Instruktionsdesign-Modelle sind Vorgehensmodelle und Gestaltungsprinzipien, nach denen Schulungen und Lernangebote systematisch geplant, entwickelt und überprüft werden. Zu den bekanntesten zählen das ADDIE-Modell, das agile SAM-Modell, Merrills „First Principles of Instruction“, Gagnés neun Unterrichtsschritte, das Kemp-Modell und das Action Mapping von Cathy Moore. Welches Modell passt, hängt vor allem von Projektgröße, Zeitrahmen und Lernziel ab.
Das Wichtigste in Kürze
- Instruktionsdesign-Modelle strukturieren Planung, Entwicklung und Evaluation von Schulungen; welches passt, hängt von Projektgröße, Zeitrahmen und Lernziel ab.
- ADDIE und das Kemp-Modell beschreiben den gesamten Entwicklungsprozess, das SAM-Modell setzt dagegen auf kurze Zyklen mit Prototypen.
- Merrills „First Principles of Instruction“ (2002) und Gagnés neun Unterrichtsschritte (1965) legen fest, wie eine einzelne Lerneinheit aufgebaut sein sollte.
- Cathy Moores Action Mapping (2008) beginnt bei einem messbaren Geschäftsziel und prüft zuerst, ob eine Schulung überhaupt die richtige Lösung ist.
- 1. SAM-Modell (Successive Approximation Model)
- 2. ADDIE-Modell
- 3. Merrills Prinzipien für Instruktionsdesign (Merrill’s Principles of Instruction)
- 4. Die 9 Unterrichtsschritte von Gagné (Gagné’s Nine Events of Instruction)
- 5. Das Kemp-Modell für Instruktionsdesign (Kemp Design Model)
- 6. Das Action-Mapping-Modell von Cathy Moore
- Instruktionsdesign meistern
Instruktionsdesign ist ein zentrales Element im Rahmen der beruflichen Weiterbildung und Kompetenzentwicklung. Es geht darum, maßgeschneiderte Schulungsprogramme zu entwickeln, die auf spezifische Ziele und die verschiedenen Tätigkeitsprofile abgestimmt sind. Dafür stehen mehrere Modelle zur Verfügung; das bekannteste ist das ADDIE-Modell. Wer strukturierte Fortbildungsprogramme entwickeln will, die den Anforderungen des Unternehmens entsprechen, sollte die verschiedenen didaktischen Ansätze kennen.
1. SAM-Modell (Successive Approximation Model)
Das SAM-Modell – auch Modell der sukzessiven Annäherung genannt – gehört zu den agilen Konzepten. Entwickelt wurde die Methode von Michael Allen, einem Pionier des E-Learnings, der sie in seinem Buch „Leaving ADDIE for SAM“ vorstellte. Sie eignet sich besonders gut, um motivierende und einprägsame Lernerfahrungen zu schaffen. Während das ADDIE-Modell klassisch Phase für Phase durchlaufen wird, arbeitet das SAM-Modell in kurzen Zyklen aus Entwurf, Prototyp und Überprüfung. Das Vorgehen umfasst drei Phasen:
- die Vorbereitungsphase,
- die iterative Designphase,
- die iterative Entwicklungsphase.
In der Vorbereitungsphase geht es darum, grundlegende Informationen über das vorhandene Wissen der Lernenden, ihre Stärken und Schwächen sowie andere Faktoren zu sammeln. In einem kurzen Auftaktworkshop, dem „Savvy Start“, entwickeln Projektteam, Auftraggeber und Vertreter der Zielgruppe erste Ideen für das Fortbildungsprojekt. Im nächsten Schritt nehmen Sie den iterativen Entwurf der verschiedenen Inhaltsbereiche in Angriff.
Erstellen Sie Prototypen der Module und lassen Sie diese von Vertretern der Zielgruppe und Fachexperten testen. Auf Basis der Rückmeldungen lassen sich dann Schwachpunkte ausmerzen. Sobald die E-Learning-Module überarbeitet sind, können Sie sie einsetzen. In der iterativen Entwicklungsphase wird das Lernangebot in mehreren Durchgängen erprobt und anhand der Rückmeldungen verbessert, bis die fertige Version (im SAM-Vokabular „Gold“) vorliegt.
2. ADDIE-Modell
Das ADDIE-Modell ist eines der am häufigsten verwendeten Modelle im Instruktionsdesign und umfasst fünf Phasen:
- Analyse: Bestimmung der Zielgruppe und ihrer Lernbedürfnisse. Festlegung der Fähigkeiten oder Kenntnisse, die am Ende des Programms vermittelt werden sollen.
- Design: Planung der Unterrichtsmethoden, Kursinhalte und Prüfungsformen, abgestimmt auf die Profile und Ziele der Lernenden.
- Entwicklung: Erstellung von Kursmaterialien, Aktivitäten und multimedialen Ressourcen zur Bereitstellung einer zusammenhängenden Lernerfahrung.
- Implementierung: Durchführung des Schulungsprogramms, Sicherstellung der logistischen Vorbereitung und des ordnungsgemäßen Einsatzes der entwickelten Ressourcen.
- Evaluation: Bewertung des Erfolgs des Programms bei der Erreichung der Lernziele und Ermittlung von Verbesserungsmöglichkeiten.
Das ADDIE-Modell ist ein stark strukturiertes Modell, das einen methodischen Ansatz für das Instruktionsdesign gewährleistet und sich besonders für groß angelegte Schulungsinitiativen eignet.
3. Merrills Prinzipien für Instruktionsdesign (Merrill’s Principles of Instruction)
M. David Merrill hat 2002 fünf Grundprinzipien für wirksamen Unterricht veröffentlicht, die „First Principles of Instruction“.
- Das Lernen konzentriert sich auf konkrete Probleme.
- Das vorhandene Wissen der Lernenden wird aktiviert.
- Die neuen Kenntnisse und Fähigkeiten werden demonstriert.
- Die Lernenden werden angeleitet, das neue Wissen oder die neuen Fertigkeiten anzuwenden.
- Die Lernenden werden dazu ermuntert, das erworbene Wissen in ihren Arbeitskontext zu integrieren.
Im Mittelpunkt stehen realistische Aufgaben aus der Praxis, an denen die Lernenden die übrigen vier Prinzipien durchlaufen. Vorhandene Kenntnisse und Fähigkeiten der Lernenden müssen aktiviert und als Grundlage für die neuen Fertigkeiten genutzt werden.
Das dritte Prinzip, die Demonstration, besagt: Die Lernenden sollen an Beispielen sehen, wie das Neue angewendet wird, statt nur davon zu hören. Ihre Rolle besteht darin, den Lernenden zu zeigen, wie sie eine bestimmte Aufgabe erledigen, und sich zu vergewissern, dass sie die Vorgehensweise verstehen.
Im nächsten Schritt setzen die Schulungsteilnehmer das Gelernte dann selbst in die Praxis um. Unterstützen Sie sie anschließend dabei, die neu erworbenen Fertigkeiten im Arbeitsalltag zu nutzen, und ermutigen Sie sie, ihr Know-how mit anderen zu teilen.
4. Die 9 Unterrichtsschritte von Gagné (Gagné’s Nine Events of Instruction)
Die neun Unterrichtsschritte, die der US-amerikanische Lernpsychologe Robert M. Gagné 1965 vorschlug, bilden ein bewährtes Gerüst für den Aufbau von Lerneinheiten. Das Zusammenspiel dieser neun Punkte führt dazu, dass die Lernenden sich besser auf den Lernprozess konzentrieren und neues Wissen oder neue Fertigkeiten besser aufnehmen können. Bei der Konzeption eines E-Learning-Kurses sollten Sie also nach den folgenden neun Schritten vorgehen:
- Aufmerksamkeit wecken.
- Lernziele erläutern.
- Vorwissen aktivieren.
- Lerninhalte präsentieren.
- Den Lernprozess anleiten (Lernhilfen geben).
- Üben lassen (Leistung hervorrufen).
- Rückmeldung geben.
- Die Leistung bewerten.
- Behalten und Übertragung in die Praxis fördern.
Es ist wichtig, einen Lernprozess in klar definierten Phasen zu strukturieren, damit am Ende der Lernerfolg steht. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um E-Learning, Präsenzschulungen oder Blended Learning handelt.
5. Das Kemp-Modell für Instruktionsdesign (Kemp Design Model)
Das Kemp-Modell, auch als Modell von Morrison, Ross und Kemp bekannt, beschreibt neun miteinander verknüpfte Elemente der Unterrichtsplanung: vom Ausgangsproblem und den Merkmalen der Lernenden über Inhalte, Lernziele und Lehrstrategien bis zu Prüfungsinstrumenten und unterstützenden Ressourcen. Es hilft dem Instruktionsdesigner, Lernangebote zu erstellen, die ansprechend sind und die Bedürfnisse und Erwartungen der Lernenden erfüllen. Die Elemente sind nicht linear angeordnet: Je nach Projekt können sie parallel, in beliebiger Reihenfolge oder gar nicht bearbeitet werden.
Der klare Rahmen für Bewertung und Feedback verbessert die Qualität und den Lernerfolg einer Fortbildung. Das Modell stellt die Lernenden in den Mittelpunkt: Es ist darauf ausgerichtet, ihre Vorkenntnisse und Bedürfnisse zu verstehen und die Vermittlung des Lernstoffs entsprechend anzupassen. Darüber hinaus ist es flexibler als andere Konzepte für Instruktionsdesign, denn der Instruktionsdesigner hat die Möglichkeit, die einzelnen Elemente an die Projektziele anzupassen und im Laufe des Projekts Modifikationen vorzunehmen.
6. Das Action-Mapping-Modell von Cathy Moore
Cathy Moore stellte ihr Trainingsdesign-Modell „Action Mapping“ im Mai 2008 erstmals vor, um Lerninhalte zielgerichteter zu erstellen und dadurch besonders die betriebliche Weiterbildung leistungsfähiger zu machen. Ausgangspunkt ist ein konkretes und messbares Geschäftsziel. Mithilfe von Action Mapping wird analysiert, was die Erreichung dieses Ziels behindert. Anschließend werden praktische Lösungswege gesucht, die oft über die Weiterbildung hinausgehen.
In welchen Schritten läuft Action Mapping ab?
Action Mapping arbeitet sich vom Ziel rückwärts zu den Inhalten vor. Cathy Moore hat die erste Fassung im Mai 2008 veröffentlicht und 2013 um ein Flussdiagramm zur Ursachenanalyse erweitert (Cathy Moore, Action Mapping):
- Geschäftsziel festlegen: Welche messbare Kennzahl soll sich verbessern, etwa die Zahl der Fehlbuchungen oder die Bearbeitungszeit?
- Handlungen bestimmen: Was müssen die Beschäftigten konkret und beobachtbar tun, damit das Ziel erreicht wird?
- Ursachen prüfen: Warum geschieht das heute nicht? Fehlt Wissen oder Können, oder liegt es an Arbeitsumgebung, Werkzeugen oder Motivation? Nur im ersten Fall ist eine Schulung die passende Antwort; sonst helfen eher bessere Prozesse oder Hilfen direkt am Arbeitsplatz.
- Übungen entwickeln: realistische Praxisaufgaben, in denen die Lernenden genau diese Handlungen trainieren.
- Informationen ergänzen: nur das Wissen, das für die Übungen tatsächlich nötig ist.
Gerade bei Software-Einführungen kann diese Analyse zeigen, dass Anwender weniger eine weitere Schulung brauchen als Unterstützung im richtigen Moment.
Instruktionsdesign meistern
Um effektive Schulungsprogramme zu entwickeln, müssen Instruktionsdesigner mit diesen Modellen und den Werkzeugen der Bildungswissenschaften bestens vertraut sein. Dieses Wissen ermöglicht es ihnen, den am besten geeigneten Ansatz für jeden Lernkontext auszuwählen. Unabhängig davon, ob es um die Entwicklung von E-Learning-Modulen, Blended-Learning-Programmen oder traditionellen Präsenzschulungen geht, bieten diese Modelle eine solide Grundlage für den Erfolg.
Durch die Integration moderner Technologien und die Anpassung an die sich verändernden Anforderungen am Arbeitsplatz können Instruktionsdesigner wirkungsvolle Lernerfahrungen schaffen, die sowohl individuelles als auch organisatorisches Wachstum fördern.
Welches Instruktionsdesign-Modell passt zu welchem Projekt?
Die Modelle schließen sich nicht aus. Prozessmodelle wie ADDIE, SAM oder Kemp regeln, wie ein Schulungsprojekt abläuft. Merrill und Gagné beschreiben, wie eine einzelne Lerneinheit aufgebaut sein sollte. Action Mapping klärt vorab, ob und wofür eine Schulung überhaupt nötig ist.
| Modell | Art | Geeignet für |
|---|---|---|
| ADDIE | Prozessmodell, phasenorientiert | große, gut planbare Programme, z. B. Pflichtschulungen |
| SAM | Prozessmodell, agil | Projekte mit unklaren oder sich ändernden Anforderungen |
| Kemp-Modell | Prozessmodell, nicht linear | Lernangebote, deren Elemente flexibel angepasst werden sollen |
| Merrills First Principles | Gestaltungsprinzipien | praxisnahe Lerneinheiten rund um reale Aufgaben |
| Gagnés neun Unterrichtsschritte | Ablauf einer Lerneinheit | klar strukturierte Präsenz- oder E-Learning-Einheiten |
| Action Mapping | Analyse- und Designmodell | Schulungen, die eine messbare Geschäftskennzahl verbessern sollen |
In der Praxis kombinieren viele Teams ein Prozessmodell mit Gestaltungsprinzipien, etwa ADDIE für den Projektablauf und Merrills First Principles of Instruction für den Aufbau der einzelnen Module. Ein weiteres klassisches Prozessmodell ist das Dick-und-Carey-Modell. Wichtiger als die Wahl des einen richtigen Modells ist ein Vorgehen, das Ziele, Zielgruppe und Erfolgskontrolle von Anfang an festlegt.
Häufig gestellte Fragen
Was ist Instruktionsdesign?
Instruktionsdesign (englisch: Instructional Design) ist die systematische Planung, Entwicklung, Durchführung und Bewertung von Lernangeboten. Ausgangspunkt sind der Lernbedarf und die Lernziele einer Zielgruppe; daraus werden Inhalte, Methoden, Medien und Prüfungen abgeleitet. Instruktionsdesign-Modelle wie ADDIE oder SAM geben dafür ein strukturiertes Vorgehen vor. Mehr zu Rolle und Aufgaben lesen Sie im Beitrag über den Spezialisten für Instruktionsdesign.
Was ist das bekannteste Instruktionsdesign-Modell?
Das bekannteste Instruktionsdesign-Modell ist das ADDIE-Modell. Es gliedert die Entwicklung einer Schulung in fünf Phasen: Analyse, Design, Entwicklung, Implementierung und Evaluation. Seine Wurzeln reichen in die 1970er-Jahre zurück, als in den USA systematische Verfahren für die militärische Ausbildung entwickelt wurden. Viele neuere Modelle, etwa SAM, verstehen sich als Weiterentwicklung oder bewusste Alternative zu ADDIE.
Was ist der Unterschied zwischen ADDIE und SAM?
ADDIE durchläuft fünf Phasen nacheinander, und Rückmeldungen der Lernenden fließen vor allem in der Evaluationsphase ein. Das SAM-Modell (Successive Approximation Model) von Michael Allen arbeitet dagegen in kurzen Zyklen: Nach einem gemeinsamen Auftaktworkshop entstehen früh Prototypen, die getestet und schrittweise verbessert werden. ADDIE eignet sich für gut planbare Programme, SAM für Projekte mit unklaren oder sich ändernden Anforderungen.
Ist Instructional Design dasselbe wie Instruktionsdesign?
Ja. Instruktionsdesign ist die deutsche Bezeichnung für Instructional Design; daneben ist auch der Begriff „didaktisches Design“ gebräuchlich. Gemeint ist jeweils die systematische Gestaltung von Lernangeboten. Fachkräfte in diesem Bereich heißen Instruktionsdesigner oder Instructional Designer. Die bekannten Modelle stammen überwiegend aus dem englischsprachigen Raum und werden daher oft mit ihren englischen Namen bezeichnet.
Welche Rolle spielt Instruktionsdesign bei Software-Schulungen?
Bei Software-Schulungen hilft Instruktionsdesign, Inhalte an den tatsächlichen Arbeitsabläufen der Anwender auszurichten. Statt alle Funktionen vorzuführen, stehen die Vorgänge im Mittelpunkt, die Anwender in ihrer jeweiligen Rolle im Arbeitsalltag brauchen. Merrills Prinzipien legen nahe, diese Vorgänge an realen Aufgaben zu üben, etwa in einem Simulationstraining. Action Mapping prüft zusätzlich, ob Hilfen direkt in der Anwendung wirksamer sind als eine weitere Schulung.
Quellen
- MIT Open Learning, „First Principles of Instruction“ (nach M. David Merrill, „First principles of instruction“, Educational Technology Research & Development 50, 2002, S. 43–59)
- Northern Illinois University, Center for Innovative Teaching and Learning, „Gagné’s Nine Events of Instruction“ (Gagné, 1965)
- Instructional Designers of Penn State, „Instructional Designer’s Handbook“, Kapitel Kemp-Modell (Morrison, Ross & Kemp)
- Cathy Moore, „Action mapping: A visual approach to training design“ (erste Fassung Mai 2008, Erweiterung Mai 2013)