Das VARK-Modell unterscheidet vier bevorzugte Wege, Informationen aufzunehmen: visuell (V), auditiv (A), über Lesen und Schreiben (R für „Read/Write“) und kinästhetisch (K). Entwickelt hat es der neuseeländische Pädagoge Neil Fleming, der 1987 den VARK-Fragebogen vorstellte. Viele Menschen kombinieren mehrere Präferenzen; das Modell dient vor allem dazu, über das eigene Lernen nachzudenken.
Das Wichtigste in Kürze
- VARK steht für Visual, Aural, Read/Write und Kinesthetic – visuell, auditiv, Lesen/Schreiben und kinästhetisch.
- Neil Fleming stellte den VARK-Fragebogen 1987 vor; 1992 veröffentlichte er das Modell gemeinsam mit Colleen Mills.
- Viele Menschen sind multimodal und nutzen je nach Situation mehrere Lernstile.
- Dass Unterricht im bevorzugten Stil den Lernerfolg erhöht, ist wissenschaftlich nicht belegt; VARK eignet sich vor allem als Reflexionshilfe.
Hinter dem VARK-Modell steht die Idee, dass Menschen Informationen über bestimmte Sinneskanäle bevorzugt aufnehmen und dass es beim Lernen hilft, diese Vorlieben zu kennen. Insofern zielt das Konzept darauf ab, den Lernprozess an die individuellen sensorischen Stärken und Bedürfnisse der Lernenden anzupassen. Bei Knowmore erfahren Sie mehr über das VARK-Modell und wie man damit das Lernen im Rahmen der beruflichen Weiterbildung unterstützen kann.
Was versteht man unter dem VARK-Modell?
Das VARK-Modell wurde von Neil Fleming entwickelt. Der neuseeländische Pädagoge stellte 1987 den VARK-Fragebogen vor und veröffentlichte das Modell 1992 gemeinsam mit Colleen Mills. Es basiert auf seinen Beobachtungen, auf welche Weise Studierende am liebsten lernen. Dabei stellte er fest, dass manche lieber visuelle Informationen ansehen (Diagramme, Schaubilder, Karten usw.), während andere akustische Informationen (Vorträge, Podcasts usw.) bevorzugen. Wieder andere, so bemerkte Neil Fleming, lesen oder machen sich Notizen. Eine vierte Gruppe wiederum lernt durch den praktischen Umgang mit Informationen, also durch Simulationen und Demonstrationen.
Fleming arbeitete daher einen Fragebogen aus, mit dem Lernende bestimmen können, auf welche Art sie in verschiedenen Situationen am liebsten lernen. Das Ergebnis beschreibt ihren jeweils bevorzugten Lernstil bzw. ihre bevorzugten Lernstile. Das VARK-Modell ist demnach ein Hilfsmittel, mit dem man mehr über seine Vorlieben beim Lernen erfahren kann.
Wie funktioniert der VARK-Fragebogen?
Der VARK-Fragebogen ist kostenlos online verfügbar, auch in einer deutschen Übersetzung. Er umfasst 16 Fragen zu Alltagssituationen, etwa: Wie erklären Sie jemandem den Weg zum Bahnhof? Wie bringen Sie sich ein neues Computerprogramm bei? Wie hätten Sie nach einem Test gern Ihr Feedback?
Zu jeder Frage gibt es vier Antworten, die jeweils einer Präferenz entsprechen. Mehrfachantworten sind ausdrücklich erlaubt, Fragen ohne Bezug zum eigenen Alltag dürfen übersprungen werden. Das Ergebnis ist deshalb kein einzelner „Lerntyp“, sondern ein Profil mit Werten für V, A, R und K. Wer in mehreren Bereichen ähnlich hohe Werte erreicht, gilt als multimodal.
Für die Auswertung im Unternehmen gilt:
- Das Ergebnis beschreibt Vorlieben, keine Fähigkeiten. Niemand lernt nur über einen Kanal.
- Der Fragebogen eignet sich als Einstieg in ein Gespräch über Lerngewohnheiten, etwa zu Beginn einer längeren Weiterbildung.
- Laut den Anbietern soll VARK Lernenden helfen, sich selbst besser zu verstehen, und Lehrenden zeigen, wie vielfältig ihre Methoden sein müssen, um alle zu erreichen (Einführung in VARK).
Darum sollten Sie Ihren VARK-Lernstil kennen
Es gibt mehrere Gründe, warum es sinnvoll ist, seinen persönlichen Lernstil nach dem VARK-Modell zu kennen. Mitarbeiter können dann beispielsweise Strategien und Ressourcen nutzen, die ihre Stärken am besten berücksichtigen und denLernprozess angenehmer und effizienter gestalten. Ausbilder, die das VARK-Modell und damit den Lernstil der Mitarbeiter kennen, können ein Lernumfeld schaffen, das ihren Bedürfnissen entgegenkommt. Wer seine Vorlieben kennt, kann gezielter Lernstrategien auswählen und bewusster über das eigene Lernen nachdenken.
Die Lernstile des VARK-Modells
Das VARK-Modell beschreibt vier Lernstile: visuell, auditiv, über Lesen und Schreiben sowie kinästhetisch. Jeder Stil entspricht der Art, wie eine Person Informationen am liebsten verarbeitet. Kennt man diese Stile, kann man die Unterrichtsmethoden abwechslungsreicher gestalten. Dass eine Anpassung an den jeweiligen Stil das Behalten verbessert, ist wissenschaftlich allerdings nicht belegt.
Visuelles Lernen (V)
Visuelle Lerntypen lernen besser, wenn sie Informationen sehen. Sie fühlen sich von optischen Darstellungen angesprochen und bevorzugen Diagramme, Schaubilder, Flussdiagramme und andere Grafiken, um Informationen zu erfassen und zu verarbeiten. Sie erinnern sich viel leichter an alles, was ihnen in visueller Form präsentiert wurde. Visuelle Lerntypen arbeiten in Schulungen gern mit Skizzen, Mindmaps und farbigen Markierungen, um Inhalte zu strukturieren.
Auditives Lernen (A)
Der auditive Lerntyp lernt am besten durch die Vermittlung akustischer Informationen. Er tauscht sich gern im Gespräch aus, hört gern Vorträge und nimmt an Gruppendiskussionen teil. Auditive Lerntypen ziehen es vor, Informationen zu hören, und behalten demzufolge Lernstoff besser, wenn sie ihn laut lesen oder Aufzeichnungen anhören. Vertriebsmitarbeiter können ihre Fähigkeiten beispielsweise verbessern, wenn sie Verkaufsgespräche mündlich durchgehen und anschließend gemeinsam besprechen. Podcasts und Tonaufnahmen sind daher geeignete Hilfsmittel für den auditiven Lerntyp.
Lernen durch Lesen/Schreiben (R/W)
Für Lerntypen, die durch Lesen/Schreiben am besten lernen, sind schriftliche Informationen ideal. Solche Menschen arbeiten vorzugsweise mit Berichten, Büchern und anderen schriftlichen Quellen. Sie können neue Ideen effizienter aufnehmen, wenn sie sie lesen, wichtige Dinge anstreichen, sich Notizen machen und Zusammenfassungen erstellen.
Lerntypen, die durch Lesen/Schreiben am besten lernen, zeichnen sich oft dadurch aus, dass sie ihre Gedanken am liebsten schriftlich festhalten, etwa in Berichten, Listen oder Protokollen.
Kinästhetisches Lernen (K)
Der kinästhetische Lerntyp lernt durch körperliche Erfahrungen und praktische Aktivitäten. Entscheidend ist der Bezug zu realen Erfahrungen und Beispielen. Rollenspiele, Demonstrationen und reale Szenarien sind ideal für ihn, um sich mit neuem Stoff auseinanderzusetzen. Kinästhetische Lernende fühlen sich in Workshops, bei der Arbeit vor Ort und überall dort wohl, wo sie die in Schulungen vermittelten Fähigkeiten praktisch umsetzen können.
Lernprozess an den VARK-Lernstil anpassen
Eine wichtige Aufgabe von Ausbildern ist es, Lernangebote so zu gestalten, dass sie unterschiedliche VARK-Präferenzen ansprechen, um ein optimales Lernumfeld im Unternehmen zu schaffen. Dafür stehen ihnen verschiedene Techniken zur Verfügung, unter anderem:
- den Lernstil der einzelnen Lernenden ermitteln,
- verschiedene Lehrmaterialien einsetzen (schriftliche Unterlagen, Videos …),
- Ansätze für multimodales Lernen umsetzen,
- ein anregendes Lernumfeld schaffen.
Lehrkräfte können die Lernenden zum Beispiel den VARK-Fragebogen ausfüllen lassen und die Ergebnisse gemeinsam besprechen. Auch informelle Gespräche und Einschätzungen helfen dabei, den im VARK-Modell beschriebenen Lernstil der Lernenden herauszufinden.
Um den individuellen Bedürfnissen aller zu entsprechen, sollten Ausbilder verschiedene Materialien einsetzen. Für den visuellen Lerntyp sind grafische Materialien (Diagramme, Schaubilder …) besser geeignet, während der auditive Lerntyp Audioaufnahmen vorzieht. Im beruflichen Umfeld gilt, dass die Mitarbeiter die Möglichkeit haben sollten, aus verschiedenen Angeboten dasjenige zu wählen, das ihren sensorischen Vorlieben entgegenkommt (schriftliche Berichte, praktische Demonstrationen, Gruppendiskussionen …). Wenn Sie ein inklusives Umfeld schaffen, können Lernende ihre Lernpräferenzen zum Ausdruck bringen und bei Bedarf um Unterstützung oder Anpassungen bitten.
Ist das VARK-Modell wissenschaftlich belegt?
Dass Menschen Vorlieben bei der Aufnahme von Informationen haben, bestreitet niemand. Umstritten ist die weitergehende Annahme, dass sie besser lernen, wenn der Unterricht genau zu ihrem bevorzugten Kanal passt – in der Forschung als Meshing-Hypothese bezeichnet. Eine vielzitierte Übersichtsarbeit von Pashler, McDaniel, Rohrer und Bjork (2008) fand dafür kaum belastbare Belege. Nur wenige Studien waren methodisch geeignet, die Hypothese zu prüfen, und mehrere davon widersprachen ihr.
Für die Praxis heißt das nicht, dass VARK wertlos ist. Das Modell erinnert daran, Inhalte über mehrere Kanäle zu vermitteln, und regt Lernende an, über ihr eigenes Lernen nachzudenken. Entscheidend ist aber der Lerninhalt: Den Aufbau einer Benutzeroberfläche zeigt man am besten am Bildschirm, einen Arbeitsablauf übt man am besten selbst – unabhängig vom VARK-Profil. Bei der Einführung neuer Software bewährt sich deshalb eine Kombination aus kurzer Erklärung, Demonstration, Übung in einer realistischen Umgebung und schriftlichen Anleitungen zum Nachschlagen.
Häufig gestellte Fragen
Wofür stehen die Buchstaben V, A, R und K?
VARK steht für die englischen Begriffe Visual, Aural, Read/Write und Kinesthetic. Auf Deutsch sind das visuelles Lernen über Diagramme und Schaubilder, auditives Lernen über Zuhören und Gespräche, Lernen durch Lesen und Schreiben von Texten sowie kinästhetisches Lernen über praktische Erfahrung und Übung. Neil Fleming wählte diese vier Kategorien, um die bevorzugten Sinneskanäle beim Lernen zu beschreiben.
Was ist der Unterschied zwischen VAK und VARK?
Das ältere VAK-Modell unterscheidet nur drei Lernstile: visuell, auditiv und kinästhetisch. Neil Fleming ergänzte im VARK-Modell eine vierte Kategorie für Lesen und Schreiben, weil viele Lernende Informationen bevorzugt über Texte aufnehmen. Zudem betont VARK, dass viele Menschen mehrere Präferenzen kombinieren. Wer mehr über diese und weitere Modelle erfahren möchte, findet einen Überblick über acht Lernstilmodelle.
Was bedeutet multimodal im VARK-Modell?
Multimodal bedeutet im VARK-Modell, dass jemand nicht nur einen, sondern zwei, drei oder alle vier Lernstile ähnlich stark bevorzugt. Multimodale Lernende wechseln je nach Situation zwischen den Zugängen oder kombinieren sie, etwa indem sie einen Vortrag hören und gleichzeitig ein Diagramm skizzieren. Der VARK-Fragebogen erfasst diese Kombinationen, weil Mehrfachantworten erlaubt sind.
Wie hilft das VARK-Modell bei Software-Schulungen?
Bei Software-Schulungen hilft das VARK-Modell vor allem als Checkliste für abwechslungsreiche Lernmaterialien: Screenshots und Prozessgrafiken für visuelle, kurze Erklärvideos oder Gespräche für auditive, Schritt-für-Schritt-Anleitungen für textorientierte sowie Übungen in der Anwendung für kinästhetische Lernende. Da Software-Kenntnisse Handlungswissen sind, sollte die praktische Übung bei allen Teilnehmenden im Mittelpunkt stehen.