Lerntheorien erklären, wie Menschen Wissen und Fähigkeiten erwerben. In Pädagogik und betrieblicher Weiterbildung unterscheidet man vor allem fünf Lernmodelle: Behaviorismus (Lernen durch Reiz und Verstärkung), Kognitivismus (Lernen als Informationsverarbeitung), Konstruktivismus (aktiver Aufbau von Wissen), Konnektivismus (Lernen in Netzwerken) und Humanismus (Lernen als persönliche Entfaltung). Learning by Doing gehört zum konstruktivistischen Ansatz.
Das Wichtigste in Kürze
- Lerntheorien beschreiben, wie Lernen abläuft; die fünf verbreitetsten Ansätze sind Behaviorismus, Kognitivismus, Konstruktivismus, Konnektivismus und Humanismus.
- Der Behaviorismus erklärt Lernen über Reize und Verstärkung, der Kognitivismus über die Verarbeitung von Informationen im Gedächtnis.
- Learning by Doing gehört zum Konstruktivismus: Lernende bauen Wissen aktiv auf, indem sie Aufgaben selbst ausführen.
- In der betrieblichen Weiterbildung werden die Ansätze meist kombiniert: kurze Erklärungen, Übungen mit Feedback und das Erproben echter Arbeitsschritte.
Lernen ist ein komplexer Prozess, der zudem bei jedem Individuum anders abläuft. In Psychologie und Pädagogik haben sich fünf grundlegende Lerntheorien etabliert, die das Lernen jeweils aus einer anderen Perspektive erklären. Mithilfe dieser Lernmodelle kann man das Verhalten und die Reaktionen von Lernenden in konkreten Lernsituationen besser entschlüsseln. Gleichzeitig bieten sie Ansatzpunkte, um Probleme zu lösen, die während des Lernprozesses möglicherweise auftreten. Ausbilder können sich auf diese Theorien stützen, um den Bedürfnissen jedes Einzelnen gerecht zu werden und so ein Lernumfeld zu schaffen, in dem sich alle wohlfühlen. Das führt letzten Endes zu einem Bildungskontext, der dem Lernen förderlich ist, egal, ob in der Schule oder am Arbeitsplatz. Dieser Leitfaden von Knowmore gibt Ihnen einen Überblick über fünf wichtige Lernmodelle sowie über die Rolle von Learning by Doing.
1. Das behavioristische Modell
Das behavioristische Lernmodell prägte lange Zeit den Unterricht und das sogenannte programmierte Lernen.
Definition von Behaviorismus
Das behavioristische Lernmodell – wie der Name schon sagt, basiert es auf dem Behaviorismus – betrachtet ausschließlich beobachtbares Verhalten und erklärt Lernen als Verknüpfung von Reizen und Reaktionen. Es betont die zentrale Rolle, die das Umfeld für ein bestimmtes Verhalten spielt. Angeborene Anlagen spielen in dieser Sichtweise kaum eine Rolle; entscheidend sind die Konsequenzen, die auf ein Verhalten folgen. Lehrende gestalten deshalb vor allem die Lernumgebung und die Rückmeldungen.
Ein Unternehmen kann beispielsweise einen Angestellten mit einer Prämie belohnen, wenn er einen großen Auftrag abgeschlossen hat. In der Folge wird sich dieser Mitarbeiter noch mehr einsetzen, um erneut eine Belohnung zu erhalten. Das veranschaulicht das Prinzip der positiven Verstärkung, eines der zentralen Elemente des Behaviorismus.
Wie integriert man dieses Lernmodell in die betriebliche Weiterbildung?
Berücksichtigen Sie die Ansätze des Behaviorismus in Ihren Weiterbildungsprogrammen. Bei diesem Lernmodell zeigen Sie den Mitarbeitern, wie sie auf bestimmte Reize reagieren sollen. Regelmäßige Wiederholung des Gelernten ist hierbei ein wesentlicher Faktor, um das gewünschte Verhalten zu erreichen.
Sinnvoll sind Techniken wie:
- angeleitete Schulungen
- praktische Übungen
- positive Verstärkung
Beispiel für dieses Lernmodell
Theorie: operante Konditionierung (Skinner)
Beispiel: Belohnung und Bestrafung im Rahmen der beruflichen Weiterbildung können dazu führen, dass ein bestimmtes Verhalten verstärkt gezeigt oder vermieden wird.
Setzen Sie daher bei Mitarbeiterschulungen die positive Verstärkung nach dem Prinzip der operanten Konditionierung nach Skinner ein.
2. Das kognitive Modell
Der Kognitivismus entstand Mitte der 1950er-Jahre mit der sogenannten kognitiven Wende, in einer Zeit, als auch die künstliche Intelligenz (KI) ihre ersten Gehversuche machte. Dieses Lernmodell konzentriert sich mehr auf den Prozess als auf das beobachtete Verhalten.
Definition von Kognitivismus
Anders als beim Behaviorismus oder beim Learning by Doing setzen die Verfechter des Kognitivismus auf die inneren, nicht direkt beobachtbaren Vorgänge während des Lernprozesses. Das kognitive Lernmodell geht davon aus, dass es wichtig ist, die „Blackbox“ des Gehirns zu verstehen und zu nutzen.Die Mitarbeiter eines Unternehmens sind bei diesem Modell also Informationsverarbeiter. Wissen besteht aus kognitiven Strukturen, sogenannten Schemata. Lernen setzt voraus, die kognitiven Schemata des Lernenden zu verändern. Dieser pädagogische Ansatz ist als Reaktion auf den Behaviorismus entstanden.
Wie setzt man dieses Lernmodell in Weiterbildungen um?
In diesem Fall nehmen die Teilnehmer aktiv am Lernprozess teil. Sie entwickeln individuelle Strategien, um Inhalte zu verstehen, zu lernen und zu verarbeiten.
Beispiel für dieses Lernmodell
Theorie: Modell der Informationsverarbeitung
Beispiel: Es geht darum, zu verstehen, wie Arbeitsgedächtnis, Langzeitgedächtnis und Regenerationsphasen den Aufbau von Fortbildungen beeinflussen.
Die Theorie der Schemata wird genutzt, um Unterlagen für das Onboarding von Mitarbeitern zu verbessern, indem neue Informationen mit vorhandenem Wissen verknüpft werden.
3. Das konstruktivistische Modell
Eine weitere Option ist der Konstruktivismus. Dieses Lernkonzept basiert auf dem einfachen Prinzip, dass Lernende sich Wissen aktiv aneignen müssen. Sie bauen neues Wissen auf ihrem Vorwissen und ihren eigenen Erfahrungen auf. Die Learning-by-Doing-Methode geht auf den US-amerikanischen Pädagogen John Dewey zurück und setzt auf aktive Beteiligung.
Definition von Learning by Doing
Unter Learning by Doing versteht man Lernen durch praktische Umsetzung. Im Unternehmen werden die Mitarbeiter in Tätigkeiten eingebunden, die ihnen dabei helfen, Erfahrungen zu machen und auf diese Weise zu lernen. Die Tatsache, dass sie sich nicht auf theoretisches Wissen beschränken, unterstützt das langfristige Behalten von Informationen. Mithilfe dieser Methode kann man neues Wissen besser verstehen und verinnerlichen.
Learning by Doing basiert auf zwei zentralen Elementen: Wiederholen und Nachahmen.
- Nachahmen animiert Lernende, neue Vorgehensweisen zu übernehmen, wenn andere sie vorleben. Das erleichtert ebenfalls die Digital Adoption.
- Durch Wiederholen werden neue Kompetenzen verankert. Jemand, der Geige spielen lernt, könnte beispielsweise zunächst die Vorgehensweise theoretisch lernen und dann erst mit dem eigentlichen Musizieren beginnen. Bei Learning by Doing beginnt er sofort zu spielen und lernt auf diese Weise, die richtigen Töne zu treffen.
Die Vorteile von Learning by Doing
Learning by Doing hat zahlreiche Vorteile:
- Lernen durch praktische Umsetzung ist hilfreich, um sich Informationen besser zu merken.
- Der Ansatz steigert die Effizienz und Autonomie der Mitarbeiter. Diese werden in die Lage versetzt, komplexe Probleme selbstständig zu lösen, was sowohl zu einer Zeitersparnis als auch zu einer Reduzierung der Weiterbildungskosten führt.
- Das Konzept hilft zudem dabei, die Beschäftigten durch Veränderungsprozesse im Unternehmen zu begleiten.
Wie integriert man Learning by Doing in die betriebliche Weiterbildung?
Learning by Doing ist besonders im Rahmen von Change Management und Unternehmensschulungen nutzbringend. Durch den konstanten technologischen Fortschritt sind die Menschen heute immer häufiger gezwungen, sich mit neuen Tools vertraut zu machen. Mit diesem Lernmodell fördern Sie bei Ihren Mitarbeitern das Lernen durch praktische Anwendung. Mit unserer Digital-Adoption-Software werden sie beispielsweise beim Lernprozess angeleitet.
Bei Knowmore setzen wir im Wesentlichen auf Learning by Doing und bieten daher kontextbezogene Tutorials sowie interaktive Anleitungen an. Diese Lösungen
- reduzieren Supportanfragen,
- erhöhen die Zufriedenheit der Anwender,
- erleichtern das Onboarding neuer Anwender.
Die Tools werden direkt in die Benutzeroberfläche der Anwendung integriert, damit die Benutzer durch konkretes Ausführen von Tätigkeiten lernen.
Beispiel für dieses Lernmodell
Theorie: Modell des erfahrungsbasierten Lernens nach Kolb
Beispiel: Konkrete Erfahrungen, reflektiertes Beobachten, abstrakte Konzeptualisierung und aktives Experimentieren stehen im Vordergrund.
Für Vertriebsteams werden beispielsweise Szenarien für Rollenspiele entwickelt, die auf dem Zyklus des erfahrungsbasierten Lernens nach Kolb basieren.
4. Das konnektivistische Modell
Dieses derzeit jüngste Lernmodell setzt auf neue Technologien und kollektives Lernen.
Definition von Konnektivismus
Konnektivismus erklärt, wie durch digitale Technologien und das Internet neue Möglichkeiten des Lernens entstanden sind. Dabei werden unter anderem Websites, soziale Netzwerke, Diskussionsforen und E-Mails einbezogen. Auf diese Weise eignen sich Mitarbeiter neues Wissen an und teilen es mit anderen.
Wie integriert man dieses Lernmodell in Weiterbildungskonzepte?
Der Konnektivismus geht davon aus, dass Wissen in Netzwerken aus Menschen und digitalen Quellen verteilt ist und Lernen vor allem darin besteht, diese Verbindungen aufzubauen. Ermutigen Sie daher Ihre Mitarbeiter, Online-Schulungen zu absolvieren. Beantworten Sie Fragen der Beschäftigten über diese Kanäle und tauschen Sie Wissen darüber aus.
Fordern Sie die Beschäftigten dazu auf, sich Informationen online zu beschaffen und die Ergebnisse dann an andere weiterzugeben. Auf diese Weise schaffen Sie in Ihrem Unternehmen eine vernetzte Community, die sich gegenseitig unterstützt.
Beispiel für dieses Lernmodell
Theorie: Konnektivismus nach Siemens und DownesBeispiel: Netzwerke zum Lernen und digitale Tools erleichtern den Austausch von Wissen im beruflichen Umfeld.Integriert man soziale Netzwerke und Lernplattformen, so fördert dies das Lernen nach dem konnektivistischen Lernmodell.
5. Das humanistische Modell
Beim humanistischen Lernmodell stehen der Lernende und seine Bedürfnisse im Zentrum des Lernprozesses. Es beruht auf psychologischen Arbeiten von Humanisten wie Carl Rogers und Abraham Maslow.
Definition der humanistischen Theorie
Die humanistische Pädagogik berücksichtigt alle Aspekte eines Individuums: Gedanken, Emotionen, Intellekt, soziale Kontakte, Fähigkeiten. Autonomie und Selbstachtung der Mitarbeiter sind daher die Voraussetzung für erfolgreiche Schulungen. Ausbilder sollten ein wohlwollendes Klima schaffen und jedes Individuum als Person wertschätzen.
Wie integriert man das humanistische Lernmodell in die betriebliche Weiterbildung?
- Fördern Sie den Aufbau positiver Beziehungen zwischen den Mitarbeitern.
- Organisieren Sie Unternehmensevents wie Sportangebote nach der Arbeit, Restaurantbesuche oder Ausflüge.
- Setzen Sie auf Teambuilding-Aktivitäten, um den Zusammenhalt zwischen den Kollegen zu stärken.
- Vor allem ist es wichtig, die Angestellten als Individuen zu respektieren.
- Helfen Sie ihnen dabei, nicht nur ihre beruflichen, sondern auch ihre persönlichen Ziele zu erreichen.
- Animieren Sie sie dazu, über sich hinauszuwachsen und sich neuen Herausforderungen zu stellen.
Learning by Doing hat sich als Weiterbildungsmethode bewährt und gehört zu den beliebtesten Lernkonzepten. Das Lernmodell basiert auf dem Konstruktivismus und unterstützt die Akzeptanz neuer Software in Unternehmen. Die Methode setzt auf Lernen durch praktisches Anwenden und steigert auf diese Weise die Leistung der Mitarbeiter. Sie fördert autonomes Arbeiten und das Merken von Informationen, was sich positiv auf die Unternehmensergebnisse auswirken kann. Vertrauen Sie auf die Kompetenz von Knowmore, um Learning by Doing in Ihrem Unternehmen umzusetzen.
Beispiele für dieses Lernmodell
Theorie: Gesprächspsychotherapie (auch personzentrierter Ansatz genannt) nach Rogers
Beispiel: Ein schützendes und wohlwollendes Umfeld schaffen, in dem Lernende sich wohlfühlen.
Theorie: Bedürfnispyramide nach Maslow
Beispiel: Die Fortbildung der Mitarbeiter soll zu ihrer persönlichen Entwicklung und Selbstverwirklichung beitragen.
Es gilt, individuelle Lernprozesse zu entwickeln, die sich an humanistischen Prinzipien orientieren.
Lerntheorien im Vergleich: Welcher Ansatz passt zu welchem Lernziel?
In der Praxis schließen sich die Lerntheorien nicht aus. Jede beleuchtet einen anderen Aspekt des Lernens und eignet sich daher für unterschiedliche Ziele:
| Lerntheorie | Lernen bedeutet … | Geeignet für |
|---|---|---|
| Behaviorismus | Verhalten durch Reize, Übung und Verstärkung festigen | Routinen, Standardabläufe, Compliance-Regeln |
| Kognitivismus | Informationen aufnehmen, verarbeiten und im Gedächtnis speichern | Fachwissen, Problemlösen, Verständnis von Zusammenhängen |
| Konstruktivismus | Wissen aktiv und auf Basis eigener Erfahrungen aufbauen | komplexe, situationsabhängige Aufgaben; Learning by Doing |
| Konnektivismus | Wissen in Netzwerken aus Menschen und digitalen Quellen finden und teilen | schnell veränderliches Wissen, Communities of Practice |
| Humanismus | sich als ganze Person selbstbestimmt weiterentwickeln | Persönlichkeits- und Führungskräfteentwicklung |
Ob der Konnektivismus eine eigenständige Lerntheorie ist, ist in der Fachwelt umstritten: Das „Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien“ (L3T) ordnet ihn als Ausläufer des Konstruktivismus ein. Für die Einführung neuer Software bewährt sich meist eine Kombination: kurze Erklärungen (Kognitivismus), Übungen mit direktem Feedback (Behaviorismus) und das Erproben echter Arbeitsschritte (Konstruktivismus).
Häufig gestellte Fragen
Welche Lerntheorien gibt es?
Zu den wichtigsten Lerntheorien zählen der Behaviorismus (Lernen durch Reiz, Reaktion und Verstärkung), der Kognitivismus (Lernen als Informationsverarbeitung) und der Konstruktivismus (aktiver Aufbau von Wissen). Häufig ergänzt werden der Konnektivismus, der Lernen in digitalen Netzwerken beschreibt, und der humanistische Ansatz nach Carl Rogers und Abraham Maslow. Eine Sonderstellung nimmt die sozial-kognitive Lerntheorie von Albert Bandura ein.
Was ist der Unterschied zwischen einer Lerntheorie und einem Lernstil?
Eine Lerntheorie erklärt allgemein, wie Lernen funktioniert – laut socialnet Lexikon ist sie „ein System aufeinander bezogener, allgemeingültiger Aussagen über Lernen“. Ein Lernstil beschreibt dagegen individuelle Vorlieben, etwa nach dem VARK-Modell. Lernstile sagen also etwas über Personen aus, Lerntheorien über den Lernprozess an sich.
Welche Lerntheorie eignet sich für die betriebliche Weiterbildung?
Für die betriebliche Weiterbildung gibt es nicht die eine richtige Lerntheorie. Für Routineabläufe und Regeln eignen sich behavioristische Elemente wie Übung und Feedback, für Fachwissen kognitivistische Methoden. Sollen Mitarbeitende neue Software oder Prozesse im Arbeitsalltag beherrschen, bietet sich ein konstruktivistischer Ansatz wie Learning by Doing an, weil sie direkt an echten Aufgaben lernen.
Was ist Konnektivismus?
Der Konnektivismus ist ein Lernansatz, den George Siemens und Stephen Downes um 2005 für das digitale Zeitalter formuliert haben. Er geht davon aus, dass Wissen in Netzwerken aus Menschen, Datenbanken und Online-Quellen verteilt ist. Lernen heißt demnach vor allem, die richtigen Verbindungen aufzubauen und aktuell zu halten. Ob der Konnektivismus eine eigenständige Lerntheorie ist, bleibt umstritten.
Wann entstand der Behaviorismus?
Der Behaviorismus entstand Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA. Als Begründer gilt John B. Watson, der 1913 forderte, die Psychologie solle sich auf beobachtbares Verhalten beschränken. Wichtige Grundlagen lieferten Iwan Pawlow mit der klassischen Konditionierung und später B. F. Skinner mit der operanten Konditionierung, die Lernen durch Belohnung und Bestrafung erklärt.
Quellen
- Gabi Reinmann, „Didaktisches Handeln“, in: Ebner, M. & Schön, S. (Hrsg.), „Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien (L3T)“, 2013
- Henning Pätzold & Barbara Sterzenbach, „Lerntheorie“, socialnet Lexikon, 09.07.2025
- Rita Kop & Adrian Hill, „Connectivism: Learning theory of the future or vestige of the past?“, The International Review of Research in Open and Distributed Learning 9(3), 2008