Wer eine PLM-Software auswählen will, sollte sieben Kriterien prüfen: Branchenkompetenz, Integrationsfähigkeit in ERP-, CRM- und CAD-Systeme, Kernfunktionen, Benutzerfreundlichkeit, Skalierbarkeit und Flexibilität, Sicherheit und Compliance sowie die Gesamtbetriebskosten (TCO). Entscheidend ist, die Kriterien mit den eigenen Anforderungen und realistischen Testszenarien abzugleichen und die Akzeptanz der Anwender von Anfang an einzuplanen.
Das Wichtigste in Kürze
- Bei der Auswahl einer PLM-Software zählen sieben Kriterien: Branchenkompetenz, Integrationsfähigkeit, Kernfunktionen, Benutzerfreundlichkeit, Skalierbarkeit und Flexibilität, Sicherheit und Compliance sowie die Gesamtbetriebskosten (TCO).
- Eine nahtlose Anbindung an ERP-, CRM- und CAD-Systeme ist die Voraussetzung für konsistente Produktdaten im gesamten Unternehmen.
- Szenariobasierte Demos und ein Pilot mit echten Daten zeigen zuverlässiger als Standardpräsentationen, ob eine PLM-Lösung zu Ihren Prozessen passt.
- Je intuitiver die Software ist, desto geringer ist der Schulungsaufwand und desto schneller wird sie von den Anwendern akzeptiert.
Produktlebenszyklusmanagement ist ein strategischer Ansatz für Unternehmen, die innovativ bleiben, Kosten reduzieren und die Markteinführung neuer Produkte beschleunigen möchten. Es gibt eine große Anzahl an PLM-Lösungen (Product Lifecycle Management), sodass es manchmal nicht einfach ist, die beste Software zu finden. In diesem Artikel erfahren Sie, welche sieben Kriterien Ihnen helfen, das Tool zu finden, das Ihre Anforderungen optimal erfüllt.
Branchenkompetenz
Eine der grundlegendsten Fragen, die Sie sich vor der Entscheidung für eine PLM-Software stellen sollten, lautet: Lässt sich die Lösung an die branchenspezifischen Besonderheiten anpassen? Da jeder Industriezweig andere Anforderungen stellt, unterscheidet sich das Produktlebenszyklusmanagement von Sektor zu Sektor grundlegend. So stellt die Automobilindustrie beispielsweise ganz andere Anforderungen an das Product Lifecycle Management als der Flugzeugbau. Ein PLM-Tool muss sich in die Prozesse Ihres Unternehmens einbinden lassen – und zwar von der Entwicklung über die Fertigung bis hin zur Markteinführung. Diese Flexibilität ist die Voraussetzung für einen optimalen Produktlebenszyklus, niedrige Kosten und eine schnelle Markteinführung.
Passender Anwendungsfall: PLM-System einführen: Akzeptanz in allen Bereichen
Integrationsfähigkeit in bestehende Systeme
Damit eine PLM-Software reibungslos und effizient funktioniert, muss sie optimal in die bestehenden Systeme integriert werden. Eine nahtlose Verbindung zum ERP- oder CRM-System beziehungsweise zum CAD-System ist die Voraussetzung dafür, dass alle Informationen zentral gespeichert werden und die Zusammenarbeit der verschiedenen Abteilungen reibungslos funktioniert. Diese Einbindung gewährleistet nicht nur eine bessere Datenqualität, sondern erleichtert auch die Aktualisierung der Informationen in Echtzeit. Das reduziert Fehler und Inkonsistenzen. Eine PLM-Software, die gut in die bestehenden Tools integriert ist, hilft dabei, die Automatisierung der Prozesse voranzutreiben und monotone Routinetätigkeiten zu reduzieren.
Grundlegende Funktionen
Klären Sie vor der Entscheidung für eine PLM-Software unbedingt ab, welche Kernfunktionen sie bietet. Prüfen Sie dabei insbesondere folgende Funktionen:
- Datenmanagement in Echtzeit,
- Überwachung der Produktlebenszyklen,
- Automatisierung der Entwicklungsprozesse,
- Integration der Entwicklungstools,
- Überwachung der Termine bis zur Markteinführung.
Die ideale PLM-Lösung sollte sich umfassend konfigurieren und an die Erfordernisse Ihrer Branche anpassen lassen.
Benutzeroberfläche und Usability
Die Benutzeroberfläche einer PLM-Software sollte intuitiv sein, damit sich die Mitarbeitenden schnell darin zurechtfinden. Ist sie zu komplex, kann dies die Prozesse verlangsamen und das Fehlerrisiko bei Datenmanagement und Produktlebenszyklusmanagement erhöhen. Eine ergonomische PLM-Software zeichnet sich durch eine übersichtliche Navigation aus, ermöglicht einen schnellen Zugriff auf die wesentlichen Informationen und verbessert die Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen. Auch der Schulungsbedarf hängt stark von diesem Kriterium ab. Je einfacher sich das Tool bedienen lässt, desto schneller arbeiten die Anwenderinnen und Anwender nach der Einführung produktiv.
Skalierbarkeit und Flexibilität
Zwei weitere wichtige Kriterien, die Sie bei der Entscheidung für eine PLM-Software unbedingt einbeziehen sollten, sind Skalierbarkeit und Flexibilität, denn jede Lösung muss sich anpassen können, wenn sich die Bedingungen verändern. Auslöser können der Bedarf an neuen Funktionen, ein steigendes Datenvolumen oder die Erschließung neuer Regionen oder Sektoren sein. Nur auf diese Weise kann der gesamte Produktlebenszyklus reibungslos überwacht werden, ohne dass es zu Qualitätseinbußen oder Verzögerungen kommt.
Cloud oder On-Premise: Welches Betriebsmodell passt zu Ihrer PLM-Software?
Eng mit der Skalierbarkeit verbunden ist die Frage, wie die PLM-Software betrieben wird. Viele Anbieter stellen ihre Lösungen inzwischen auch als Software as a Service (SaaS) bereit. Das Betriebsmodell beeinflusst Kosten, Sicherheitskonzept und Anpassungsmöglichkeiten gleichermaßen.
- Cloud/SaaS: schneller Start, planbare Abonnementkosten, regelmäßige Updates durch den Anbieter und einfacher Zugriff für verteilte Teams und Zulieferer. Individuelle Anpassungen sind dagegen meist nur im Rahmen der Konfiguration möglich.
- On-Premise: volle Kontrolle über Daten und Infrastruktur sowie weitreichende Anpassungen, aber höhere Anfangsinvestitionen und eigener Aufwand für Betrieb, Wartung und Upgrades.
- Hybride Modelle: Die Kernsysteme bleiben im eigenen Rechenzentrum, während einzelne Funktionen – etwa die Zusammenarbeit mit Lieferanten – aus der Cloud kommen.
Prüfen Sie außerdem, wie lange der Anbieter seine Releases unterstützt, wie aufwendig Upgrades sind und ob für Einführung und Support ein Partnernetz im DACH-Raum zur Verfügung steht. Einen ausführlichen Vergleich beider Modelle finden Sie in unserem Beitrag On-Premise vs. SaaS.
Sicherheit und Compliance
Wichtig ist zudem, dass die PLM-Software den Standards in Sachen Sicherheit und Compliance entspricht. Sie muss den Schutz der Daten sowie die Einhaltung aller geltenden Normen und Vorschriften Ihrer Branche gewährleisten. Dazu gehören die Verwaltung der Zugriffsrechte, die Verschlüsselung sensibler Informationen sowie die Rückverfolgbarkeit der Aktivitäten. Nur wenn lokale, nationale und internationale Vorschriften eingehalten werden, ist ein kontinuierlicher Geschäftsbetrieb ohne rechtliche Risiken sichergestellt. Je mehr Sicherheit die gewählte Lösung bietet, desto kleiner ist die Angriffsfläche des Unternehmens und desto besser ist sein geistiges Eigentum geschützt.
Total Cost of Ownership (TCO)
Die Gesamtkostenanalyse (Total Cost of Ownership, TCO) ist ein weiteres wichtiges Kriterium, das den Ausschlag für die Entscheidung für oder gegen eine bestimmte PLM-Software geben kann. Dabei geht es um mehr als nur die reinen Anschaffungskosten. Diese Analyse bezieht Kosten für Lizenzen, Implementierung, Wartung, Schulung und Projektmanagement ein. Bevor Sie sich für ein Tool entscheiden, sollten Sie daher immer die TCO ermitteln, damit Sie langfristige Ausgaben berücksichtigen und die Ressourcen optimal einsetzen können. Eine detaillierte Gesamtkostenanalyse stellt sicher, dass die gewählte PLM-Software ein Gleichgewicht zwischen Qualität und Rentabilität bietet.
ZusammenfassungDie Anschaffung einer PLM-Software ist eine strategische Investition, die sich direkt auf das Management von Prozessen und Daten sowie auf die Leistungsfähigkeit des gesamten Unternehmens auswirkt. Wenn Sie die aufgeführten Kriterien berücksichtigen, werden Sie ein Tool finden, das nicht nur den aktuellen Anforderungen entspricht, sondern auch langfristig rentabel bleibt.
Wie läuft die Auswahl einer PLM-Software ab?
Ihren vollen Nutzen entfalten die Kriterien erst in einem strukturierten Auswahlprozess. Auch die Richtlinie VDI 2219 beschreibt für die Einführung von PDM-Systemen ein strukturiertes Vorgehen einschließlich einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung. In der Praxis hat sich folgende Reihenfolge bewährt:
- Ist-Analyse: Erfassen Sie Prozesse, Datenquellen und Schwachstellen in Entwicklung, Konstruktion, Fertigung und Service.
- Lastenheft: Leiten Sie daraus gewichtete Anforderungen ab – fachlich, technisch und organisatorisch.
- Marktsondierung und Shortlist: Grenzen Sie die Anbieter anhand von Branchenkompetenz, Integrationsfähigkeit und Betriebsmodell auf wenige Kandidaten ein.
- Szenariobasierte Demos: Lassen Sie die Anbieter Ihre eigenen Abläufe vorführen, etwa einen Änderungsprozess oder die Übergabe der Stückliste an das ERP-System, statt Standardpräsentationen zu zeigen.
- Pilot oder Proof of Concept: Testen Sie die Favoriten mit echten Daten und echten Anwendern.
- Entscheidung: Vergleichen Sie die Gesamtkosten über mehrere Jahre und planen Sie Datenmigration, Schulung und Begleitung der Anwender von Anfang an ein.
Binden Sie die künftigen Anwender früh ein: Eine PLM-Software, die fachlich überzeugt, im Arbeitsalltag aber kaum genutzt wird, bringt keinen Mehrwert.
Häufig gestellte Fragen
Worauf achten Hersteller bei der Auswahl einer PLM-Software?
Hersteller achten bei der Auswahl einer PLM-Software vor allem darauf, dass die Lösung ihre Branchenprozesse abbildet, sich nahtlos mit ERP-, CAD- und MES-Systemen verbindet und von Konstruktion, Fertigung und Service gleichermaßen akzeptiert wird. Hinzu kommen Skalierbarkeit, Sicherheit, die Einhaltung von Branchennormen und die Gesamtkosten über den gesamten Lebenszyklus. Szenariobasierte Demos mit eigenen Daten zeigen am zuverlässigsten, ob ein System passt.
Welche PLM-Software gibt es?
Zu den bekanntesten PLM-Lösungen zählen Siemens Teamcenter, PTC Windchill, die 3DEXPERIENCE-Plattform von Dassault Systèmes, die PLM-Lösungen von SAP sowie Aras Innovator. Daneben gibt es spezialisierte Anbieter für einzelne Branchen wie Mode, Lebensmittel oder Medizintechnik. Welche PLM-Software passt, hängt von Branche, Unternehmensgröße, CAD-Umgebung und vorhandener ERP-Landschaft ab.
Was ist der Unterschied zwischen PDM und PLM?
PDM (Produktdatenmanagement) verwaltet vor allem technische Produktdaten wie CAD-Modelle, Zeichnungen, Stücklisten und deren Versionen, meist innerhalb der Entwicklung. PLM (Product Lifecycle Management) geht weiter und steuert Daten und Prozesse über den gesamten Produktlebenszyklus – von der Idee über Änderungs- und Freigabeprozesse bis zu Fertigung, Service und Auslauf. Ein PDM-System ist damit häufig ein Baustein eines umfassenden PLM-Systems.
Ist SAP ein PLM-System?
SAP ist in erster Linie als ERP-Anbieter bekannt, bietet aber auch PLM-Funktionen an, die eng mit SAP S/4HANA verzahnt sind, etwa für Stücklisten, Änderungsmanagement und Produktdaten. Viele Industrieunternehmen kombinieren ihr SAP-ERP-System jedoch mit einem spezialisierten PLM-System und verbinden beide über Schnittstellen. Wie sich die Aufgaben beider Systeme unterscheiden, erklärt unser Beitrag PLM vs. ERP.
Was bedeutet eine konfigurierbare PLM-Lösung?
Eine konfigurierbare PLM-Lösung lässt sich über Einstellungen, Datenmodelle und Workflow-Editoren an die eigenen Prozesse anpassen, ohne dass der Quellcode verändert werden muss. Viele Anbieter ergänzen dies um Low-Code-Werkzeuge, mit denen Fachbereiche Formulare oder Abläufe selbst gestalten. Der Vorteil: Die Anpassungen bleiben bei Updates erhalten, und der Wartungsaufwand ist deutlich geringer als bei individuell programmierten Erweiterungen.