Das Wichtigste in Kürze
- Veränderungsmanagement (Change Management) umfasst alle geplanten Maßnahmen, mit denen Unternehmen Veränderungen vorbereiten, umsetzen und dauerhaft verankern.
- Es wirkt auf zwei Ebenen: auf das Unternehmen als Ganzes und auf jeden einzelnen Mitarbeitenden.
- Typische Phasen sind Bestandsaufnahme, Kommunikation, Unterstützung der Mitarbeitenden und Erfolgsmessung.
- Die größte Hürde ist Widerstand: Laut Prosci erreichen Projekte mit hervorragendem Change Management ihre Ziele etwa siebenmal häufiger als Projekte mit schwachem Change Management.
Unter Veränderungsmanagement fallen alle Methoden und Aktivitäten, die das Ziel haben, einen Veränderungsprozess im Unternehmen zu begleiten. Damit wird eine Neuerung im Unternehmen geplant, eingeführt und verankert, sodass diese am Ende von allen Beteiligten akzeptiert wird. Durch diese Unterstützung fällt die Umsetzung der gewünschten Veränderung leichter.
Warum braucht man Veränderungsmanagement?
Für jede Neuerung, die in einem Unternehmen eingeführt wird, ob für einzelne Teams oder für das gesamte Unternehmen, ist Veränderungsmanagement notwendig. Es erleichtert die Organisation (oder Reorganisation) eines Projektes, die Verankerung neuer Geschäftsprozesse oder die Einführung neuer digitaler Tools.
Der große Vorteil von Veränderungsmanagement besteht darin, dass es die Umstellung für die beteiligten Personen vereinfacht. Wird ein Übergang nicht begleitet, verzögert sich die Umsetzung des Veränderungsprojekts unter Umständen, oder das Projekt scheitert sogar.
Veränderungsmanagement, Change Management, Änderungsmanagement: Was ist der Unterschied?
Veränderungsmanagement ist die deutsche Bezeichnung für Change Management. Beide Begriffe meinen dasselbe: die geplante Steuerung organisatorischer Veränderungen mit Blick auf die betroffenen Menschen. Dazu gehören neue Strategien und Strukturen ebenso wie neue Prozesse oder die Einführung von Software.
Davon abzugrenzen ist das Änderungsmanagement. Der Begriff wird vor allem in Technik, Produktentwicklung und IT verwendet und bezeichnet die kontrollierte Bearbeitung einzelner Änderungen, etwa an einem Bauteil, einer Zeichnung oder einer IT-Komponente. Im Vordergrund stehen dort Prüfung, Freigabe und Dokumentation, nicht die Akzeptanz der Mitarbeitenden.
| Begriff | Gegenstand | Typische Leitfrage |
|---|---|---|
| Veränderungsmanagement (Change Management) | Organisatorischer Wandel und seine Wirkung auf die Menschen | Wie gewinnen wir die Mitarbeitenden für die Veränderung? |
| Änderungsmanagement | Einzelne technische Änderungen an Produkten, Dokumenten oder IT-Systemen | Wer prüft und genehmigt die Änderung? |
| Transformationsmanagement | Umfassender, langfristiger Umbau eines Unternehmens | Wie steuern wir viele Veränderungsvorhaben gleichzeitig? |
Veränderungsmanagement verbindet damit eine organisatorische Ebene (Ziele, Planung, Kommunikation) mit einer individuellen Ebene: Jeder Einzelne muss die Veränderung verstehen, sie mittragen wollen und sie im Alltag umsetzen können.
Welcher Zusammenhang besteht zwischen Veränderungsmanagement und digitaler Transformation?
Unternehmen sind heute ständig wechselnden Rahmenbedingungen und wachsendem Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Umso weniger können sie es sich leisten, Veränderungsprojekte zu gefährden.
Ob ein Prozess verändert werden soll oder ob im Rahmen der digitalen Transformation neue Tools eingeführt oder auf einen neuen Stand gebracht werden sollen: Veränderungsmanagement ist für alle Neuerungen im Unternehmen unverzichtbar.
Beispiel: Einführung eines neuen digitalen Tools ohne Veränderungsmanagement
Nachdem das neue Tool installiert ist, haben einige Anwender vermutlich Mühe, es richtig zu bedienen. Dabei kann es vorkommen, dass sie das Tool falsch einsetzen oder sogar ganz ignorieren.
Mit Veränderungsmanagement unterstützt man die Beschäftigten dabei, dieses Tool und die damit verbundenen Änderungen zu akzeptieren und in ihren Arbeitsalltag zu integrieren.
Viele Menschen erleben Veränderungen zunächst als Verunsicherung und brauchen deshalb Begleitung, damit sie den Wandel nicht als Bruch empfinden. Veränderungsmanagement (engl. Change Management) erleichtert die Übergangsphase und hilft dabei, eine Veränderung dauerhaft zu verankern.
Veränderungsmanagement und digitale Tools
Für eine gelungene Einführung neuer Tools im Rahmen der digitalen Transformation ist Veränderungsmanagement zwingend notwendig.
Ohne Unterstützung durch Change-Management kann es vorkommen, dass Mitarbeiter die Anwendung der neuen Hilfsmittel ablehnen. Nutzen sie die Anwendung ohne ausreichende Einarbeitung, benötigen sie zudem oft übermäßig viel Unterstützung durch den IT-Support.
Mithilfe von Veränderungsmanagement bekommen Mitarbeiter ein besseres Verständnis für neue Softwareversionen und können auf diese Weise die digitalen Tools besser nutzen.
Wen betrifft Veränderungsmanagement?
Alle Akteure eines Unternehmens sind von Veränderungsmanagement betroffen, sofern eine Neuerung im Arbeitsalltag bevorsteht.
Dabei wirkt sich Veränderungsmanagement auf zwei verschiedenen Ebenen aus:
- auf Makroebene, d. h. auf Ebene des gesamten Unternehmens;
- auf Mikroebene, d. h. auf Ebene jedes einzelnen Mitarbeiters.
Wenn die Arbeitnehmer während eines Veränderungsprozesses unterstützt werden und die Neuerung annehmen, kann das Unternehmen die im Rahmen dieses Prozesses gesteckten Ziele erreichen.
Eine Veränderung lässt sich nie nur auf einer der beiden Ebenen umsetzen. Daher muss Veränderungsmanagement sowohl die Bedürfnisse der einzelnen Mitarbeiter als auch die des Unternehmens berücksichtigen.
Welche Phasen umfasst Veränderungsmanagement?
Im Rahmen des Veränderungsmanagements gibt es zwei zentrale Begriffe: Unterstützung und Kommunikation. Nachfolgend erhalten Sie einen Überblick über die vier wesentlichen Phasen des Veränderungsmanagements:
1. Eine Bestandsaufnahme erstellen.
Durch die Erstellung einer Erstdiagnose und einer Situationsanalyse kann man in der Folge die Ziele besser im Auge behalten. In dieser Phase sollte man beispielsweise:
- die Bedürfnisse aller Nutzer identifizieren (jeder erlebt eine Veränderung anders);
- die erwarteten Ergebnisse definieren;
- mögliche Risiken in Betracht ziehen;
- die wichtigsten Akteure bestimmen.
2. Die Veränderung kommunizieren.
Kommunikation ist ein wesentlicher Faktor, sowohl bei der Ankündigung einer Veränderung als auch bei ihrer Umsetzung, um die Mitarbeiter auf diese Weise einzubinden. Sind die Beteiligten nämlich nicht über die Veränderung auf dem Laufenden, können sie diese auch nicht im Tagesgeschäft umsetzen.
3. Die Mitarbeiter unterstützen.
Werden die Mitarbeiter während des Übergangs durch konkrete Schulungsmaßnahmen begleitet, sind sie nicht sich selbst überlassen. Diese Phase muss auf die individuellen Bedürfnisse jedes Einzelnen abgestimmt sein, damit jeder die Veränderung umfassend versteht. Learning by Doing ist beispielsweise eine sinnvolle Lernmethode im Rahmen eines langfristigen Veränderungsmanagements.
4. Die Auswirkungen ermitteln.
Eine Analyse der erzielten Erfolge und der zu verbessernden Punkte hilft dabei, die Maßnahmen des Veränderungsmanagements für zukünftige Umgestaltungen zu verbessern.
Veränderungsmanagement unterstützt die Mitarbeiter in einer Zeit, in der es zu Schwierigkeiten kommen kann. Mit Gewohnheiten zu brechen, fällt vielen Menschen schwer. Eine klare und schrittweise Planung und Umsetzung dieser Unterstützung erleichtert den Übergang jedoch erheblich.
Worin liegen die Herausforderungen?
Die größte Herausforderung und zugleich das Ziel des Veränderungsmanagements bestehen darin, den Widerstand der Mitarbeiter gegen Veränderungen zu verringern.
Viele Veränderungsprozesse scheitern weniger an der Technik als am Widerstand der Betroffenen.McKinsey
Durch gezielte Unterstützung und ausreichende Kommunikation sind die Mitarbeiter in der Lage, Veränderungen in ihren Arbeitsalltag zu integrieren, ohne Widerstand zu zeigen.
Begleitet das Unternehmen die Beschäftigten individuell durch den Wandel, kann es ihnen den Nutzen einer Neuerung verständlich machen und so internen Widerständen entgegenwirken.
Was ist die Veränderungsformel?
Ein bekanntes Hilfsmittel, um Widerstände frühzeitig einzuschätzen, ist die Veränderungsformel (engl. Formula for Change). Sie geht auf David Gleicher zurück und wurde durch Richard Beckhard und Reuben T. Harris bekannt (Value Based Management). Sie lautet: D × V × F > R.
- Unzufriedenheit (Dissatisfaction): Die Beteiligten erkennen, dass der heutige Zustand nicht mehr genügt.
- Vision: Es gibt ein klares, attraktives Zielbild.
- Erste Schritte (First Steps): Konkrete, machbare Maßnahmen zeigen, wie der Weg beginnt.
Die drei Faktoren werden multipliziert: Fehlt einer von ihnen, ist das Produkt null, und der Widerstand (Resistance) überwiegt. Für die Praxis heißt das: Bei einer Software-Einführung genügt eine überzeugende Vision nicht, wenn die Mitarbeitenden nicht wissen, wie sie die ersten Vorgänge im neuen System erledigen.
Dass sich systematisches Veränderungsmanagement auszahlt, zeigen die Studien von Prosci: Projekte mit hervorragendem Change Management erreichen ihre Ziele mit etwa siebenmal höherer Wahrscheinlichkeit als Projekte mit schwachem Change Management (Prosci).
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter Veränderungsmanagement?
Unter Veränderungsmanagement versteht man alle geplanten Aufgaben, Maßnahmen und Methoden, mit denen ein Unternehmen Veränderungen von Strategien, Strukturen, Prozessen oder Systemen vorbereitet, umsetzt und verankert. Der englische Begriff lautet Change Management. Im Mittelpunkt stehen die betroffenen Menschen: Sie sollen den Sinn der Veränderung verstehen, die neuen Arbeitsweisen beherrschen und dauerhaft anwenden.
Welche Methoden gibt es im Veränderungsmanagement?
Zu den bekanntesten Methoden im Veränderungsmanagement gehören das Drei-Phasen-Modell von Kurt Lewin (Auftauen, Verändern, Wiedereinfrieren), das ADKAR-Modell von Prosci mit Fokus auf den einzelnen Mitarbeitenden und das 8-Stufen-Modell von John P. Kotter. Ergänzend werden Instrumente wie Stakeholderanalyse, Kraftfeldanalyse oder Kommunikationspläne eingesetzt. Einen Überblick bietet unser Artikel zu den wichtigsten Methoden des Veränderungsmanagements.
Was macht ein Veränderungsmanager?
Ein Veränderungsmanager (Change Manager) plant und steuert Veränderungsvorhaben aus Sicht der betroffenen Menschen. Er analysiert, wer betroffen ist, entwickelt Kommunikations- und Schulungsmaßnahmen, bindet Führungskräfte ein, erkennt Widerstände frühzeitig und prüft, ob die Veränderung im Alltag ankommt. Dabei arbeitet er eng mit der Projektleitung, der Personalabteilung und internen Change Agents zusammen.
Was sind die 7 Phasen des Veränderungsmanagements?
Die sieben Phasen beschreiben, wie Menschen eine Veränderung emotional verarbeiten. Das bekannte Modell nach Richard K. Streich unterscheidet Schock, Verneinung, rationale Einsicht, emotionale Akzeptanz, Ausprobieren, Erkenntnis und Integration. Veränderungsmanagement nutzt diese Phasen, um Kommunikation und Unterstützung an den jeweiligen Stand der Beschäftigten anzupassen, etwa mit klaren Informationen in der Schockphase und Schulungen beim Ausprobieren.
Warum ist Veränderungsmanagement bei der Einführung neuer Software wichtig?
Bei der Einführung neuer Software entscheidet die tatsächliche Nutzung über den Erfolg. Ohne Veränderungsmanagement greifen Mitarbeitende auf alte Abläufe zurück, nutzen Funktionen falsch oder überlasten den Support. Gezielte Kommunikation, rollenbezogene Schulungen und Hilfe direkt in der Anwendung sorgen dafür, dass neue Systeme akzeptiert und produktiv genutzt werden. Dieses Zusammenspiel wird auch als digitale Adoption bezeichnet.