IT-Sicherheitszertifizierungen: die wichtigsten Standards für Unternehmen

IT-Sicherheitszertifizierungen im Überblick: ISO 27001, BSI IT-Grundschutz, TISAX, C5, PCI DSS und DSGVO – was sie nachweisen und welche Sie brauchen.

Von Marielle Gantenberg
10 Min. Lesezeit

IT-Sicherheitszertifizierungen belegen durch eine unabhängige Prüfung, dass ein Unternehmen, ein Produkt oder ein Dienst festgelegte Sicherheitsanforderungen erfüllt. Die wichtigste ist die ISO-27001-Zertifizierung des Informationssicherheits-Managementsystems, in Deutschland auch auf Basis von BSI IT-Grundschutz. Hinzu kommen branchenspezifische Nachweise wie PCI DSS für Kartenzahlungen oder TISAX in der Automobilindustrie sowie Datenschutz-Zertifizierungen nach DSGVO.

Das Wichtigste in Kürze

  • ISO/IEC 27001 ist die zentrale Zertifizierung für ein Informationssicherheits-Managementsystem; das BSI vergibt sie auch auf Basis von IT-Grundschutz.
  • PCI DSS gilt für alle, die Kartendaten verarbeiten; TISAX ist in der Automobilindustrie verbreitet, C5 ist ein Testat für Cloud-Dienste.
  • ISO/IEC 20000 und ITIL betreffen das IT-Service-Management, nicht die Informationssicherheit; das NIST Cybersecurity Framework ist ein Leitfaden ohne Zertifikat.
  • DSGVO-Zertifizierungen nach Art. 42 sind freiwillig, gelten höchstens drei Jahre und betreffen konkrete Verarbeitungsvorgänge.

ISO-27001-Zertifizierung: Datensicherheit

Die Zertifizierung nach ISO 27001 ist eine Referenz, was die Sicherheit von Informationen in modernen Unternehmen angeht. Mit ihr weist ein Unternehmen nach, dass es ein wirksames Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS) betreibt; verantwortlich dafür ist meist der Chief Information Security Officer (CISO). Die der Zertifizierung zugrunde liegende Norm legt Anforderungen fest, wie das IT-Sicherheitsmanagementsystem umzusetzen, auf dem aktuellen Stand zu halten und zu verbessern ist.

Wenn Sie durch den Status „ISO 27001 zertifiziert“ nachweisen, dass Sie die Best Practices für Computer- und Netzwerksicherheit einhalten, dann stärkt das Ihre Glaubwürdigkeit und hilft Ihnen, neue Kontakte zu knüpfen. Zudem stellt die Zertifizierung einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz und ein Hilfsmittel für die Kundenbindung dar. Weitere Vorteile sind:

● geringeres Risiko finanzieller Schäden durch Sicherheitsvorfälle,
● Erhalt und Verbesserung des Images,
● Steigerung der Produktivität,
● weniger einzelne Sicherheitsprüfungen durch Kunden.

Bevor das Unternehmen die Anforderungen von ISO 27001 erfüllt und nach einem externen Audit das Zertifikat zuerkannt bekommt, müssen der CISO oder der CIO viel Arbeit bewältigen. Es muss eine wirksame Informationssicherheitsleitlinie bestehen, damit die Daten in den IT-Systemen und der Cloud umfassend geschützt sind. Der IT-Verantwortliche hat also die Aufgabe, ein mit der Norm ISO 27001 konformes Informationssicherheits-Managementsystem einzurichten.

ISO-27001-Zertifizierung: Datensicherheit

IT-Sicherheitszertifizierungen speziell für Deutschland: IT-Grundschutz, TISAX und C5

Neben der internationalen ISO/IEC 27001 spielen in Deutschland drei weitere Nachweise eine große Rolle:

  • ISO 27001 auf Basis von IT-Grundschutz: Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vergibt ein ISO-27001-Zertifikat, das zusätzlich die konkreten Anforderungen des IT-Grundschutzes nachweist. Laut BSI belegt es, dass eine Institution die allgemeinen Anforderungen der Norm erfüllt und darüber hinaus die Grundschutz-Anforderungen umsetzt. Es ist vor allem in Behörden und bei öffentlichen Auftraggebern gefragt.
  • TISAX: Der Prüf- und Austauschmechanismus der Automobilindustrie basiert auf dem Fragenkatalog VDA ISA. Zulieferer und Dienstleister, die mit sensiblen Daten von Automobilherstellern arbeiten, müssen in der Regel ein TISAX-Label vorweisen.
  • BSI C5: Der Kriterienkatalog Cloud Computing richtet sich an Cloud-Anbieter. Ein C5-Nachweis ist laut BSI keine Zertifizierung, sondern ein Testat, das nur Wirtschaftsprüfer ausstellen dürfen; es gilt immer für bestimmte Cloud-Dienste. Ab dem 1. Juni 2027 ist für Testate die neue Fassung C5:2026 anzuwenden.

Welche Nachweise Sie brauchen, hängt von Branche, Kunden und Art der Daten ab. Für die meisten Unternehmen ist ISO/IEC 27001 der Ausgangspunkt; branchenspezifische Anforderungen kommen ergänzend hinzu.

ISO 20000: IT-Service-Management

Im Rahmen des IT-Service-Managements spielt die internationale Norm ISO 20000 eine fundamentale Rolle für die kontinuierliche Verbesserung der IT-Services. Sie ist sowohl für Unternehmen anwendbar, die ihre eigenen Informationssysteme besser verwalten möchten, als auch für solche, die IT-Dienstleistungen für Dritte anbieten. Die Norm bildet einen umfassenden Rahmen, um Effizienz, Qualität und Verlässlichkeit der IT zu gewährleisten.

Der Schwerpunkt von ISO 20000 liegt auf dem IT-Service-Management, nicht auf der Informationssicherheit; die Norm legt Anforderungen an ein Service-Management-System fest. Sie wird hier aufgeführt, weil sie sich gut mit ISO 27001 kombinieren lässt. Die Umsetzung dieser Norm ist der sichtbare Ausdruck dafür, dass die betreffende Organisation in der Lage ist, verlässliche und qualitativ anspruchsvolle Dienstleistungen zu bieten, was wiederum ihre Glaubwürdigkeit unterstützt. Gleichzeitig verschafft ihr das einen deutlichen Konkurrenzvorsprung und stärkt das Vertrauen aller Beteiligten, seien es Kunden oder Partner.

Jedes Unternehmen kann sein IT-Service-Management-System durch eine unabhängige Stelle nach der Norm ISO/IEC 20000-1:2018 zertifizieren lassen.

PCI-DSS-Zertifizierung: Sicherheit von Kartendaten

Die Informationen auf Kreditkarten sind sensible Daten, die leider oftmals missbraucht werden. Um sie zu schützen, wurde die PCI-DSS-Zertifizierung entwickelt. Die Abkürzung steht für Payment Card Industry Data Security Standard. Der Standard gilt für alle Unternehmen, die Kartendaten speichern, verarbeiten oder übertragen – vom Onlinehändler bis zum Zahlungsdienstleister.

Die PCI-DSS-Zertifizierung schreibt zahlreiche spezifische Anforderungen vor, die beim Umgang mit vertraulichen Zahlungsinformationen eingehalten werden müssen, um auf diese Weise die Sicherheit dieser Daten zu gewährleisten. Entwickelt wurde dieses Rahmenwerk vom PCI Security Standards Council, einem Zusammenschluss der großen Kartenorganisationen, der sich auch um die Aktualisierung kümmert.

Im PCI Security Standards Council sind so bekannte Unternehmen vertreten wie:

● Visa,
● JCB,
● Discover,
● Mastercard,
● American Express.

Zu den Informationen auf der Kreditkarte gehören die Kreditkartennummer, das Ende des Gültigkeitszeitraums sowie die Kartenprüfnummer. Auf diese Angaben haben es zahlreiche Angreifer abgesehen. Diese besitzen inzwischen oftmals hoch entwickelte Tools und technisches Know-how, um ihr Ziel zu erreichen. Betrügereien, Hackerangriffe und anderer Missbrauch von Kreditkarten kommen heute daher häufig vor und verursachen bei den Opfern hohen Schaden. Aus diesem Grund stellt der PCI-DSS-Standard hohe Anforderungen und ist mittlerweile eine Referenz für die Sicherheit von Zahlungsmitteln geworden.

PCI-DSS-Zertifizierung: Sicherheit von Kartendaten

DSGVO: Zertifizierung zum Schutz personenbezogener Daten

Die DSGVO-Zertifizierung hilft beim Nachweis, dass ein Produkt oder eine Dienstleistung die Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung (Art. 42 DSGVO) einhält. Zertifiziert werden dabei konkrete Verarbeitungsvorgänge von Verantwortlichen oder Auftragsverarbeitern.

Solche Verarbeitungsvorgänge können etwa in einer Website, einer Software oder einer mobilen App stattfinden. Davon zu unterscheiden sind Personenzertifikate, mit denen Datenschutzbeauftragte (Data Protection Officer, DPO) ihre Fachkunde nachweisen; sie sind keine Zertifizierung nach Art. 42 DSGVO.

Allerdings ist es nicht Pflicht, die DSGVO-Zertifizierung zu erwerben. Es ist eine freiwillige Vorgehensweise, die sich jedoch positiv auf das Unternehmensimage auswirkt. Daher stützen sich viele CIOs und CISOs auf dieses Rahmenwerk und lassen ihre Maßnahmen für den Datenschutz attestieren. Grundlage sind genehmigte Zertifizierungskriterien; in Deutschland akkreditieren die DAkkS und die Datenschutzaufsichtsbehörden die Zertifizierungsstellen gemeinsam. Das Zertifikat gilt höchstens drei Jahre. Abgesehen von der Umsetzung der zertifizierten Vorgaben muss der CIO bzw. der CISO dann die Compliance auf Dauer gewährleisten.

ITIL-Zertifizierung für das IT-Management

ITIL ist ein Bündel an Vorgehensweisen, mit deren Hilfe Organisationen ihre IT-Services von Anfang bis Ende beherrschen. Im Laufe der Zeit wurde das Rahmenwerk mehrfach aktualisiert und überarbeitet und hat sich auf diese Weise an veränderte Anforderungen angepasst.

ITIL 4 legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Einbindung der IT in das Unternehmen; seit Februar 2026 gibt es zusätzlich ITIL (Version 5). Die ITIL-Zertifizierung selbst ist ein Personenzertifikat und kein Nachweis für die IT-Sicherheit eines Unternehmens. Eine methodische Umsetzung der Prinzipien dieses Rahmenwerks hilft IT-Verantwortlichen dabei, die Risiken besser zu analysieren und dadurch das Risikomanagement zu verbessern sowie die Kosten des IT-Supports zu reduzieren. Auf diese Weise schafft der CIO ein Umfeld, das das Wachstum fördert und die Beziehung zu den Nutzern stärkt.

NIST Framework: Risikomanagement für Cybersicherheit

Das NIST (National Institute of Standards and Technology) Cybersecurity Framework wurde von einem Institut entwickelt, das dem amerikanischen Handelsministerium zugeordnet ist. Das NIST Cybersecurity Framework ist ein ganzheitlicher Ansatz mit Normen, Leitlinien und Best Practices zur Verbesserung des Risikomanagements für die Informations- und Cybersicherheit.

Das methodische Framework hilft öffentlichen und privaten Organisationen dabei, bestimmte Vorgehensweisen festzulegen, um die Ziele in Sachen Cybersicherheit besser zu erreichen. Es beschreibt also, wie eine Organisation Risiken identifiziert, ihre Informationssysteme schützt sowie Schwachstellen der IT-Sicherheit erkennt und behebt. Das Framework hilft Unternehmen dabei, ihre Verwundbarkeit in Bezug auf Bedrohungen schnell zu evaluieren, um die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen treffen zu können und so den Schutz zu verbessern. Eine Zertifizierung nach dem NIST-Framework gibt es nicht; es dient als Leitfaden und lässt sich mit ISO 27001 kombinieren.

Integration der Zertifizierungen in die IT-Strategie des CIO

Zertifizierungen und Standards wie ISO 27001, PCI DSS, die DSGVO-Zertifizierung oder ISO 20000 stellen fundamentale Grundlagen dar, um die Sicherheit und Effizienz der Informationssysteme in Unternehmen zu stärken. Sie wirken über die reine Compliance hinaus, denn sie bieten dem CIO und der gesamten IT fassbare Vorteile.

Die Zertifizierung nach ISO 27001 legt den Schwerpunkt auf die IT-Sicherheit und liefert Best Practices, um Datenbestände zu schützen. Die Norm ISO 20000 ist auf das IT-Service-Management ausgerichtet und verbessert zugleich die operative Effizienz. Bei Ausschreibungen kann sie ein wichtiges Auswahlkriterium sein.

Die Integration dieser Zertifizierungen in die übergreifende IT-Strategie bietet dem Unternehmen strategische Vorteile. Durch die Umsetzung dieser Normen können CIO und CISO nicht nur Risiken in Bezug auf die Sicherheit der Informationssysteme und Netzwerke senken und dadurch Kosten sparen, sondern sie schaffen gleichzeitig eine Umgebung, die Wachstum und Veränderung begünstigt.

Welche Sicherheitszertifizierungen sollte ein Software-Anbieter vorweisen?

Wer Software oder Cloud-Dienste einkauft, sollte vor allem bei sensiblen Daten – etwa Personal-, Kunden- oder Marketingdaten – nach belastbaren Nachweisen fragen:

NachweisWas er belegtWann wichtig
ISO/IEC 27001Wirksames Informationssicherheits-ManagementsystemGrundsätzlich bei jedem Anbieter
BSI-C5-TestatSicherheit eines bestimmten Cloud-DienstesCloud-Dienste, öffentlicher Sektor, regulierte Branchen
PCI DSSSchutz von KartendatenZahlungsabwicklung und Kartendaten
TISAXInformationssicherheit nach VDA ISAAutomobilindustrie
Auftragsverarbeitungsvertrag und Angaben zum SpeicherortDSGVO-konforme Verarbeitung personenbezogener DatenImmer, wenn der Anbieter personenbezogene Daten verarbeitet

Achten Sie darauf, dass der Geltungsbereich des Zertifikats den Dienst umfasst, den Sie tatsächlich nutzen, und dass es noch gültig ist. Fragen Sie außerdem, wo Ihre Daten gespeichert werden und welche Unterauftragnehmer beteiligt sind. Ein Zertifikat ersetzt nicht die eigene Prüfung, ob der Anbieter zu Ihren Sicherheits- und Datenschutzanforderungen passt. Das gilt auch für Werkzeuge, die direkt in Ihren Geschäftsanwendungen laufen, etwa eine Digital Adoption Platform: Sie verarbeitet Nutzungsdaten und sollte dieselben Nachweise erbringen wie andere SaaS-Anbieter.

Häufig gestellte Fragen

Welche IT-Sicherheitszertifizierungen gibt es?

Für Unternehmen sind die wichtigsten IT-Sicherheitszertifizierungen ISO/IEC 27001 – international oder auf Basis von BSI IT-Grundschutz –, TISAX für die Automobilindustrie, PCI DSS für Kartenzahlungen und Datenschutz-Zertifizierungen nach Art. 42 DSGVO. Für Cloud-Dienste gibt es das C5-Testat des BSI. Daneben existieren Personenzertifikate für Fachleute, etwa CISSP, CISM oder CompTIA Security+.

Was ist der Unterschied zwischen einer Zertifizierung und einem Testat?

Bei einer Zertifizierung prüft eine akkreditierte Zertifizierungsstelle, ob eine Organisation oder ein Managementsystem die Anforderungen einer Norm erfüllt, und stellt ein Zertifikat aus – etwa nach ISO/IEC 27001. Ein Testat ist dagegen der Prüfbericht eines Wirtschaftsprüfers zu festgelegten Kriterien, zum Beispiel beim BSI-Kriterienkatalog C5 für Cloud-Dienste. Für C5 gibt es kein Zertifizierungsverfahren; das Testat gilt jeweils für konkrete Cloud-Dienste.

Ist eine DSGVO-Zertifizierung Pflicht?

Nein. Zertifizierungen nach Art. 42 DSGVO sind freiwillig. Sie dienen als Nachweis, dass bestimmte Verarbeitungsvorgänge die Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung erfüllen, entbinden aber nicht von der eigenen Verantwortung. In Deutschland akkreditieren die DAkkS und die Datenschutzaufsichtsbehörden die Zertifizierungsstellen gemeinsam. Eine DSGVO-Zertifizierung gilt höchstens drei Jahre und kann bei Erfüllung der Voraussetzungen verlängert werden.

Kann man sich nach dem NIST Cybersecurity Framework zertifizieren lassen?

Nein. Das NIST Cybersecurity Framework ist ein Leitfaden des US-amerikanischen National Institute of Standards and Technology, kein zertifizierbarer Standard. Die Version 2.0 vom Februar 2024 gliedert die Cybersicherheit in sechs Funktionen: Govern, Identify, Protect, Detect, Respond und Recover. Unternehmen nutzen das NIST Cybersecurity Framework häufig, um ihren Reifegrad zu bewerten, und lassen sich bei Bedarf nach ISO/IEC 27001 zertifizieren.

Wie lange ist eine ISO-27001-Zertifizierung gültig?

Ein ISO-27001-Zertifikat gilt in der Regel drei Jahre. In dieser Zeit prüft die Zertifizierungsstelle in jährlichen Überwachungsaudits, ob das Informationssicherheits-Managementsystem weiterhin wirksam ist; vor Ablauf folgt ein Rezertifizierungsaudit. Werden die Anforderungen nicht mehr erfüllt, kann das Zertifikat ausgesetzt oder entzogen werden. Einen ausführlichen Leitfaden bietet unser Beitrag zur ISO-27001-Zertifizierung.

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