Dick-und-Carey-Modell: die 10 Phasen des systematischen Instruktionsdesigns

Das Dick-und-Carey-Modell gliedert Instruktionsdesign in 10 Phasen. Lernen Sie Schritte, Vorteile, Grenzen und den Unterschied zum ADDIE-Modell kennen.

Von Marielle Gantenberg
9 Min. Lesezeit

Das Dick-und-Carey-Modell ist ein systemorientiertes Modell des Instruktionsdesigns. Walter Dick und Lou Carey stellten es 1978 in ihrem Lehrbuch „The Systematic Design of Instruction“ vor. Es gliedert die Entwicklung einer Schulung in zehn aufeinander abgestimmte Schritte – von der Bestimmung des Lehrziels über die formative Evaluation bis zur summativen Evaluation – und betrachtet Lernende, Inhalte, Methoden und Kontext als zusammenhängendes System.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Dick-und-Carey-Modell wurde 1978 von Walter Dick und Lou Carey veröffentlicht und liegt heute in der 9. Auflage vor (mit James O. Carey).
  • Es umfasst zehn Schritte: vom Lehrziel über Aufgaben- und Zielgruppenanalyse, Lernziele, Lernerfolgsmessung, Strategie und Materialien bis zur formativen und summativen Evaluation.
  • Seine Stärke ist die enge Abstimmung von Lernzielen, Prüfungen und Lernaktivitäten; sein Nachteil ist der hohe Zeit- und Ressourcenaufwand.
  • Für große, kritische Schulungsprogramme eignet es sich besser als für kleine Projekte, die schnell umgesetzt werden müssen – dort sind ADDIE oder SAM oft praktikabler.

Ein strukturiertes Weiterbildungsprogramm zu erarbeiten, kann Kopfzerbrechen bereiten. Ziele festlegen, Tools auswählen, die Erfolgskontrolle vorausplanen: Da kann man sich schnell verzetteln. Doch glücklicherweise gibt es Hilfsmittel wie das Dick-und-Carey-Modell. Dabei handelt es sich um eine methodische Vorgehensweise zur Entwicklung wirksamer Schulungskonzepte, die den Bedürfnissen der Lernenden entsprechen. Die zehn genau umrissenen Phasen bieten einen präzisen Rahmen, der dennoch Raum für Flexibilität lässt. In diesem Artikel erfahren Sie mehr über das Prinzip des Modells sowie über seine Vorteile und Hürden.

Was versteht man unter dem Dick-und-Carey-Modell?

Das Dick-und-Carey-Modell ist eine systematische Methode, die die Planung von Schulungen vereinfacht. Es wurde in den 1970er-Jahren von Walter Dick und Lou Carey entwickelt und gliedert die Entwicklung von Lernangeboten in zehn miteinander verknüpfte Phasen. Dahinter steht die Vorstellung, dass alle Elemente miteinander interagieren und so ein kohärentes Ganzes bilden. Schwerpunkte des Modells sind unter anderem eine Bedürfnisanalyse, messbare Ziele und passende Instrumente zur Lernerfolgsmessung.

Fachleute dieses Bereichs schätzen den Ansatz besonders wegen seines methodischen, schrittweisen Vorgehens. Die Möglichkeit, die Lernfortschritte während des ganzen Prozesses zu überprüfen und laufend Anpassungen vorzunehmen, sorgt dafür, dass die Schulungen auf einer soliden Grundlage stehen und Lernaktivitäten, Lernziele und Prüfungen aufeinander abgestimmt sind. Der Instruktionsdesigner, also der didaktische Experte, kann mit dem Dick-und-Carey-Modell eine strukturierte Lernumgebung schaffen, in der die Lernenden ihre Lernziele wirksam erreichen.

Die 10 Phasen des Dick-und-Carey-Modells

In der Praxis gliedert das Dick-und-Carey-Modell den Prozess in klare Teilschritte auf: von der Festlegung der Lernziele bis hin zur abschließenden Kontrolle. Weil alle relevanten Aspekte einbezogen werden, lassen sich die angestrebten Lernziele gezielter erreichen. Das Modell, im Englischen „Systems Approach Model for Designing Instruction“, umfasst folgende zehn Phasen:

  • Lehrziel bestimmen (Identify Instructional Goals)
  • Lernaufgabe analysieren und Teilkompetenzen ableiten (Conduct Instructional Analysis)
  • Lernende und Kontext analysieren (Analyze Learners and Contexts)
  • Feinlernziele formulieren (Write Performance Objectives)
  • Instrumente zur Lernerfolgsmessung entwickeln (Develop Assessment Instruments)
  • Instruktionsstrategie entwickeln (Develop Instructional Strategy)
  • Lernmaterialien entwickeln und auswählen (Develop and Select Instructional Materials)
  • Formative Evaluation planen und durchführen (Design and Conduct Formative Evaluation)
  • Schulung überarbeiten (Revise Instruction)
  • Summative Evaluation planen und durchführen (Design and Conduct Summative Evaluation)

Mit diesem schrittweisen Vorgehen werden alle Aspekte einer Fortbildung sorgfältig geplant, bevor diese umgesetzt wird. Das Dick-und-Carey-Modell ist im Gegensatz zu anderen Modellen für didaktische Konzepte detaillierter aufgebaut und basiert auf einer kontinuierlichen Überprüfung und wiederholten Anpassungen. Instruktionsdesigner können dadurch umfassende Kurse für die Lernenden entwickeln, zum Beispiel im Rahmen von E-Learning.

Was passiert in den einzelnen Phasen des Dick-und-Carey-Modells?

Die zehn Schritte stammen aus dem Lehrbuch „The Systematic Design of Instruction“, das seit 1978 regelmäßig neu aufgelegt wird, in den neueren Auflagen gemeinsam mit James O. Carey (Penn State Instructional Design Handbook). Jede Phase beantwortet eine konkrete Leitfrage und liefert ein Ergebnis, auf dem die nächste aufbaut:

PhaseLeitfrageErgebnis
1. Lehrziel bestimmenWas sollen die Lernenden nach der Schulung können?Übergeordnetes Lehrziel
2. Lernaufgabe analysierenWelche Teilschritte und Vorkenntnisse führen zum Ziel?Kompetenzhierarchie, Eingangsvoraussetzungen
3. Lernende und Kontext analysierenWer lernt wo und unter welchen Bedingungen?Zielgruppen- und Kontextprofil
4. Feinlernziele formulierenWoran ist erkennbar, dass ein Ziel erreicht ist?Messbare Lernziele
5. Lernerfolgsmessung entwickelnWie wird der Lernerfolg geprüft?Tests, Aufgaben, Checklisten
6. Instruktionsstrategie entwickelnWie werden Inhalte vermittelt, geübt und gefestigt?Didaktisches Konzept
7. Lernmaterialien entwickeln und auswählenWas wird neu erstellt, was übernommen?Kursunterlagen, E-Learning-Module
8. Formative EvaluationFunktioniert die Schulung mit Testlernenden?Liste der Schwachstellen
9. ÜberarbeitungWas muss in welcher Phase angepasst werden?Verbesserte Lerneinheit
10. Summative EvaluationErfüllt die fertige Schulung ihren Zweck?Entscheidung über den weiteren Einsatz

Die Schritte sind keine starre Abfolge: Die Ergebnisse der formativen Evaluation fließen in alle vorangegangenen Phasen zurück. Die summative Evaluation zählen Dick und Carey nicht mehr zum eigentlichen Designprozess. Sie findet nach der Einführung statt, häufig durch Personen außerhalb des Designteams.

Welche Vorteile bietet das Dick-und-Carey-Modell?

Abgesehen davon, dass alle Bestandteile des Fortbildungsprogramms logisch verknüpft sind, sorgt das Dick-und-Carey-Modell für einen schlüssigen Aufbau der Lerninhalte. Die Methode sorgt für eine enge Abstimmung zwischen den Lernzielen, den Lernmethoden sowie den Bewertungen. Da Lernende und Kontext eigens analysiert werden, lassen sich die Lernangebote gezielt auf die Zielgruppe zuschneiden. Vor allem für Onlinekurse, bei denen die Autonomie der Lernenden ein wichtiges Element ist, ist das von Vorteil.

Durch den strukturierten Ablauf des Modells ist es einfacher, Schwachstellen zu erkennen und gezielt zu beheben. Die Rückmeldungen der Zielgruppen werden analysiert, um die Unterrichtsmaterialien und Beurteilungsmethoden zu verbessern. Dadurch reduziert sich das Risiko von Fehlschlägen – ein positiver Faktor für die Rentabilität der Weiterbildungsmaßnahme. Das Modell eignet sich daher besonders für umfangreiche und komplexe Schulungsprojekte. Mit der methodischen Vorgehensweise lassen sich viele Vorhaben planen und durchführen. Es schafft gute Voraussetzungen dafür, dass sich die Zielgruppe das Wissen wirksam aneignet.

Mit welchen Hürden ist das Dick-und-Carey-Modell verbunden?

Die Umsetzung des Dick-und-Carey-Modells setzt von der anfänglichen Bedürfnisanalyse bis hin zur abschließenden Bewertung einen erheblichen Zeit- und Ressourcenaufwand voraus. Jeder Schritt muss gut dokumentiert und validiert werden, was den Prozess verlangsamen kann. Für Projekte, die Zeitzwängen unterworfen sind, kann dieser strenge methodische Rahmen eine echte Bremse sein. Zudem eignet sich der Ansatz nur bedingt für kleine Projekte.

Da das Dick-und-Carey-Modell komplex ist und alle Phasen des Prozesses gut beherrscht werden müssen, setzt es umfassendes Know-how im Instruktionsdesign voraus. Die Instruktionsdesigner müssen nicht nur die zugrunde liegenden Prinzipien in der Theorie verstehen, sondern sie in verschiedenen Lernsituationen umsetzen können. Das ist möglicherweise eine Hürde für Organisationen, die nicht über Mitarbeitende mit entsprechender Expertise verfügen. Lesen Sie einen Leitfaden über Instruktionsdesign, um mehr über gängige Modelle, zielführende Ansätze und typische Hürden zu erfahren – und vor allem darüber, wie Sie diese überwinden.

Eignet sich das Dick-und-Carey-Modell für Ihr Unternehmen?

Das Dick-und-Carey-Modell zeichnet sich durch ein detailliertes Prozedere und eine strenge Methodik aus. Das ADDIE-Modell (Analyse, Design, Development, Implementation und Evaluation) bietet dagegen einen flexibleren Rahmen. Es ist einfach umzusetzen und für unterschiedliche Projekte geeignet, vor allem, wenn sie schnell realisiert werden sollen. Das SAM-Modell (Successive Approximation Model) wiederum setzt auf schnelle Iterationen und Agilität. Berücksichtigen Sie für Ihre Entscheidung Faktoren wie die Komplexität des Projektes, Zeitzwänge, verfügbare Ressourcen und das Know-how der verantwortlichen Mitarbeitenden. Der Reifegrad des Unternehmens hinsichtlich Instruktionsdesign ist ein weiterer Parameter, den Sie einbeziehen sollten.

Dick-und-Carey-Modell oder ADDIE: Was ist der Unterschied?

Beide Modelle gehören zum systemorientierten Instruktionsdesign (Instructional Systems Design). ADDIE beschreibt fünf allgemeine Phasen, das Dick-und-Carey-Modell konkretisiert vor allem Analyse und Design deutlich genauer. Der wichtigste Unterschied liegt im Detaillierungsgrad, nicht in der Grundlogik.

KriteriumDick-und-Carey-ModellADDIE-Modell
Schritte105
SchwerpunktAbstimmung von Lernzielen, Lernerfolgsmessung und LernstrategieGesamtablauf von der Analyse bis zur Evaluation
EvaluationFormativ mit Testlernenden und summativ, klar getrenntIn jeder Phase möglich, abschließende Evaluation
AufwandHochMittel
Typischer EinsatzUmfangreiche, kritische SchulungsprogrammeBreites Spektrum, auch kleinere Projekte

In der Praxis werden die Modelle oft kombiniert. Walter Dick beschrieb bereits 1996, wie Organisationen das Modell für ihre eigenen Trainingsabteilungen angepasst haben (Educational Technology Research and Development). Bei der Schulung zu einer neuen Unternehmenssoftware, etwa bei einer ERP-Einführung, liefert das Dick-und-Carey-Modell die genaue Analyse der Aufgaben und Lernziele, während kurze Iterationen nach SAM helfen, die Lernmaterialien rasch an Änderungen der Anwendung anzupassen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist das Dick-und-Carey-Modell?

Das Dick-und-Carey-Modell ist ein systemorientiertes Modell des Instruktionsdesigns. Es beschreibt in zehn Schritten, wie eine Schulung von der Bestimmung des Lehrziels bis zur summativen Evaluation entwickelt wird. Alle Elemente – Lernende, Lernziele, Lernerfolgsmessung, Strategie, Materialien und Kontext – werden als zusammenhängendes System betrachtet und aufeinander abgestimmt.

Wer hat das Dick-und-Carey-Modell entwickelt?

Das Dick-und-Carey-Modell stammt von Walter Dick (Florida State University) und Lou Carey. Sie veröffentlichten es 1978 im Lehrbuch „The Systematic Design of Instruction“. In den neueren Auflagen ist James O. Carey Mitautor; die 9. Auflage erschien 2021 bei Pearson. Deshalb ist auch die Bezeichnung „Dick-Carey-Carey-Modell“ gebräuchlich.

Welche Schritte umfasst das Dick-und-Carey-Modell?

Das Dick-und-Carey-Modell umfasst zehn Schritte: Lehrziel bestimmen, Lernaufgabe analysieren, Lernende und Kontext analysieren, Feinlernziele formulieren, Instrumente zur Lernerfolgsmessung entwickeln, Instruktionsstrategie entwickeln, Lernmaterialien entwickeln und auswählen, formative Evaluation durchführen, die Schulung überarbeiten und schließlich die summative Evaluation durchführen. Die Ergebnisse der formativen Evaluation fließen dabei in alle vorherigen Schritte zurück.

Was ist der Unterschied zwischen formativer und summativer Evaluation im Dick-und-Carey-Modell?

Die formative Evaluation findet während der Entwicklung statt: Testlernende erproben die Schulung, damit Schwachstellen noch vor der Einführung behoben werden können. Die summative Evaluation erfolgt danach und prüft, ob die fertige Schulung ihren Zweck erfüllt. Im Dick-und-Carey-Modell gehört sie nicht mehr zum eigentlichen Designprozess und wird häufig von Personen außerhalb des Designteams durchgeführt.

Auf welcher Lerntheorie basiert das Dick-und-Carey-Modell?

Das Dick-und-Carey-Modell entstand in der Tradition des Instructional Systems Design, das von behavioristischen und kognitivistischen Ansätzen geprägt ist, etwa den Lernbedingungen nach Robert Gagné und den operationalisierten Lernzielen nach Robert Mager. Walter Dick beschrieb 1996, dass konstruktivistische Ideen in die damalige Neuauflage eingeflossen sind. Das Modell ist daher kein rein behavioristisches Schema.

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