Die Learning Curve (deutsch: Lernkurve) zeigt, wie sich die Leistung bei einer Aufgabe mit zunehmender Übung verbessert. Bei der Einführung von Unternehmenssoftware beschreibt sie, wie schnell Anwenderinnen und Anwender ein neues System sicher und produktiv bedienen. Je kürzer diese Einarbeitungsphase ist, desto früher erreicht die Software ihren geplanten Nutzen und desto weniger Fehler und Rückfragen entstehen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Learning Curve (Lernkurve) beschreibt, wie die Leistung bei einer Aufgabe mit wachsender Übung steigt; in der Betriebswirtschaft auch, wie der Aufwand je Einheit mit jeder Wiederholung sinkt.
- Bei neuer Unternehmenssoftware zeigt sie, wie lange Anwender brauchen, bis sie typische Vorgänge sicher und ohne Hilfe erledigen.
- Zeitnahe, rollenbezogene Schulungen, Übungsumgebungen und Hilfen direkt in der Anwendung verkürzen die Einarbeitung.
- Messen lässt sich die Learning Curve an Kennzahlen wie Bearbeitungszeit, Fehlerquote und Supportanfragen, möglichst aggregiert und unter Beteiligung des Betriebsrats.
Die Learning Curve (deutsch: Lernkurve) ist die grafische Darstellung, wie sich die Leistung bei einer Aufgabe mit zunehmender Übung und Erfahrung verbessert. In der Betriebswirtschaft beschreibt sie außerdem, wie der Aufwand je Produkteinheit sinkt, je häufiger ein Arbeitsprozess wiederholt wird. Damit sich die betriebliche Weiterbildung positiv auf die Nutzung der Software im Unternehmen auswirkt, müssen einige Punkte berücksichtigt werden. Knowmore präsentiert Ihnen Lösungsansätze, wie Sie mithilfe der Learning Curve die Performance Ihrer Geschäftsprozesse verbessern.
Zusammenhang zwischen Learning Curve und Beherrschung einer Software
Unternehmen, die ausschließlich auf formelle Schulungsmethoden setzen, erzielen meist keine zufriedenstellenden Ergebnisse. Einen steileren Verlauf der Learning Curve (deutsch: Lernkurve) bewirkt dagegen das ganzheitliche Lernen. Dieser Lernansatz verbindet Schulung mit praktischer Erfahrung und bewährt sich besonders bei Branchen- und Unternehmenssoftware.
Wie schnell Anwender mit einer Software sicher arbeiten, hängt auch von deren Benutzerfreundlichkeit ab. Erfahrung entsteht vor allem durch die wiederholte Anwendung im Arbeitsalltag, nicht allein durch absolvierte Schulungen. Wer Leistung und Erfahrung der Anwender gemeinsam auswertet, kann Schulungen, Support und Benutzeroberfläche gezielt verbessern. Die Lernkurve zeigt dabei, an welchen Stellen Anwender länger brauchen als erwartet und wo zusätzliche Unterstützung nötig ist.
Wie verkürzen Sie die Learning Curve bei neuer Software?
Bei jeder Software-Einführung durchlaufen die Anwender eine Phase, in der sie langsamer arbeiten und mehr Fehler machen als im gewohnten System. Wie lange diese Phase dauert, lässt sich beeinflussen:
- Zeitnah schulen: Liegt zwischen Schulung und Systemstart zu viel Zeit, ist ein Teil des Gelernten bereits vergessen. Diesen Verlauf hat Hermann Ebbinghaus zwischen 1880 und 1885 untersucht; eine Replikationsstudie hat seine Vergessenskurve 2015 bestätigt (Murre und Dros, PLOS ONE).
- Rollenbezogen schulen: Vermitteln Sie nur die Vorgänge, die Anwender in ihrer jeweiligen Rolle tatsächlich brauchen, und beginnen Sie mit den häufigsten Abläufen.
- In einer geschützten Umgebung üben: Simulationen oder Schulungssysteme erlauben es, Vorgänge ohne Risiko für echte Daten auszuprobieren.
- Hilfe im Arbeitsfluss bieten: Interaktive Anleitungen und Hinweise direkt in der Anwendung begleiten die ersten echten Vorgänge, wenn erfahrungsgemäß die meisten Fragen entstehen.
- Den Support vorbereiten: In den ersten Wochen nach dem Start, der Hypercare-Phase, sollten Ansprechpartner und Antworten auf häufige Fragen schnell verfügbar sein.
Learning Curve in Branchen- und Unternehmenssoftware
Die Learning Curve macht sichtbar, wie gut ein Ansatz wirkt, der Schulung mit der Performance des Supports verknüpft. Entscheidend sind dabei Praxis und Leistung im Arbeitsalltag. Um die Lernkurve in Ausbildung und betrieblicher Weiterbildung zu verkürzen, sollten Sie den Einstieg möglichst einfach gestalten. Ihre Mitarbeiter werden bei einer neuen Aufgabe eine Lernkurve durchlaufen und sollten sich zunächst auf die grundlegenden Prozesse konzentrieren, bevor sie sich Sonderfällen und weiterführenden Funktionen widmen.
Bei einer neuen Software müssen Anwender anfangs in kurzer Zeit viel Neues lernen; umgangssprachlich spricht man von einer steilen Lernkurve (englisch: steep learning curve). Wenn die Software aber erst einige Wochen nach der Schulung eingeführt wird, erinnern sich die Mitarbeiter oft nur noch lückenhaft an die einzelnen Arbeitsschritte. Erst mit der täglichen Nutzung der Software wächst die Handlungskompetenz. In dieser Phase sollten Sie den Lernfortschritt beobachten und gegebenenfalls Anpassungen vornehmen.
Je häufiger die Mitarbeiter die Abläufe ausführen, desto fester verankern sich diese im Gedächtnis – genau diesen Zusammenhang bildet die Learning Curve ab. Die Lernkurve steigt schneller an, wenn die Beschäftigten vorab ein grundlegendes Verständnis der Branchensoftware erhalten.
Betriebliche Weiterbildung in Kombination mit einem verlässlichen Support hilft dabei, schneller eine bessere Leistung zu erzielen. Darüber hinaus sollten Sie die Mitarbeiter dazu animieren, sich aktiv mit der Software zu beschäftigen, um weitere Funktionen zu entdecken. Eine gemeinsame Wissensdatenbank mit Anleitungen und Antworten auf häufige Fragen beschleunigt die Einarbeitung zusätzlich.
Wie messen Sie die Learning Curve Ihrer Anwender?
Ob die Einarbeitung wie geplant verläuft, zeigen Kennzahlen, die Sie vor und nach dem Go-live vergleichen:
| Kennzahl | Was sie zeigt |
|---|---|
| Zeit bis zur sicheren Nutzung | Nach wie vielen Tagen oder Wochen erledigen Anwender typische Vorgänge ohne Hilfe? |
| Bearbeitungszeit je Vorgang | Nähert sie sich dem Niveau des alten Systems oder dem Zielwert an? |
| Fehler- und Korrekturquote | Wie oft müssen Buchungen, Aufträge oder Stammdaten nachträglich korrigiert werden? |
| Supportanfragen je Anwender | Welche Themen erzeugen die meisten Tickets, und geht ihre Zahl zurück? |
| Nutzung der vorgesehenen Abläufe | Arbeiten die Anwender im System oder mit Umgehungslösungen wie eigenen Excel-Listen? |
Werten Sie solche Daten möglichst aggregiert aus, etwa nach Team oder Prozess, und nicht für einzelne Personen. Software, die objektiv geeignet ist, Verhalten oder Leistung von Beschäftigten zu überwachen, unterliegt in Deutschland der Mitbestimmung des Betriebsrats nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG (ifb, Betriebsratslexikon); zudem gelten die Vorgaben des Datenschutzes.
Zusammenfassung
Die Lernkurve (englisch: Learning Curve) ist ein praktisches Hilfsmittel, um die Performancevon Branchen- oder Unternehmenssoftware zu verbessern. Wenn Sie beobachten und auswerten, wie Anwender mit neu eingeführter Software zurechtkommen, können Sie den Lernprozess gezielt beschleunigen. Verfolgen Sie den Verlauf der Lernkurve anhand aggregierter Nutzungsdaten und nutzen Sie diese Informationen, um Schulungs- und Supportinhalte anzupassen. Dieser flexible Ansatz trägt dazu bei, die Leistung der Benutzer kontinuierlich zu verbessern.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet Learning Curve auf Deutsch?
Learning Curve heißt auf Deutsch Lernkurve. Gemeint ist die grafische Darstellung, wie sich die Leistung bei einer Aufgabe mit zunehmender Übung oder Erfahrung verändert. Im Berufsalltag wird der Begriff oft übertragen verwendet: „Das neue System hat eine Learning Curve“ heißt, dass man Zeit braucht, bis man es sicher beherrscht. Ausführlich erklärt der Beitrag zur Lernkurve Kurvenformen und Lernplateaus.
Was bedeutet „steep learning curve“?
Wörtlich bedeutet „steep learning curve“ steile Lernkurve. Fachlich steht eine steile Kurve für schnellen Lernfortschritt: Die Leistung steigt in kurzer Zeit stark an. Umgangssprachlich, vor allem im Englischen, beschreibt der Ausdruck dagegen meist etwas, das schwer zu erlernen ist, weil man in kurzer Zeit sehr viel Neues aufnehmen muss. Bei neuer Software ist fast immer die zweite Bedeutung gemeint.
Welche Lernkurve ist mit der Beherrschung eines neuen Betriebssystems verbunden?
Beim Umstieg auf ein neues Betriebssystem oder eine neue Anwendung steigt die Leistung meist zunächst schnell an, weil Grundfunktionen rasch gelernt werden; danach flacht die Kurve ab, und für Sonderfunktionen sind weitere Übung und Erfahrung nötig. Man spricht von einem degressiven Verlauf. Wie steil der Anstieg ausfällt, hängt vom Vorwissen, von der Ähnlichkeit zum bisherigen System und von der Unterstützung in den ersten Wochen ab.
Wie lange dauert die Einarbeitung in eine neue Unternehmenssoftware?
Eine allgemeingültige Dauer gibt es nicht. Die Einarbeitung in neue Unternehmenssoftware hängt davon ab, wie komplex die Prozesse sind, wie stark sich das neue System vom alten unterscheidet, wie oft Anwender es nutzen und wie gut sie beim Start unterstützt werden. Legen Sie deshalb für Ihr Projekt messbare Zielwerte fest, etwa eine Bearbeitungszeit je Vorgang, und verfolgen Sie, wann sie erreicht werden.
Was ist der Unterschied zwischen Learning Curve und Vergessenskurve?
Die Learning Curve zeigt, wie die Leistung mit wachsender Übung zunimmt. Die Vergessenskurve nach Hermann Ebbinghaus beschreibt das Gegenstück: wie schnell Gelerntes ohne Wiederholung wieder verloren geht, anfangs besonders stark. Für Software-Schulungen folgt daraus, dass Training und tatsächliche Nutzung zeitlich nah beieinanderliegen sollten und dass kurze Wiederholungen in den ersten Wochen die Lernkurve stabilisieren.
Quellen
- Marion Steven, „Lernkurve“, Gabler Wirtschaftslexikon, Springer Gabler
- Jaap M. J. Murre, Joeri Dros, „Replication and Analysis of Ebbinghaus’ Forgetting Curve“, PLOS ONE 10(7), 2015
- ifb – Institut zur Fortbildung von Betriebsräten, Betriebsratslexikon, „Technische Kontrolleinrichtungen“ (§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG), Stand 03.08.2023