Das ADDIE-Modell ist ein Vorgehensmodell für die systematische Entwicklung von Schulungen und Lernangeboten (Instruktionsdesign). Der Name steht für die fünf Phasen Analysis, Design, Development, Implementation und Evaluation, auf Deutsch Analyse, Design, Entwicklung, Implementierung und Evaluation. Das Modell geht auf ein Verfahren zurück, das 1975 an der Florida State University im Auftrag der US-Armee entwickelt wurde.
Das Wichtigste in Kürze
- Das ADDIE-Modell gliedert die Entwicklung von Schulungen in fünf Phasen: Analyse, Design, Entwicklung, Implementierung und Evaluation.
- Es geht auf ein Verfahren zurück, das 1975 an der Florida State University im Auftrag der US-Armee entstand; das Akronym ADDIE selbst hat keinen eindeutigen Urheber.
- Seine Stärken sind Struktur und Nachvollziehbarkeit; bei strenger Anwendung ist das Vorgehen jedoch sehr linear, und Feedback kommt spät.
- Als agile Alternative gilt das Successive Approximation Model (SAM) von Michael Allen, das mit Prototypen und kurzen Zyklen arbeitet.
Was versteht man unter dem ADDIE-Modell?
ADDIE ist ein Akronym für die englischen Begriffe Analysis, Design, Development, Implementation und Evaluation. Es handelt sich dabei um einen sequenziellen Rahmen für Instruktionsdesign. In Kombination mit SMART-Zielen – das heißt Zielen, die spezifisch (specific), messbar (measurable), erreichbar (achievable), relevant (relevant) und zeitgebunden (time-bound) sind – bietet es einen integrierten Ansatz für das Lernen. Das Modell eignet sich für die Entwicklung unterschiedlichster Lernangebote: E-Learning, Präsenzschulungen, Blended Learning, Einzel- oder Gruppenkurse usw. Ziel des Prozesses sind ein hoher Lernerfolg und zugleich planbare Projektkosten.
Wer hat das ADDIE-Modell entwickelt?
Das ADDIE-Modell geht auf die „Interservice Procedures for Instructional Systems Development“ (IPISD) zurück. Ein Team um Robert K. Branson am Center for Educational Technology der Florida State University entwickelte dieses Verfahren 1975 im Auftrag des Combat Arms Training Board der US-Armee; wie der Name „Interservice“ andeutet, sollte es für mehrere US-Teilstreitkräfte gemeinsam gelten (Branson et al., 1975). Ziel war ein einheitliches Vorgehen für die Entwicklung militärischer Ausbildungsgänge.
Das ursprüngliche Modell umfasste fünf Phasen: Analyze, Design, Develop, Implement und Control. In der heute verbreiteten Form steht an letzter Stelle „Evaluate“. Das Akronym ADDIE selbst hat nach den Recherchen des Instruktionsdesign-Forschers Michael Molenda keinen eindeutigen Urheber: Es verbreitete sich informell als Sammelbegriff für den systematischen Ansatz des Instructional Systems Design (ISD). Molenda betont außerdem, dass die Phasen in der Praxis zwar nacheinander, aber durchaus iterativ durchlaufen werden. Das ADDIE-Modell ist damit weniger eine feste Methode als ein Rahmen, den Organisationen an ihre Projekte anpassen.
Die 5 Phasen des ADDIE-Modells
Das ADDIE-Modell ergänzt die klassischen Tools für Veränderungsmanagement, wenn es darum geht, personalisierte Fortbildungsangebote umzusetzen. Es basiert darauf, verschiedene Kernelemente (Lernziele, Profile der Lernenden, geeignete Lernmethoden) sorgfältig zu analysieren.
Analyse
In diesem ersten Schritt wird der Fortbildungsbedarf umfassend erfasst. Das Entwicklungsteam identifiziert, welche Qualifikationen am Ende vorhanden sein sollen und auf welche Weise diese bewertet werden. Die Merkmale der Zielgruppe, für die das E-Learning-Modul oder die Präsenzschulung bestimmt ist, werden analysiert. So stellt das ADDIE-Modell sicher, dass Fortbildungen am tatsächlich vorhandenen Ausbildungsbedarf ausgerichtet sind. In diesem Schritt legt der Instruktionsdesigner auch die verfügbaren Ressourcen wie Budget und Zeitaufwand für das Projekt fest.
Design (Konzept)
Im Anschluss erstellt der Instruktionsdesigner ein Pflichtenheft für das Weiterbildungsprojekt, indem er den zuvor erkannten Qualifikationsbedarf in SMART-Lernziele umwandelt. Am Ende der Phase liegt ein Grobentwurf vor, der festlegt, wie das benötigte Wissen den Lernenden vermittelt werden soll. Das Pflichtenheft enthält:
- die Lernstrategien,
- den Zeitrahmen und die Struktur der Fortbildung,
- die wirksamsten Lernmethoden (Coaching, Tutorium, Rollenspiel, Simulation etc.).
Der Instruktionsdesigner bestimmt die geeigneten Lernmaterialien und den organisatorischen Ablauf des Lernprozesses.
Wenn beispielsweise eine Unternehmenssoftware eingeführt werden soll, könnte sich das Ausbildungsteam für eine Digital-Adoption-Lösung entscheiden. Durch interaktive Anleitungen, einen KI-Assistenten und Tooltips findet der Anwender jederzeit und im Handumdrehen die benötigten Informationen für den Umgang mit der Software. So arbeiten die Mitarbeiter durch die praktische Anwendung im Tagesgeschäft schnell selbstständig mit der Software.
Development (Entwicklung)
In der Entwicklungsphase werden nun die zuvor bestimmten Lerninhalte konkret erstellt: Kursunterlagen, digitale Lernwerkzeuge, Lernmedien usw. Sind diese Lernunterlagen bereits vorhanden, muss der Ausbilder sie hinsichtlich ihrer Relevanz für die gewünschten Qualifikationen prüfen und gegebenenfalls aktualisieren. Bei umfangreichen E-Learning-Projekten ist es sinnvoll, die digitalen Lerntools von erfahrenen Spezialisten entwickeln zu lassen. Ein Beispiel sind interaktive Anleitungen, die mit einer Digital-Adoption-Lösung direkt in der Anwendung erstellt werden.
Implementation (Einführung)
Die Implementierungsphase im Rahmen des ADDIE-Modells umfasst die Bereitstellung der Weiterbildungsmaßnahme in der Praxis. Die Lernenden erhalten nun Zugang zu den entwickelten Lerninhalten. Das kann zum Beispiel die Teilnahme an einer Präsenzschulung, der Zugriff auf E-Learning-Module oder eine Mischung aus beidem (Blended Learning) sein. Das Fortbildungsteam muss nun die Logistik des Angebots organisieren, mit den Lernenden kommunizieren und beobachten, wie gut die Zielgruppe mit dem Lernangebot zurechtkommt.
Evaluation
In der letzten Phase analysieren Sie Effizienz, Relevanz und Qualität des umgesetzten Lernprozesses. Führen Sie eine Umfrage durch, um Rückmeldungen der Lernenden über ihre Erfahrungen zu erhalten. Auf diese Weise bewerten Sie den Erfolg der Maßnahme und erkennen gleichzeitig Verbesserungsmöglichkeiten. Die Analyse des Instruktionsdesigns muss auch mögliche Abweichungen zwischen Budgetvorgaben und den tatsächlich angefallenen Kosten ermitteln. Ab der Designphase können Sie im Rahmen des ADDIE-Prozesses in jeder Phase eine Bewertung durchführen und notwendige Anpassungen vornehmen, bevor Sie den nächsten Schritt in Angriff nehmen.
Vorteile und Grenzen des ADDIE-Modells
Die größten Vorteile des ADDIE-Modells für das Instruktionsdesign bestehen darin, dass es strukturiert, einfach umzusetzen und klar auf SMART-Lernziele ausgerichtet ist. Vor allem erfahrene Spezialisten können es als wichtiges Hilfsmittel im Rahmen des Veränderungsmanagements einer Organisation nutzen. Der Erfolg dieses Modells steht und fällt zum großen Teil mit der Qualität der Analyse, die im ersten Schritt durchgeführt wird. Durch die lineare Vorgehensweise ist das ADDIE-Modell allerdings bei strenger Anwendung ein recht starrer Prozess, vor allem im Vergleich zu neueren Modellen für Instruktionsdesign, die in der Regel auf einem agileren Vorgehen basieren.
Mithilfe des einfach umzusetzenden ADDIE-Modells können Sie zielgerichtete, effiziente und maßgeschneiderte Weiterbildungsprogramme entwickeln. Das Team von Knowmore hilft Ihnen gerne bei der Prüfung, inwiefern eine Digital Adoption Platform diesen Ansatz für Instruktionsdesign unterstützen kann.
ADDIE oder SAM: Welches Modell passt zu Ihrem Projekt?
Die häufigste Kritik am ADDIE-Modell lautet, dass es zu linear sei: Wird es streng nach dem Wasserfallprinzip angewendet, sehen Lernende und Fachbereiche das Ergebnis erst spät, und Korrekturen werden teuer. Hinzu kommt ein hoher Dokumentationsaufwand. Als agile Alternative hat Michael Allen 2012 das Successive Approximation Model (SAM) vorgestellt (Allen, „Leaving ADDIE for SAM“). Es beginnt mit einem kurzen gemeinsamen Workshop, dem „Savvy Start“, und entwickelt das Lernangebot anschließend in mehreren Zyklen aus Entwurf, Prototyp und Überprüfung.
| Kriterium | ADDIE | SAM |
|---|---|---|
| Vorgehen | fünf aufeinanderfolgende Phasen | kurze, sich wiederholende Zyklen |
| Feedback | vor allem in der Evaluationsphase | laufend anhand von Prototypen |
| Geeignet für | große, gut planbare Programme, z. B. Pflichtschulungen | Projekte mit unklaren oder sich ändernden Anforderungen |
Beide Ansätze schließen sich nicht aus: Sie können die Struktur von ADDIE beibehalten und innerhalb der Design- und Entwicklungsphase iterativ mit Prototypen und Rückmeldungen der Zielgruppe arbeiten.
Häufig gestellte Fragen
Wofür steht die Abkürzung ADDIE?
ADDIE steht für die englischen Begriffe Analysis, Design, Development, Implementation und Evaluation. Auf Deutsch entspricht das den Phasen Analyse, Design (Konzeption), Entwicklung, Implementierung (Durchführung) und Evaluation (Bewertung). Das ADDIE-Modell beschreibt damit den gesamten Weg von der Bedarfsanalyse bis zur Erfolgskontrolle einer Schulung und gilt als Grundmodell des Instruktionsdesigns.
Ist das ADDIE-Modell agil?
Das ADDIE-Modell ist in seiner Grundform nicht agil, sondern phasenorientiert: Die Ergebnisse jeder Phase bilden die Grundlage für die nächste. Es lässt sich aber iterativ anwenden, etwa indem Zwischenergebnisse schon in der Design- und Entwicklungsphase mit Lernenden getestet werden. Wer von Anfang an in kurzen Zyklen mit Prototypen arbeiten möchte, greift eher zum Successive Approximation Model (SAM).
Wie hängen das ADDIE-Modell und das Kirkpatrick-Modell zusammen?
Das ADDIE-Modell beschreibt, wie eine Schulung entwickelt wird, das Kirkpatrick-Modell dagegen, wie ihr Erfolg gemessen wird. Dieses unterscheidet vier Ebenen: Reaktion, Lernen, Verhalten und Ergebnisse. Damit eignet es sich gut, um die Evaluationsphase von ADDIE zu strukturieren, zum Beispiel mit Teilnehmerbefragungen, Wissenstests, Beobachtungen am Arbeitsplatz und betrieblichen Kennzahlen.
Welche Alternativen zum ADDIE-Modell gibt es?
Neben dem agilen Successive Approximation Model (SAM) von Michael Allen gibt es weitere Modelle des Instruktionsdesigns, etwa das Dick-und-Carey-Modell, das die Entwicklung einer Schulung als System aufeinander abgestimmter Komponenten beschreibt, oder Merrills „First Principles of Instruction“. Welches Modell passt, hängt von Projektgröße, Zeitrahmen und der Stabilität der Anforderungen ab.
Wie wendet man das ADDIE-Modell bei einer Software-Einführung an?
Bei einer Software-Einführung ermittelt die Analysephase, welche Nutzergruppen welche Prozesse beherrschen müssen. Im Design werden Lernziele und Formate festgelegt, etwa Präsenzschulung, E-Learning oder Hilfen direkt in der Anwendung. Nach der Entwicklung der Inhalte folgt die Implementierung rund um den Go-live; anschließend prüft die Evaluation, ob die Software wie geplant genutzt wird.
Quellen
- Robert K. Branson et al. (Center for Educational Technology, Florida State University), „Interservice Procedures for Instructional Systems Development: Executive Summary and Model“, U.S. Army Combat Arms Training Board, August 1975
- Michael Molenda, „In Search of the Elusive ADDIE Model“, Performance Improvement 42(5), 2003 (Nachdruck 54(2), 2015)
- Michael Allen, „Leaving ADDIE for SAM: An Agile Model for Developing the Best Learning Experiences“, Association for Talent Development, 2012