Die Lernstile nach Honey und Mumford beschreiben vier bevorzugte Arten zu lernen: Aktivist, Reflektierer, Theoretiker und Pragmatiker. Peter Honey und Alan Mumford entwickelten das Modell 1982 auf Grundlage von David Kolbs Lernzyklus, ursprünglich für die Managemententwicklung. Mit ihrem Learning Styles Questionnaire (LSQ) können Lernende ermitteln, wie stark jeder Stil bei ihnen ausgeprägt ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Honey und Mumford unterscheiden vier Lernstile: Aktivist, Reflektierer, Theoretiker und Pragmatiker.
- Das Modell von 1982 baut auf Kolbs Lernzyklus auf, verwendet aber alltagsnahe Begriffe und einen Fragebogen zum eigenen Verhalten.
- Jeder Mensch nutzt alle vier Stile, meist mit einem oder zwei deutlichen Schwerpunkten.
- Für Schulungen ist es sinnvoller, alle vier Phasen des Lernzyklus einzuplanen, als Teilnehmende nach Lernstil zu trennen.
Die Tatsache, dass sich ein Lernender darüber bewusst ist, wie er sich das Lernen erleichtern kann, ist bereits ein guter Ausgangspunkt, um dabei erfolgreich zu sein. Lesen Sie bei Knowmore mehr über die Lernstile nach Honey und Mumford, denn das Modell vermittelt Ihnen einen guten Überblick über die Art, wie Menschen Informationen verarbeiten. Das Konzept hilft zudem dabei, zu erkennen, wie man seine Fähigkeiten am besten einsetzt, um das vorhandene Potenzial optimal auszuschöpfen.
Die 4 Lernstile nach Honey und Mumford
Honey und Mumford haben in ihrem Modell vier Lernstile definiert, von denen jeder einen anderen Ansatz für die Aneignung von Wissen beschreibt. Das Konzept vermittelt ein besseres Verständnis für die individuellen Lernprozesse und bietet Ansatzpunkte, um Unterrichtsmethoden an diese Prozesse anzupassen.
Der Aktivist
Aktivisten lieben neue Erfahrungen und Herausforderungen. Sie lernen durch praktische Erfahrungen, kümmern sich aber wenig um das logische Verständnis. Sie probieren lieber sofort aus, statt lange Anleitungen zu lesen, und lassen sich nicht abschrecken, wenn detaillierte Hinweise fehlen. Langwierige Umsetzungsphasen langweilen sie dagegen schnell.
Aktivisten gehen gerne ein Risiko ein, wenn sie sich in praktische Erfahrungen stürzen. Ein interaktives und erfahrungsbasiertes Lernumfeld begeistert sie. Allerdings muss man sie von Zeit zu Zeit dazu anhalten, eine Pause einzulegen und ein Fazit aus dem Erlebten zu ziehen.
Der Nachdenker
Nachdenker sind ausgezeichnet darin, eigene und fremde Erfahrungen zu beobachten und darüber nachzudenken. Sie lieben es, Informationen zu analysieren, und können auch mit unstrukturierten qualitativen Daten sowie verstreuten Informationen gut umgehen. Ein Nachdenker fühlt sich am wohlsten, wenn er in seinem eigenen Tempo reflektieren und autonom oder in kleinen Gruppen arbeiten kann. Druck oder die Notwendigkeit, schnelle Entscheidungen zu treffen, lösen bei ihm jedoch ein ungutes Gefühl aus.
Der Theoretiker
Theoretiker fühlen sich von abstrakten Konzepten, Theorien und Modellen angezogen. Sie lernen am besten, wenn sie Daten analysieren oder Zusammenhänge zwischen logischen Gedankengängen herstellen. Sie wollen die Prinzipien und Theorien verstehen, mit denen sich ein Phänomen erklären lässt. In unklaren Situationen, die möglicherweise ein intuitives Vorgehen erfordern, fühlen sie sich unwohl.
Der Pragmatiker
Der vierte Lernstil nach Honey und Mumford ist der pragmatische Stil. Pragmatiker sind praktisch veranlagt und konzentrieren sich darauf, das Gelernte in der Praxis anzuwenden. Sie lernen am besten durch praktische Beispiele, konkrete Erfahrungen und Fallstudien.
Honey und Mumford vs. Kolb: Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Peter Honey und Alan Mumford haben ihr Modell ausdrücklich auf den Lernzyklus nach David Kolb gestützt. Beide Modelle gehen davon aus, dass Lernen ein Kreislauf aus Erfahrung, Reflexion, Verallgemeinerung und Anwendung ist, und beide unterscheiden vier Lernstile. Honey und Mumford fanden Kolbs Learning Style Inventory für Führungskräfte jedoch wenig praxisnah und entwickelten deshalb einen eigenen Fragebogen.
| Phase im Lernzyklus | Bezeichnung bei Kolb | Lernstil nach Honey und Mumford |
|---|---|---|
| Eine Erfahrung machen | konkrete Erfahrung | Aktivist |
| Die Erfahrung auswerten | reflektierendes Beobachten | Reflektierer |
| Schlussfolgerungen ziehen | abstrakte Begriffsbildung | Theoretiker |
| Die nächsten Schritte planen | aktives Experimentieren | Pragmatiker |
Die wichtigsten Unterschiede:
- Begriffe: Honey und Mumford ordnen jeder Phase einen Lernstil zu und benennen ihn alltagsnah. Bei Kolb ergeben sich die vier Lernstile (Divergierer, Assimilierer, Konvergierer, Akkommodierer) dagegen aus der Kombination zweier Phasen.
- Fragebogen: Kolbs Inventar fragt direkt danach, wie jemand lernt. Der Learning Styles Questionnaire von Honey und Mumford fragt dagegen nach allgemeinem Verhalten und typischen Gewohnheiten.
- Zielgruppe: Honey und Mumford hatten vor allem die Weiterbildung von Führungskräften im Blick.
Wie erkennt man seinen eigenen Lernstil?
Jeder dieser vier Typen steht für einen eigenen Lernstil. Eine Vorgehensweise, die einer Person liegt, muss nicht zwangsläufig die richtige für eine andere Person sein. Wenn Sie sich Kompetenzen aneignen und in Ihrem Beruf weiterkommen wollen, sollten Sie wissen, welche Methode bei Ihnen am besten funktioniert. Überlegen Sie daher, wo Ihre Interessen und Vorlieben liegen und wie Sie am besten lernen.
Wenn Sie sich beispielsweise gerne neuen Herausforderungen stellen und praktische Erfahrungen lieben, ist bei Ihnen vermutlich der Stil des Aktivisten stark ausgeprägt. Wenn Sie dagegen großen Wert auf rationales Denken legen und Ihre Ziele an Prinzipien und Theorien ausrichten, überwiegt wahrscheinlich der Stil des Theoretikers. Eine solche Selbsteinschätzung ist ein erster Anhaltspunkt. Systematischer ist der Learning Styles Questionnaire (LSQ) von Honey und Mumford: Er zeigt, wie stark jeder der vier Stile bei Ihnen ausgeprägt ist. Die meisten Menschen haben einen oder zwei deutliche Schwerpunkte.
Praktische Anwendung der Lernstile
Das Modell der Lernstile nach Honey und Mumford lässt sich in sehr unterschiedlichen Zusammenhängen anwenden. Egal, ob Sie Führungskraft oder Lehrkraft sind, es ist immer hilfreich, die Lernstile anderer zu verstehen.
Im Bildungswesen
Als Lehrkraft oder Ausbilder nutzen Sie den Fragebogen über die Lernstile nach Honey und Mumford, um auf dieser Basis Ihre Unterrichtsstrategie an die jeweiligen Vorlieben anzupassen. Durch visuelle Elemente, praktische Aktivitäten, Frage-und-Antwort-Spiele oder Gruppendiskussionen schaffen Sie integrative Lernumgebungen und gestalten den Unterricht ansprechender und interessanter.
Lehrkräfte können bereits bei der Erstellung von Ausbildungsprogrammen verschiedenste Aktivitäten vorsehen, die den unterschiedlichen Präferenzen gerecht werden. Das können Selbstbeobachtungsübungen oder Recherchen für Reflektierer beziehungsweise die Lösung realer Probleme und Fallstudien für Pragmatiker sein. Abwechslungsreiche Lernerfahrungen halten die Aufmerksamkeit hoch und sorgen dafür, dass alle vier Phasen des Lernzyklus vorkommen.
Im beruflichen Umfeld
Ein Manager, der weiß, auf welche Art seine Mitarbeiter Informationen verarbeiten, kann sein Team besser führen und die Entwicklung der Teammitglieder fördern. Arbeitet er beispielsweise mit einem Aktivisten zusammen, kann er ihm die Gelegenheit bieten, praktische Lernerfahrungen zu machen.
Ein Theoretiker wird es dagegen schätzen, komplexe Zusammenhänge zu untersuchen oder an strukturierten Brainstorming-Sitzungen teilzunehmen. Wer die Lernpräferenzen im Team kennt, kann Lernangebote abwechslungsreicher gestalten. Werden die Mitarbeiter dazu angeleitet, ihren eigenen Lernstil herauszufinden, dann können sie ihre berufliche Weiterentwicklung gezielter planen.
Wie aussagekräftig ist das Modell von Honey und Mumford?
Das Modell ist anschaulich und in der Personalentwicklung weit verbreitet. Wie bei allen Lernstilmodellen sollten Sie es dennoch nicht als Diagnose verstehen. Eine vielzitierte Übersichtsarbeit von Pashler und Kollegen (2008) fand kaum Belege für die Annahme, dass Menschen besser lernen, wenn der Unterricht genau zu ihrem bevorzugten Lernstil passt. Auch im deutschsprachigen Raum werden Lernstilmodelle laut einer Analyse von Anna-Lena Brown (2022) oft unkritisch übernommen.
Seinen größten Nutzen entfaltet das Modell deshalb an anderer Stelle:
- Als Reflexionsanlass: Der Fragebogen regt Mitarbeitende an, über das eigene Lernverhalten nachzudenken und schwächer ausgeprägte Stile bewusst zu trainieren.
- Als Planungshilfe: Eine Schulung, die Ausprobieren, Auswerten, Einordnen und Planen verbindet, durchläuft den kompletten Lernzyklus und spricht damit alle vier Stile an.
- Als gemeinsame Sprache: Teams können mit den vier Begriffen leichter darüber sprechen, wie sie neue Aufgaben angehen.
Bei einer Software-Einführung kann das so aussehen: Die Teilnehmenden probieren einen Prozess zunächst in einer Übungsumgebung aus, besprechen anschließend ihre Fehler, lernen die Regeln dahinter kennen und planen, wie sie das Gelernte im eigenen Arbeitsalltag anwenden.
Häufig gestellte Fragen
Wann haben Honey und Mumford ihr Modell entwickelt?
Peter Honey und Alan Mumford, zwei britische Experten für Managemententwicklung, veröffentlichten ihr Modell der Lernstile 1982 zusammen mit dem Learning Styles Questionnaire (LSQ). Sie stützten sich dabei auf den Lernzyklus, den David Kolb 1984 beschrieben hatte, und übertrugen ihn auf die Weiterbildung von Führungskräften. Das Modell unterscheidet vier Lernstile: Aktivist, Reflektierer, Theoretiker und Pragmatiker.
Welcher Lernstil nach Honey und Mumford ist der beste?
Keiner der vier Lernstile nach Honey und Mumford ist besser als die anderen. Nach dem Modell durchläuft erfolgreiches Lernen alle vier Phasen des Lernzyklus: eine Erfahrung machen, sie auswerten, Schlussfolgerungen ziehen und die nächsten Schritte planen. Wer nur einen Stil stark ausgeprägt hat, überspringt leicht einzelne Phasen. Honey und Mumford empfehlen daher, auch die schwächer ausgeprägten Stile gezielt zu üben.
Was zeichnet einen Pragmatiker nach Honey und Mumford aus?
Pragmatiker im Sinne von Honey und Mumford wollen wissen, ob eine Idee in der Praxis funktioniert. Sie suchen nach Methoden, die sie sofort auf ihre Arbeit übertragen können, und lernen am besten an realistischen Beispielen, Fallstudien und mit klarem Praxisbezug. Lange theoretische Herleitungen ohne erkennbaren Nutzen schätzen sie dagegen wenig. Im Lernzyklus steht der Pragmatiker für die Phase, in der die nächsten Schritte geplant werden.
Wie lässt sich das Modell von Honey und Mumford in der Software-Schulung nutzen?
In der Software-Schulung hilft das Modell von Honey und Mumford, Lerneinheiten vollständig zu planen. Aktivisten profitieren vom sofortigen Ausprobieren in einer Übungsumgebung, Reflektierer von einer kurzen Auswertung, Theoretiker von der Erklärung der Prozesslogik und Pragmatiker von Aufgaben aus dem eigenen Arbeitsalltag. Kontextbezogene Hilfen direkt in der Anwendung unterstützen nach dem Go-live die praktische Umsetzung.
Quellen
- MTD Training, „The Honey and Mumford Learning Cycle“, 21.02.2024
- Pashler, McDaniel, Rohrer, Bjork, „Learning Styles: Concepts and Evidence“, Psychological Science in the Public Interest 9 (3), 2008
- Anna-Lena Brown (PH Heidelberg), „‚Mythos‘ Lernstile – die Evidenz und ihre Relevanz in der deutschsprachigen Mediendidaktik“, Medienimpulse 60 (4), 2022