nur dann lässt sich später prüfen, ob das Lernen am Arbeitsplatz erfolgreich war.
  2. Geschützt üben lassen: Simulationen oder Testsysteme erlauben Fehler, ohne dass echte Daten betroffen sind; mehr dazu im Glossar zum Simulationstraining.
  3. Anleitung schrittweise reduzieren: Zu Beginn helfen vorgeführte Arbeitsschritte, später arbeiten die Lernenden zunehmend allein. So vermeiden Sie Überforderung, ohne erfahrene Mitarbeitende mit unnötigen Erklärungen zu bremsen.
  4. Reflexion einplanen: Kurze Nachbesprechungen oder Rückmeldungen von Kolleginnen und Kollegen machen aus Erfahrung verwertbares Wissen.
  5. Hilfe im Arbeitsablauf anbieten: Kontextbezogene Hinweise direkt in der Anwendung unterstützen genau dann, wenn eine Frage auftritt, etwa nach dem Go-live einer neuen Software.

Welche Werkzeuge dabei helfen, zeigen unsere 5 Beispiele für Software, die Learning by Doing unterstützt.

Zusammenfassung

Learning by Doing ist eine wirksame Lernmethode für Unternehmen. Mit dieser Vorgehensweise und den an Ihre Anforderungen angepassten Anwendungen verbessern Sie die praktischen Fähigkeiten Ihrer Mitarbeiter nachhaltig und schaffen auf diese Weise eine neue Lerndynamik in Ihrem Unternehmen. Integrieren Sie Learning by Doing mithilfe unserer digitalen Tools für eine gelungene Akzeptanz Ihrer Unternehmenssoftware.

Häufig gestellte Fragen

Welche Vorteile hat Learning by Doing?

Learning by Doing verankert Wissen durch eigenes Handeln und erleichtert so das Behalten. Mitarbeitende lernen im realen Arbeitskontext, entwickeln praktische Fähigkeiten, werden selbstständiger und gewinnen an Selbstvertrauen. Zudem fördert der Ansatz Problemlösungskompetenz und Kreativität. Besonders wirksam ist Learning by Doing, wenn es mit Anleitung, Feedback und Reflexion verbunden wird.

Wann ist Learning by Doing nicht geeignet?

Learning by Doing stößt an Grenzen, wenn Fehler gravierende Folgen haben können, etwa bei sicherheitskritischen Tätigkeiten oder bei Buchungen in einem Produktivsystem. Auch völlige Einsteiger sind ohne Grundlagenwissen schnell überfordert. In solchen Fällen sollten zunächst Erklärungen, Lösungsbeispiele oder Übungen in einer Simulationsumgebung stehen, bevor die Lernenden echte Aufgaben übernehmen.

Wer hat Learning by Doing erfunden?

Als pädagogisches Prinzip wird Learning by Doing vor allem mit dem US-amerikanischen Philosophen und Pädagogen John Dewey (1859–1952) verbunden, der Erfahrung und eigenes Tun ins Zentrum des Lernens stellte. Der Ökonom Kenneth Arrow verwendete den Begriff 1962 in einem anderen Sinn: für Produktivitätsgewinne, die durch wachsende Erfahrung in der Produktion entstehen.

Wie schreibt man Learning by Doing richtig?

Laut Duden schreibt man „Learning by Doing“ mit großem L und großem D und ohne Bindestriche. In Zusammensetzungen werden alle Bestandteile mit Bindestrichen verbunden, zum Beispiel „Learning-by-Doing-Methode“ oder „Learning-by-Doing-Ansatz“. Schreibweisen wie „learning bei doing“ oder „learning per doing“ sind falsch.

Was bedeutet Learning by Doing auf Deutsch?

Learning by Doing bedeutet wörtlich „Lernen durch Tun“ oder „Lernen durch Handeln“. Gemeint ist, dass Wissen und Fähigkeiten nicht nur theoretisch vermittelt, sondern durch eigenes Ausprobieren und Anwenden erworben werden. Eine ausführliche Erklärung des Begriffs finden Sie in unserem Beitrag Was ist Learning by Doing?

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