Modelle der digitalen Transformation sind Rahmenwerke, mit denen Unternehmen ihren digitalen Wandel strukturieren: Sie zeigen, wo eine Organisation steht, welche Bereiche betroffen sind und in welchen Schritten die Veränderung gelingt. Zu den bekanntesten gehören das 7S-Modell von McKinsey, ADKAR, Kotters 8-Stufen-Modell, Reifegradmodelle, die Technologieakzeptanzkurve und das Digital Business Model Canvas.
Das Wichtigste in Kürze
- Modelle der digitalen Transformation geben dem digitalen Wandel einen Rahmen – von der Standortbestimmung über das Geschäftsmodell bis zur Begleitung der Mitarbeitenden.
- Change-Modelle wie ADKAR oder Kotter konzentrieren sich auf den Menschen, Reifegradmodelle auf den digitalen Entwicklungsstand, Canvas-Modelle auf das Geschäftsmodell.
- Kein Modell passt für jedes Unternehmen: Ausschlaggebend sind digitaler Reifegrad, Branche, Kompetenzen der Belegschaft, Budget und Compliance-Anforderungen.
- In der Praxis werden Modelle oft kombiniert, etwa ein Reifegradmodell für die Analyse und ADKAR für die Einführung neuer Software.
- Was ist ein Modell für digitale Transformation?
- Welche Modelle der digitalen Transformation gibt es? Die Frameworks im Vergleich
- So finden Sie das richtige Modell für die digitale Transformation in Ihrem Unternehmen
- Reifegradmodelle: Wie digital ist Ihr Unternehmen?
- Häufig gestellte Fragen
- Welche Modelle der digitalen Transformation gibt es?
- Was ist ein Reifegradmodell der Digitalisierung?
- Was unterscheidet ein Change-Management-Modell von einem Modell der digitalen Transformation?
- Welches Modell eignet sich für den Einstieg in die digitale Transformation?
- Was ist ein Digital Transformation Framework?
Was ist ein Modell für digitale Transformation?
Die Modelle für digitale Transformation sind eng mit den Modellen für Veränderungsmanagement verknüpft, allerdings liegt bei ihnen der Schwerpunkt auf anderen Aspekten der Organisationsentwicklung. Ein Modell für digitale Transformation befasst sich vor allem mit der Implementierung von Informationstechnologien. Es bildet den Rahmen, um digitale Tools und Prozesse so zu nutzen, dass sie zur Effizienzsteigerung beitragen. Digitale Transformation zieht oft die Anpassung und Neugestaltung von Geschäftsprozessen, die Einführung neuer Technologien und die Förderung einer digitalen Kultur im Unternehmen nach sich. Die folgenden Modelle für digitale Transformation werden dabei häufig genutzt:
7S-Modell von McKinsey
Das 7S-Modell von McKinsey basiert auf sieben Elementen, die voneinander abhängen und folglich aufeinander abgestimmt werden müssen, damit die Transformation gelingt. Die sieben Elemente sind: Strategie, Struktur, Systeme, Fähigkeiten, Personal, Führungsstil und gemeinsame Werte.
ADKAR-Modell
ADKAR steht für die Begriffe Awareness (Bewusstsein), Desire (Wunsch), Knowledge (Wissen), Ability (Fähigkeit) und Reinforcement (Verankerung). Das Modell konzentriert sich auf die individuellen und organisatorischen Aspekte des Veränderungsmanagements, das mit der digitalen Transformation verbunden ist.
8-Stufen-Modell von Kotter
Wie der Name schon sagt, wurde dieses Modell von John Kotter entwickelt. Es geht davon aus, dass eine organisatorische Veränderung in acht Schritten umgesetzt wird. Damit eine Transformation von Erfolg gekrönt ist, müssen unter anderem ein Gefühl der Dringlichkeit erzeugt, eine Führungskoalition aufgebaut und eine strategische Vision entwickelt werden.
Digital Maturity Model (Reifegradmodell)
Dieses Modell analysiert, in welchem Stadium sich eine Organisation im Hinblick auf die digitalen Möglichkeiten befindet. Dabei geht man im Allgemeinen in verschiedenen Etappen vor: Initiierung, Erprobung, Skalierung, Integration und Optimierung.
4I-Framework
Das 4I-Framework von Crossan, Lane und White (1999) beschreibt organisationales Lernen in vier Prozessen: Intuieren, Interpretieren, Integrieren und Institutionalisieren. Es zeigt, wie Erkenntnisse Einzelner über Teams in Regeln, Prozesse und Systeme der gesamten Organisation übergehen.
Technology Adoption Lifecycle (Technologieakzeptanzkurve)
Hier werden die Nutzer in Kategorien eingeteilt, je nachdem, wie ausgeprägt ihr Wunsch ist, eine neue Technologie anzunehmen. Dazu gehören Innovatoren, frühe Anwender (Early Adopters), die frühe Mehrheit (Early Majority), die späte Mehrheit (Late Majority) und Nachzügler (Laggards).
Digital Business Model Canvas
Das Modell ist eine Abwandlung des Business Model Canvas (BMC) und dient dazu, das digitale Geschäftsmodell eines Unternehmens zu entwickeln und zu visualisieren. Dabei werden unter anderem Nutzenversprechen, Kundensegmente und Einnahmequellen betrachtet.
Handbuch für digitale Unternehmen von Forrester
Das Handbuch von Forrester bietet Unternehmen einen umfassenden Leitfaden für die digitale Transformation. Es deckt Bereiche wie Customer Experience, Operations und Geschäftsmodelle ab.
Crawl-Walk-Run-Modell
Bei diesem Modell geht es um eine allmähliche Annäherung an die digitale Transformation. Der Prozess beginnt mit kleinen, überschaubaren Initiativen (Crawl), auf die dann allmählich größere Veränderungen folgen (Walk), um am Ende eine umfassende Transformation zu erreichen (Run).
Welche Modelle der digitalen Transformation gibt es? Die Frameworks im Vergleich
Die vorgestellten Modelle beantworten unterschiedliche Fragen. Grob lassen sich vier Gruppen unterscheiden: Change-Modelle begleiten die Menschen durch den Wandel, Reifegradmodelle bestimmen den digitalen Entwicklungsstand, Geschäftsmodell-Frameworks gestalten das digitale Geschäftsmodell, und Vorgehensmodelle legen das Tempo der Umsetzung fest.
| Modell | Schwerpunkt | Geeignet für |
|---|---|---|
| 7S-Modell von McKinsey | Abstimmung von Strategie, Struktur, Systemen und Kultur | Analyse der gesamten Organisation |
| ADKAR-Modell | Veränderung auf individueller Ebene | Einführung neuer Software und Arbeitsweisen |
| 8-Stufen-Modell von Kotter | Führung und Dynamik des Wandels | Unternehmensweite Transformationsprogramme |
| Reifegradmodelle | Digitaler Entwicklungsstand | Standortbestimmung und Priorisierung |
| 4I-Framework | Organisationales Lernen | Verankerung neuer Arbeitsweisen |
| Technologieakzeptanzkurve | Übernahme neuer Technologien durch Nutzergruppen | Planung von Rollouts und Pilotgruppen |
| Digital Business Model Canvas | Digitales Geschäftsmodell | Entwicklung neuer digitaler Angebote |
| Crawl-Walk-Run-Modell | Schrittweises Vorgehen | Organisationen mit geringer digitaler Reife |
Das 4I-Framework geht auf Crossan, Lane und White (1999) zurück und beschreibt, wie sich Wissen über Intuieren, Interpretieren, Integrieren und Institutionalisieren vom Einzelnen auf die gesamte Organisation überträgt. Gerade bei der Einführung neuer Anwendungen zeigt sich, warum diese Verankerung wichtig ist: Eine Technologie verändert erst dann etwas, wenn sie im Arbeitsalltag tatsächlich genutzt wird. Viele Unternehmen kombinieren deshalb ein Reifegradmodell für die Analyse mit einem Change-Modell wie ADKAR für die Umsetzung.
So finden Sie das richtige Modell für die digitale Transformation in Ihrem Unternehmen
Die Bedürfnisse des Unternehmens evaluieren
Bevor Sie mit der digitalen Transformation beginnen, bewerten Sie den Istzustand der Organisation sowie die zukünftigen Zielsetzungen eingehend. Identifizieren Sie kritische Punkte, Chancen sowie Bereiche, in denen die Technologie signifikante Verbesserungen herbeiführen kann. Dazu gehört es auch, den derzeitigen Grad der digitalen Reife des Unternehmens zu definieren.
Die Besonderheiten der Branche bestimmen
Nachdem Sie die Bedürfnisse Ihres Unternehmens evaluiert haben, berücksichtigen Sie die spezifischen Besonderheiten Ihrer Branche. Manche Modelle eignen sich für bestimmte Branchen besser als andere. Die Best Practices Ihres Sektors können Ihnen den Weg für die richtige Entscheidung weisen.
Qualifikation und Ausbildung der Mitarbeiter einschätzen
Schätzen Sie die Qualifikationen Ihrer Beschäftigten im digitalen Bereich ein. Bestimmen Sie auf dieser Basis das erforderliche Maß an Schulung und Support, um die Mitarbeiter mit der gewählten Vorgehensweise vertraut zu machen. Die Akzeptanz und das Know-how der Beschäftigten sind für ein digitales Transformationsprojekt entscheidend.
Eine individuelle Strategie ausarbeiten
Wenn Sie die Bedürfnisse und spezifischen Kompetenzen erfasst haben, ist es Zeit, eine maßgeschneiderte Strategie für die digitale Transformation zu erarbeiten. Egal, ob Sie sich für ein agiles Vorgehen, ein innovatives Modell oder einen stufenweisen Fahrplan entscheiden, stimmen Sie das Modell immer auf die Unternehmenskultur und die Geschäftsziele ab. Berücksichtigen Sie auf jeden Fall die notwendigen Ressourcen sowie mögliche Budgetbeschränkungen.
Die Entwicklungsfähigkeit einbeziehen
Wählen Sie ein Modell, das sich auch an zukünftiges Wachstum und technologischen Wandel anpassen lässt. Entwicklungs- und Anpassungsfähigkeit sind Schlüsselfaktoren, damit die digitale Transformation langfristig trägt.
Compliance und Sicherheit nicht außer Acht lassen
Stellen Sie sicher, dass das gewählte Modell den geltenden Vorschriften sowie den Compliance-Regeln Ihrer Branche entspricht. Geben Sie Maßnahmen der IT- und Netzwerksicherheit Vorrang, damit alle sensiblen Daten während des ganzen Transformationsprozesses geschützt sind.
Diese Modelle helfen dabei, Unternehmen sicher durch den komplexen Prozess der digitalen Transformation zu führen, indem sie eine systematische und strategische Vorgehensweise bieten, die sicherstellt, dass der Prozess von Anfang bis Ende auf die wirtschaftlichen Ziele ausgerichtet ist und zu positiven und nachhaltigen Veränderungen führt.
Reifegradmodelle: Wie digital ist Ihr Unternehmen?
Bevor Sie sich für ein Vorgehen entscheiden, lohnt eine Standortbestimmung mit einem Reifegradmodell. Im deutschsprachigen Raum verbreitet ist der Industrie 4.0 Maturity Index von acatech. Er beschreibt sechs Entwicklungsstufen, von denen jede auf der vorherigen aufbaut:
- Computerisierung: Einzelne Tätigkeiten werden mit IT unterstützt.
- Konnektivität: Systeme sind miteinander vernetzt.
- Sichtbarkeit: Das Unternehmen erfasst in Echtzeit, was geschieht.
- Transparenz: Es versteht, warum etwas geschieht.
- Prognosefähigkeit: Es kann abschätzen, was geschehen wird.
- Adaptierbarkeit: Es reagiert weitgehend selbstständig auf Veränderungen.
Die Einstufung zeigt, welche Modelle sinnvoll sind: Ein Unternehmen auf den ersten Stufen profitiert eher von einem schrittweisen Vorgehen wie Crawl-Walk-Run, während fortgeschrittene Organisationen ihr Geschäftsmodell mit dem Digital Business Model Canvas weiterentwickeln. Wiederholen Sie die Bewertung in regelmäßigen Abständen, um Fortschritte sichtbar zu machen. Wichtig ist auch eine klare Begriffsbasis: Ob es um die reine Umwandlung von Daten, die Digitalisierung von Prozessen oder eine echte Transformation geht, erklärt unser Beitrag zu Digitalisierung, Digitization und digitaler Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Welche Modelle der digitalen Transformation gibt es?
Zu den bekanntesten Modellen der digitalen Transformation gehören das 7S-Modell von McKinsey, das ADKAR-Modell, Kotters 8-Stufen-Modell, Reifegradmodelle wie der Industrie 4.0 Maturity Index, das 4I-Framework, die Technologieakzeptanzkurve, das Digital Business Model Canvas und das Crawl-Walk-Run-Modell. Sie unterscheiden sich im Schwerpunkt: Mensch, Reifegrad, Geschäftsmodell oder Vorgehen.
Was ist ein Reifegradmodell der Digitalisierung?
Ein Reifegradmodell der Digitalisierung bewertet, wie weit ein Unternehmen digital entwickelt ist, und ordnet es einer Stufe zu. Der Industrie 4.0 Maturity Index von acatech unterscheidet zum Beispiel sechs Stufen von der Computerisierung bis zur Adaptierbarkeit. Das Ergebnis zeigt, welche Maßnahmen als Nächstes sinnvoll sind und wie sich Fortschritte messen lassen.
Was unterscheidet ein Change-Management-Modell von einem Modell der digitalen Transformation?
Ein Change-Management-Modell wie ADKAR oder Kotter beschreibt, wie Menschen Veränderungen annehmen und wie Führungskräfte sie begleiten. Ein Modell der digitalen Transformation ist breiter angelegt: Es umfasst auch Technologie, Prozesse, Geschäftsmodell und digitalen Reifegrad. In der Praxis ergänzen sich beide, denn ohne Akzeptanz der Mitarbeitenden bleibt jede digitale Transformation unvollständig.
Welches Modell eignet sich für den Einstieg in die digitale Transformation?
Für den Einstieg eignet sich meist eine Kombination: Ein Reifegradmodell zeigt, wo das Unternehmen steht, und ein schrittweises Vorgehen wie das Crawl-Walk-Run-Modell hält die Risiken klein. Für die Einführung neuer Anwendungen hat sich das ADKAR-Modell bewährt, weil es Bewusstsein, Wissen und Fähigkeiten der Nutzerinnen und Nutzer gezielt adressiert.
Was ist ein Digital Transformation Framework?
Ein Digital Transformation Framework ist ein strukturierter Ordnungsrahmen, der beschreibt, welche Handlungsfelder eine digitale Transformation umfasst und in welcher Reihenfolge sie bearbeitet werden. Typische Bestandteile sind Strategie, Kundenerlebnis, Prozesse, Technologie, Daten, Organisation und Kultur. Frameworks helfen, Prioritäten zu setzen und Fortschritte messbar zu machen.
Quellen
- acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (Hrsg. Schuh, Anderl, Dumitrescu, Krüger, ten Hompel), „Industrie 4.0 Maturity Index. Die digitale Transformation von Unternehmen gestalten – Update 2020“, 2020
- Crossan, Lane, White, „An Organizational Learning Framework: From Intuition to Institution“, Academy of Management Review, Juli 1999