Eine Softwareeinführung gelingt, wenn Sie die Mitarbeitenden von Anfang an mitnehmen: den Ist-Zustand erfassen, die Einarbeitung planen, Hilfe direkt in der Anwendung bereitstellen, Führungskräfte als Vorbilder gewinnen, regelmäßig kommunizieren und die Nutzung messen. Die folgenden zehn Tipps zeigen, wie Sie die Akzeptanz neuer Software im Unternehmen steigern und so den Nutzen Ihrer Investition sichern.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Softwareeinführung ist erst erfolgreich, wenn die Mitarbeitenden die neue Anwendung im Arbeitsalltag tatsächlich und korrekt nutzen.
- Hilfe direkt in der Anwendung, etwa über eine Digital Adoption Platform, unterstützt Anwender genau dann, wenn eine Frage auftaucht.
- Führungskräfte als Vorbilder, regelmäßige Kommunikation und das Einholen von Feedback erhöhen die Akzeptanz neuer Software.
- Nutzungsdaten und Supportanfragen zeigen, wo Anwender Schwierigkeiten haben und welche Schulungen noch fehlen.
- 1. Ziehen Sie Bilanz
- 2. Vernachlässigen Sie die Einarbeitung in Ihre Tools nicht
- 3. Bilden Sie sie dort aus, wo sie sind
- 4. Mit gutem Beispiel vorangehen
- 5. Bestimmen Sie den Zeitpunkt
- 6. Legen Sie den Fokus auf maßgeschneiderte Lösungen
- 7. Neue Funktionen: Legen Sie richtig los
- 8. Kommunizieren Sie – immer wieder
- 9. Hören Sie niemals auf zu messen
- 10. Hören Sie auf Ihre Mitarbeiter
Sie kennen das: CRM, ERP, HRIS, Intranet, Kollaborationsplattform… Sie haben neue Tools eingeführt, um Ihre Prozesse flüssiger, kollaborativer und weniger zeitaufwändig zu gestalten. Doch so intuitiv diese Tools auch sein mögen: Ihre internen Teams brauchen bei der Nutzung viel Unterstützung. Schlimmer noch: Einige Ihrer Mitarbeiter nutzen sie gar nicht.
Es reicht nicht aus, die richtigen Tools auszuwählen. Sie müssen Ihre Nutzer auch dazu bringen, sie anzunehmen. Wie können Sie also die Akzeptanz steigern und sicherstellen, dass sich die Investition in Ihre neuen Anwendungen auszahlt?
Entdecken Sie in dieser Infografik 10 praktische Tipps, um die Einführung Ihrer Software in Ihrem Unternehmen zu beschleunigen.
1. Ziehen Sie Bilanz
Der erste Schritt zu einer erfolgreichen Softwareeinführung besteht darin, zu verstehen, wie Ihre Mitarbeiter die vorhandenen Tools nutzen. Zögern Sie nicht, Ihre Support-Teams um Feedback zu bitten, um problematische Tools oder Funktionen zu identifizieren.
Rund 28 % der installierten Unternehmenssoftware blieb laut einer Analyse von 1E aus dem Jahr 2014 über 90 Tage ungenutzt.
2. Vernachlässigen Sie die Einarbeitung in Ihre Tools nicht
Man bekommt nie eine zweite Chance, einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen. Der erste Eindruck, den Ihre Mitarbeiter von Ihren Arbeitsmitteln haben, hat einen erheblichen Einfluss auf deren Nutzung, Produktivität und Leistung.
Begleiten Sie Ihre Nutzer deshalb ab der ersten Interaktion mit Ihren Tools, damit sie die neue Anwendung nicht nach kurzer Zeit wieder links liegen lassen.
3. Bilden Sie sie dort aus, wo sie sind
Ihre Nutzer wollen ihr Tool nicht verlassen, wenn sie Informationen benötigen. Integrieren Sie den Support in ihre tägliche Routine mit digitalen Adoptionsplattformen (DAPs), auf die beispielsweise direkt über ihr CRM, ERP oder Intranet zugegriffen werden kann.
85 % der Arbeitnehmer verlieren mindestens 1 bis 2 Stunden an Produktivität pro Woche auf der Suche nach Informationen. Dynamic Signal
4. Mit gutem Beispiel vorangehen
Wenn Sie wollen, dass Ihre Benutzer etwas Bestimmtes tun, dann tun Sie es zuerst. Beginnen Sie mit der Nutzung der Software und binden Sie Ihre Mitarbeiter über Schulungen ein.
Nur 26 % der Beschäftigten stimmen voll und ganz zu, dass ihre Vorgesetzten die Werte vorleben, die sie von ihren Mitarbeitern erwarten. Root Inc., 2013
5. Bestimmen Sie den Zeitpunkt
Leiten Sie Ihre Nutzer dann an, wenn sie es brauchen, egal ob sie neu in Ihrer Organisation sind oder neue Nutzer eines Tools, z. B. im Falle des Veränderungsmanagements.
49 % der Arbeitnehmer ziehen es vor, sich dann fortzubilden, wenn sie es brauchen. LinkedIn, Workplace Learning Report 2018
6. Legen Sie den Fokus auf maßgeschneiderte Lösungen
Um die Akzeptanz der Software zu beschleunigen, müssen Sie Ihren Support anpassen, sowohl für die Mehrheit Ihrer Mitarbeiter, die die grundlegenden Funktionen Ihres Tools nutzen, als auch für die wenigen, die fortgeschrittenere Funktionen verwenden. Maßgeschneiderte Schulungskurse sind eine Möglichkeit, ihr Engagement in dieser Hinsicht zu verstärken.
54 % der Menschen möchten Inhalte sehen, die auf ihre Interessen zugeschnitten sind. Adobe, Achieving Deliciousness: The State of Content
7. Neue Funktionen: Legen Sie richtig los
Beschränken Sie Ihre Benutzerunterstützung nicht auf Ihre neuen Tools. Selbst die erfahrensten Nutzer sind mit einer neuen Funktion genauso wenig vertraut wie alle anderen. Das i-Tüpfelchen: Wenn Sie ein Tool anbieten, das sich an ihre Bedürfnisse anpasst, können Sie Ihre regelmäßigen Nutzer bei der Stange halten.
90 % der Top-Führungskräfte sind der Meinung, dass ihr Unternehmen bei der Einführung neuer Technologien auf die Bedürfnisse des Einzelnen eingeht, aber nur 53 % der Arbeitnehmer teilen diese Ansicht. PwC, „Our status with tech at work: It’s complicated“, 2018
8. Kommunizieren Sie – immer wieder
Nutzen Sie jede Gelegenheit, mit Ihren Nutzern zu interagieren – zum einen durch das Versenden von Nachrichten oder Benachrichtigungen über ihre Tools und zum anderen durch das Sammeln ihrer Anmerkungen. Kündigen Sie die Veröffentlichung einer neuen Funktion an, gratulieren Sie ihnen zu ihren Ergebnissen, holen Sie ihr Feedback zu Ihrem Tool ein – Anlässe gibt es viele.
Rund jedes fünfte Projekt scheitert an unzureichender Kommunikation. Project Management Institute (PMI), Pulse of the Profession, 2013
9. Hören Sie niemals auf zu messen
Nutzen Sie alle Daten, die Sie bekommen können, um das Engagement Ihrer Nutzer bei der Arbeit mit Ihren Tools zu erhöhen: Messen Sie ihre Produktivität, analysieren Sie die Zeit, die sie für Schulungen aufwenden, sammeln Sie ihr Feedback, ermitteln Sie die Funktionen, zu denen Ihre Support-Teams am häufigsten Anfragen erhalten. All diese Informationen werden Ihnen helfen, die Nutzung Ihrer Anwendungen zu verbessern!
Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, 20 % der Zeit damit zu verbringen, zu klären, was getan werden muss, und 80 %, um sicherzustellen, dass das, was getan werden muss, auch tatsächlich getan wird. Business Execution for Results, Stephen Lynch, 2014
10. Hören Sie auf Ihre Mitarbeiter
Das Tool sollte niemals die Mitarbeiter in den Schatten stellen. Das Geheimnis der Softwareeinführung bleibt der Faktor Mensch: Hören Sie auf die Bedürfnisse, Meinungen und Rückmeldungen Ihrer Benutzer.
Mitarbeiter, die das Gefühl haben, dass ihnen zugehört wird, fühlen sich mit 4,6-mal höherer Wahrscheinlichkeit in der Lage, bei der Arbeit ihr Bestes zu geben. Salesforce, „The Impact of Equality and Values Driven Business“, 2017
Wie Sie sehen, geht es bei der Softwareeinführung nicht nur um den Zugang zu Ihren verschiedenen Geschäftsanwendungen. Auch die bloße Nutzung reicht nicht: Entscheidend ist, dass Ihre Mitarbeiter sie richtig nutzen. Die Unterstützung Ihrer User bei der Nutzung ihrer Tools ist genauso wichtig wie die Tools an sich, und es reicht nicht aus, sich auf die Intuitivität Ihrer Software zu verlassen! In diesem Artikel erfahren Sie, warum.
Woran erkennen Sie, dass die Softwareeinführung gelungen ist?
Ob eine Softwareeinführung erfolgreich war, zeigt sich nicht am Go-live-Tag, sondern in den Wochen und Monaten danach. Diese Kennzahlen helfen bei der Bewertung:
- Nutzungsquote: Wie viele der vorgesehenen Anwender arbeiten regelmäßig mit der Software?
- Prozesstreue: Werden Vorgänge vollständig im System abgewickelt oder weiterhin per E-Mail und Excel?
- Datenqualität und Fehlerquote: Wie oft müssen Einträge korrigiert werden?
- Supportanfragen: Sinkt die Zahl der Bedienfragen nach den ersten Wochen?
- Zufriedenheit: Wie bewerten die Anwender die Software und die angebotene Hilfe?
Werten Sie diese Kennzahlen getrennt nach Abteilungen, Standorten und Nutzergruppen aus. So erkennen Sie, wo zusätzliche Schulungen, Anleitungen oder Prozessanpassungen nötig sind, und können gezielt nachsteuern, statt alle Anwender erneut zu schulen.
Legen Sie Zielwerte bereits vor dem Start fest und begleiten Sie die Einführung mit einem strukturierten Change Management. Das zahlt sich aus: Laut Prosci erreichen oder übertreffen 88 % der Projekte mit exzellentem Change Management ihre Ziele, bei schlechtem Change Management sind es nur 13 %.
Welche Phasen hat eine Softwareeinführung?
Die zehn Tipps wirken am besten, wenn die Softwareeinführung als Projekt mit klaren Phasen geplant ist. Typisch sind:
- Bedarfsanalyse und Ziele: Welche Prozesse soll die Software verbessern, und woran messen Sie den Erfolg?
- Auswahl: Anbieter vergleichen, Anforderungen prüfen, Fachbereiche und künftige Anwender einbeziehen.
- Konfiguration und Datenmigration: Die Software an die Prozesse anpassen, Schnittstellen einrichten und Altdaten übernehmen.
- Test und Pilotphase: Key-User prüfen die Abläufe in einem Anwendertest (UAT), bevor alle Mitarbeitenden umsteigen.
- Schulung und Go-live: Die Anwender werden kurz vor dem Start geschult und beim Go-live eng begleitet.
- Betrieb und Optimierung: Nutzung messen, Feedback auswerten und Inhalte bei jedem Update anpassen.
Bei der Einführungsstrategie haben Sie die Wahl zwischen dem Big-Bang-Ansatz, bei dem alle Bereiche zu einem Stichtag umstellen, und einem schrittweisen Rollout nach Standorten, Abteilungen oder Modulen. Der schrittweise Rollout senkt das Risiko, dauert aber länger. In Deutschland sollten Sie außerdem den Betriebsrat früh einbinden: Software, die geeignet ist, Verhalten oder Leistung der Beschäftigten zu überwachen, unterliegt nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG der Mitbestimmung.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter Softwareeinführung?
Unter Softwareeinführung (auch Software-Rollout) versteht man den gesamten Prozess, mit dem eine neue Anwendung in einem Unternehmen etabliert wird: von der Bedarfsanalyse über Auswahl, Konfiguration, Datenmigration und Schulung bis zum Go-live und zum laufenden Betrieb. Erfolgreich ist eine Softwareeinführung erst, wenn die Mitarbeitenden die Software im Alltag tatsächlich und korrekt nutzen.
Wie führen Sie Mitarbeitende effizient in eine neue Unternehmenssoftware ein?
Am effizientesten ist eine Kombination aus kurzer Einführungsschulung und Hilfe im Arbeitsalltag. Statt langer Präsenzschulungen erhalten Anwender interaktive Anleitungen direkt in der neuen Unternehmenssoftware, etwa über eine Digital Adoption Platform. So lernen sie die Prozesse genau dann, wenn sie sie brauchen. Key-User in den Fachbereichen beantworten zusätzlich Fragen vor Ort und geben Rückmeldungen an das Projektteam weiter.
Wie überzeugen Sie Mitarbeitende von einer neuen Software?
Mitarbeitende lassen sich von einer neuen Software überzeugen, wenn sie ihren persönlichen Nutzen erkennen. Erklären Sie früh, welche Aufgaben einfacher oder schneller werden, beziehen Sie künftige Anwender in Auswahl und Tests ein und lassen Sie Führungskräfte die Software sichtbar selbst nutzen. Nehmen Sie Bedenken ernst, holen Sie regelmäßig Feedback ein und zeigen Sie, welche Verbesserungen daraus entstanden sind.
Wann hat der Betriebsrat bei einer Softwareeinführung ein Mitspracherecht?
Der Betriebsrat hat nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG ein Mitbestimmungsrecht, wenn eine Software objektiv geeignet ist, das Verhalten oder die Leistung der Beschäftigten zu überwachen. Das trifft auf viele Business-Anwendungen zu, weil sie Nutzungsdaten protokollieren. Binden Sie den Betriebsrat deshalb früh in die Softwareeinführung ein und regeln Sie die Nutzung in einer Betriebsvereinbarung.
Warum scheitern Softwareeinführungen?
Softwareeinführungen scheitern selten an der Technik, sondern meist an mangelnder Akzeptanz: Die Anwender wurden zu spät eingebunden, die Schulungen waren zu allgemein, und nach dem Go-live fehlt die Unterstützung im Alltag. Hinzu kommen unklare Ziele und unzureichende Kommunikation. Wer die Einführung als Change-Projekt plant und die Nutzung nach dem Start misst, erkennt Probleme früh und kann gegensteuern.
Quellen
- LinkedIn, „New Report shows talent development is playing an increasingly strategic role in today’s economy“ (Workplace Learning Report 2018), Februar 2018
- IndustryWeek, „Employees Not as Happy with Technology as C-Suite Thinks“ (zur PwC-Studie „Our status with tech at work: It’s complicated“), 29.10.2018
- Project Management Institute, „Pulse of the Profession: The High Cost of Low Performance – The Essential Role of Communications“, Mai 2013
- Prosci, „The Correlation Between Change Management and Project Success“, aktualisiert am 07.08.2026