E-Learning: Definition, Formen, Vor- und Nachteile

Was ist E-Learning? Definition, Geschichte und Formen des digitalen Lernens sowie die wichtigsten Vor- und Nachteile von E-Learning im Unternehmen.

Von Marielle Gantenberg
8 Min. Lesezeit

E-Learning (Electronic Learning) bezeichnet alle Formen des Lernens, bei denen digitale Medien eingesetzt werden, um Lerninhalte bereitzustellen und die Kommunikation zwischen Lernenden und Lehrenden zu unterstützen, etwa Onlinekurse, Web-Based-Trainings, Webinare oder Lern-Apps. So lässt sich weitgehend zeit- und ortsunabhängig lernen. Im Unternehmen wird E-Learning vor allem für Weiterbildung, Onboarding und Pflichtschulungen genutzt.

Das Wichtigste in Kürze

  • E-Learning umfasst alle Formen des Lernens mit digitalen Medien, von Onlinekursen über Webinare bis zu Lern-Apps.
  • Die Wurzeln reichen bis zum Fernunterricht des 18. Jahrhunderts; verbreitet hat sich E-Learning mit Computer und Internet.
  • Zu den Vorteilen zählen Flexibilität, Skalierbarkeit und geringere Reise- und Raumkosten.
  • Nachteile sind vor allem hohe Anforderungen an die Selbstdisziplin, weniger persönlicher Austausch und ein oft schwieriger Transfer in die Praxis.

Was ist E-Learning?

E-Learning ist eine Alternative zu Präsenzschulungen, die flexibler ist und das Lernen grundlegend verändert hat. Durch Onlinekurse kann sich jeder im eigenen Rhythmus, orts- und zeitunabhängig weiterbilden. Egal, ob es darum geht, sich neues Wissen anzueignen oder sich beruflich neu zu orientieren, E-Learning lässt sich für sehr unterschiedliche Zielgruppen und Lernziele einsetzen.

Entstehung und Ausbreitung von E-Learning

Dabei ist diese Lernmethode älter, als man vermuten mag, denn die Anfänge von E-Learning gehen ins 18. Jahrhundert zurück. 1728 bot Caleb Phillips in Boston bereits Fernunterricht an. Die Schüler erhielten damals jede Woche den Unterrichtsstoff per Post zugeschickt.

1924 erfand Professor Sidney L. Pressey eine der ersten Lernmaschinen. Es handelte sich dabei um ein mechanisches Gerät, das Multiple-Choice-Fragen stellte und die Antworten der Lernenden zählte. Das Gerät setzte sich jedoch nicht durch. Populär wurde E-Learning aber erst mit der Verbreitung von Personal Computern und Internet in den 1990er- und 2000er-Jahren. Um 2012 erhielt diese Lernmethode dann mit dem Aufkommen der MOOCs neuen Aufschwung.

Die Technologie hinter E-Learning

E-Learning setzt verschiedene digitale Technologien ein und stützt sich auf Hilfsmittel wie Smartphones, Tablets und Computer. Bei der Erstellung von E-Learning-Kursen werden pädagogische Inhalte und interaktive Module kombiniert. Videos, Quiz oder Diskussionsforen sind heute aus dem computergestützten Lernen nicht mehr wegzudenken.

Die Vorteile von E-Learning

Die Zeiten, in denen Unterrichtsstoff ausschließlich im Klassenzimmer vermittelt wurde, sind vorbei. Ob für Schule, Beruf oder einfach aus Neugier: E-Learning-Schulungen eröffnen ganz neue Perspektiven für die Aneignung von Wissen.

Flexibilität und Zugänglichkeit

Beim Fernunterricht sind Lernende sehr flexibel, denn Onlinekurse sind überall zugänglich: zu Hause, im Büro, unterwegs, sogar im Ausland. Jeder Lernende kann sich sein Lernpensum je nach Zeit und Lust einteilen. Vor allem für die berufliche Weiterbildung ist die Flexibilität, die E-Learning bietet, ein großer Vorteil.

Niedrigere Weiterbildungskosten

Virtuelle Klassenzimmer helfen dabei, die Kosten gegenüber klassischen Schulungen zu senken, da weder Mietkosten für Schulungsräume noch Reisekosten anfallen. Die Unterrichtsmaterialien sind komplett im Internet verfügbar. Onlineschulungen erfordern in der Regel nur wenig „Hardware“. Abgesehen von einer Internetverbindung reichen ein Tablet, ein Smartphone oder ein Computer aus.

Individuelles Lernumfeld

Beim E-Learning hat der Lernende die Möglichkeit, sich das Lernumfeld selbst auszusuchen und an seine persönlichen Umstände anzupassen. Da sich jeder einen Rahmen schaffen kann, in dem er sich am besten konzentrieren kann, lernen viele Menschen effizienter. Diese Flexibilität und der ungehinderte Zugang zum Lernstoff machen die Lernenden unabhängig und fördern das eigenständige, selbstverantwortliche Lernen. Berufs- und Privatleben lassen sich so besser aufeinander abstimmen.

Welche Nachteile hat E-Learning?

So groß die Vorteile sind: E-Learning ist kein Selbstläufer. Wer digitale Lernangebote im Unternehmen einführt, sollte die typischen Schwächen kennen:

  • Hohe Anforderungen an die Selbstdisziplin: Ohne feste Termine und Lerngruppe werden Kurse leicht abgebrochen, vor allem wenn sie neben dem Tagesgeschäft absolviert werden müssen.
  • Weniger persönlicher Austausch: Rückfragen, Diskussionen und spontanes Feedback der Lehrenden fallen in reinen Selbstlernkursen weg.
  • Technische Voraussetzungen: Endgeräte, eine stabile Internetverbindung und eine Lernplattform müssen vorhanden sein und funktionieren.
  • Aufwand für die Erstellung: Gute interaktive Inhalte zu produzieren und aktuell zu halten, kostet Zeit und Budget.
  • Schwieriger Praxistransfer: Was in einem allgemeinen Kurs gelernt wurde, lässt sich nicht immer direkt auf die eigenen Arbeitsabläufe übertragen, besonders bei Software, die sich regelmäßig ändert.

Viele Unternehmen gleichen diese Schwächen aus, indem sie E-Learning mit Präsenzphasen kombinieren, Lerninhalte in kurze Einheiten aufteilen und Unterstützung direkt am Arbeitsplatz anbieten, also dort, wo das Gelernte angewendet wird.

E-Learning, MOOC, Digital Learning, Blended Learning: Was unterscheidet diese Methoden?

Durch die Ausbreitung der Digitaltechnik sind ganz neue Möglichkeiten der Wissensvermittlung entstanden; die Art zu lernen hat sich grundlegend verändert. Unter MOOC (Massive Open Online Course) versteht man eine Art des E-Learnings, die allen offensteht. Durch strukturierte Onlinekurse kann jeder spezifische Kenntnisse in verschiedenen Bereichen erwerben. MOOCs werden vorwiegend in der Erwachsenen- und Hochschulbildung eingesetzt und nutzen verschiedene Formen der Wissensvermittlung – von interaktiven Videos bis hin zu virtuellen Lerngruppen – für eine flexible Onlineausbildung.

Blended Learning ist dagegen eine Kombination aus E-Learning und Präsenzunterricht. Der Lernende wechselt zwischen Onlinekursen, die in der Regel durch zusätzliche Wissensressourcen ergänzt werden, und Kursen mit einem Ausbilder vor Ort. Dieses hybride System kombiniert den persönlichen Austausch im Rahmen von Präsenzmodulen mit selbstständigem Lernen, das durch die Informationstechnologie ermöglicht wird. Das kann die Wissensaufnahme verbessern.

Digital Learning ist quasi eine natürliche Weiterentwicklung dieser Modelle und integriert immer innovativere Technologien und digitale Tools in die Lernprozesse. Dabei werden MOOCs, Blended Learning und andere interaktive Hilfsmittel genutzt, sodass die Wissensvermittlung ganz auf die Lernenden zugeschnitten werden kann. Durch technologische Innovationen können heute immer individuellere Ausbildungsmodule erstellt werden. Das Ergebnis ist eine auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnittene und damit effizientere Kompetenzentwicklung.

Synchrones und asynchrones E-Learning: Welche Formate gibt es?

E-Learning lässt sich zunächst danach unterscheiden, ob Lernende und Lehrende gleichzeitig online sind:

  • Synchrones E-Learning: Alle Beteiligten lernen zur selben Zeit, etwa in Webinaren oder virtuellen Klassenzimmern. Fragen lassen sich direkt klären, dafür sind feste Termine nötig.
  • Asynchrones E-Learning: Lernende rufen Inhalte ab, wann es ihnen passt, zum Beispiel Lernvideos, Lern-Apps oder Web-Based-Trainings. Das ist besonders flexibel, verlangt aber mehr Eigenmotivation.

In der Praxis werden beide Varianten häufig kombiniert: Ein Webinar führt in ein Thema ein, Selbstlernmodule vertiefen es, und eine Fragerunde klärt offene Punkte. Zu den gängigen Formaten gehören außerdem:

  • Computer-Based-Training (CBT): lokal installierte Lernprogramme, die Vorläufer heutiger Onlinekurse.
  • Web-Based-Training (WBT): interaktive Lernmodule im Browser, meist über eine Lernplattform bereitgestellt.
  • Lernmanagementsysteme (LMS): Plattformen, über die Unternehmen Kurse verwalten, zuweisen und Lernfortschritte dokumentieren.
  • Mobile Learning: kurze Lerneinheiten für Smartphone und Tablet.

Die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt E-Learning entsprechend als Spektrum, das von reinen Onlinekursen bis zu Kombinationen aus Online- und Präsenzmodulen reicht.

Welche anderen Formen von E-Learning gibt es?

E-Learning entwickelt sich stetig weiter. Dabei entstehen immer wieder neue Ansätze, um das Lernen noch interaktiver und effizienter zu machen. Einige Beispiele:

  • Social Learning: Dabei werden das Teilen von Informationen und die Zusammenarbeit zwischen Lernenden gefördert. Austausch und Interaktionen unterstützen die Verarbeitung und das Abspeichern des vermittelten Wissens.
  • Microlearning: Mikrolernen besteht aus kurzen, ganz gezielten Lerneinheiten, die oftmals direkt auf dem Smartphone abgerufen werden. In wenigen Minuten verinnerlicht der Lernende einen bestimmten Lerninhalt. Lernen wird dadurch schneller und effizienter.
  • Serious Games: Serious Games sind eine Mischung aus Pädagogik und Unterhaltung. Interaktive Spiele, Videos und Simulationen sollen die Motivation steigern und Lehrstoff auf spielerische Art vermitteln.

Erweiterte Realität (Augmented Reality) und virtuelle Realität (Virtual Reality) setzen sich ebenfalls als immersive Lernhilfsmittel durch und werden immer beliebter. Sie bieten ansprechende Lernerfahrungen, bei denen der Lernende in ein interaktives Umfeld eintaucht und unter nahezu realen Bedingungen trainiert.

Trotz der innovativen Möglichkeiten hat E-Learning nach wie vor seine Grenzen. Dessen sollten Sie sich bewusst sein und Ihr didaktisches Konzept entsprechend ausrichten. Lesen Sie mehr darüber, wo die Grenzen von E-Learning liegen und welche Alternativen es gibt, um optimale Fortbildungsmaßnahmen zu gestalten.

Häufig gestellte Fragen

Wie schreibt man E-Learning richtig?

Laut Duden schreibt man „E-Learning“ mit großem E, Bindestrich und großem L. Schreibweisen wie „e-learning“, „Elearning“ oder „eLearning“ sind zwar verbreitet, entsprechen aber nicht der Duden-Schreibweise. Zusammensetzungen werden mit Bindestrichen gekoppelt: E-Learning-Kurs, E-Learning-Plattform oder E-Learning-Angebot. Dasselbe gilt für verwandte Begriffe wie E-Mail oder E-Book, die ebenfalls mit großem E und Bindestrich geschrieben werden.

Welche Inhalte eignen sich für E-Learning?

Für E-Learning eignen sich vor allem Inhalte, die sich gut strukturieren und wiederholen lassen: Fachwissen, Produktwissen, Pflichtschulungen wie Datenschutz oder Arbeitssicherheit sowie die Grundlagen der Bedienung von Software. Weniger geeignet sind Themen, die viel persönlichen Austausch erfordern, etwa Führung oder Konfliktlösung. Sie werden oft im Blended-Learning-Format mit Präsenzanteilen vermittelt.

Was ist eine E-Learning-Plattform?

Eine E-Learning-Plattform ist eine Software, über die digitale Lerninhalte bereitgestellt, organisiert und ausgewertet werden. Im Unternehmen handelt es sich meist um ein Learning Management System (LMS), das Kurse zuweist, Lernfortschritte dokumentiert und Zertifikate verwaltet. Ergänzend gibt es Learning Experience Platforms (LXP), die Inhalte personalisiert empfehlen. Mehr dazu in unserem Vergleich LXP vs. LMS.

Wie setzen Unternehmen E-Learning ein?

Unternehmen setzen E-Learning vor allem für das Onboarding neuer Mitarbeitender, Pflicht- und Compliance-Schulungen, Produktschulungen sowie die Einführung neuer Software ein. Der Vorteil: Inhalte lassen sich standortübergreifend und in mehreren Sprachen ausrollen. Für Softwareschulungen werden E-Learning-Module zunehmend durch Simulationen und Hilfen direkt in der Anwendung ergänzt, wie unser Beitrag zum E-Training zeigt.

Seit wann gibt es E-Learning?

Die Idee des Fernlernens ist alt: Schon 1728 bot Caleb Phillips in Boston Unterricht per Post an. In den 1920er-Jahren entwickelte der Psychologe Sidney L. Pressey eine mechanische Lernmaschine mit Multiple-Choice-Fragen. E-Learning im heutigen Sinn verbreitete sich mit Personal Computern und Internet ab den 1990er-Jahren; um 2012 gaben die MOOCs dem Online-Lernen weiteren Auftrieb.

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