2nd-Level-Support: Aufgaben, Know-how und Abläufe im Second Level

Was macht der 2nd-Level-Support? Aufgaben, nötiges Know-how, Abgrenzung zum 1st und 3rd Level sowie Tipps zur Entlastung des Second-Level-Supports.

Von Marielle Gantenberg
8 Min. Lesezeit

Der 2nd-Level-Support (Second Level Support) ist die zweite Stufe im IT-Support. Er übernimmt alle Anfragen, die der 1st-Level-Support mit Standardlösungen nicht beheben kann, die aber noch kein Expertenwissen des 3rd Level erfordern: etwa Systemausfälle, fehlerhafte Updates, Berechtigungsprobleme oder Netzwerkstörungen. Techniker mit vertieftem System- und Anwendungswissen analysieren den Fehler, oft per Fernwartung, und eskalieren bei Bedarf weiter.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der 2nd-Level-Support übernimmt Anfragen, die der 1st Level nicht lösen kann, und gibt nur echte Expertenfälle an den 3rd Level weiter.
  • Typische Aufgaben sind Fehleranalyse, Systemkonfiguration, Berechtigungen, Server- und Netzwerkprobleme sowie die Pflege der Wissensdatenbank.
  • Über die Supportstufe entscheidet die Komplexität eines Problems; Dringlichkeit und Auswirkung bestimmen dagegen die Priorität des Tickets.
  • Gut dokumentierte Lösungen aus dem 2nd Level helfen dem 1st Level, ähnliche Fälle künftig selbst zu lösen.

Der 2nd-Level-Support ist die zweite Stufe im IT-Support und übernimmt Probleme, die der 1st-Level-Support nicht lösen kann. In diesem Fall ist das Know-how eines erfahrenen IT-Technikers gefragt, an den der Service Desk das Ticket weiterleitet. Per Fernwartung, telefonisch oder – bei Hardwaredefekten – vor Ort behebt er den Fehler, damit Anwendungen und Geräte wieder einsatzfähig sind. In diesem Beitrag erfahren Sie, was einen hochwertigen 2nd-Level-Support ausmacht.

Herausforderungen für den 2nd Level Support

Auf dem 2. Support-Level geht es in der Regel um die Behebung von Systemausfällen, die Abwehr von Malware-Angriffen, die Lösung von Serverproblemen usw. Manchmal müssen Helpdesk-Techniker im 2nd Level Support auch komplexe Updates installieren oder die Wissensdatenbank für den IT-Support des 1. Levels auf den neuesten Stand bringen.

Aufgabe des Teams ist es auch, komplexe Anwendungsprobleme vorherzusehen, die die Mitarbeiter bei ihrer Arbeit blockieren könnten. Im Idealfall ist einem Second-Level-Support-Techniker sofort klar, welche Auswirkung ein spezifisches IT-Problem auf die Produktivität und Leistungsfähigkeit der Nutzer hat. Auf diese Weise kann er bei Auftreten eines Vorfalls schnell eine präzise und problemorientierte Lösung bieten.

Was macht der 2nd-Level-Support? Abgrenzung zum 1st und 3rd Level

Im Stufenmodell des IT-Supports ist der 2nd Level das Bindeglied zwischen dem Service Desk und den Spezialisten. Laut Atlassian beginnen auf dieser Stufe die eigentlichen technischen Analysen: Systemausfälle, fehlerhafte Updates, Hardwaredefekte und Berechtigungsprobleme. Die folgende Übersicht zeigt die Abgrenzung:

StufeTypische AufgabenBeispiel
1st LevelAnnahme und Erfassung aller Anfragen, Standardlösungen, WeiterleitungPasswort zurücksetzen, Drucker verbinden
2nd LevelFehleranalyse, Konfiguration, Berechtigungen, Server- und Netzwerkprobleme, Pflege der WissensdatenbankFehlgeschlagenes Update auf mehreren Rechnern, fehlende Zugriffsrechte nach einer Umstrukturierung
3rd LevelUrsachenanalyse und Fehlerbehebung durch Entwickler, Architekten oder den HerstellerProgrammfehler in einer Schnittstelle zwischen ERP und CRM

Entscheidend ist die Komplexität: Kann der 1st Level ein Problem nicht mit dokumentierten Standardlösungen beheben, eskaliert er es an den 2nd Level. Erst wenn auch dort Fachwissen oder der Zugriff auf den Quellcode fehlen, geht das Ticket an den 3rd-Level-Support. Einen Gesamtüberblick bietet unser Beitrag zu den IT-Support-Levels.

Technisches Know-how und ständige Weiterbildung

Für den 2nd-Level-Support benötigt man Techniker, die sich in der Systemadministration und mit IT-Netzwerken sehr gut auskennen. Der Techniker muss unter anderem die TCP/IP-Protokollfamilie beherrschen, Netzwerkzugriffe freigeben, gängige Verbindungsprobleme lösen sowie einen Netzwerksicherheitsplan erstellen können. Die Analyse von Netzwerkdiensten wie DNS und DHCP ist ebenfalls Teil der technischen Unterstützung auf diesem Niveau.

Die Einrichtung von Windows-Servern und Microsoft 365, die Wartung der Active-Directory-Infrastruktur sowie die Verwaltung von Zugriffsrechten gehören ebenfalls zu den Aufgaben auf diesem Supportlevel. Da sich die eingesetzten Technologien ständig weiterentwickeln, müssen sich auch die Techniker im Second-Level-Support kontinuierlich weiterbilden und ihr Wissen auf dem neuesten Stand halten. Auf diese Weise können sie dann auch komplexere Probleme der Anwender erfolgreich lösen, sei es unter Windows oder unter macOS.

Fortschrittliche Vorgehensweisen

Um Nutzerprobleme auf dieser Ebene schnell und effizient lösen zu können, sind eine schnelle Erkennung und eine präzise Diagnose der Störung Voraussetzung. Jedes Problem – egal, ob die Software oder die Hardware betroffen ist – hat seine eigene Diagnosemethode: Fehlerbaumanalyse, Sichtprüfung, praktische Tests, Auswertung von Logdateien usw. Zunehmend unterstützen auch KI-Werkzeuge die Techniker, etwa indem sie ähnliche, bereits gelöste Tickets vorschlagen.

Wirkungsvolle Kommunikation und Zusammenarbeit

Das Helpdesk-Servicecenter muss sowohl mit den Anwendern als auch mit den internen Teams des Unternehmens klar und vorausschauend kommunizieren. Damit die Anwender empfohlene Vorgehensweisen dauerhaft übernehmen, muss das Supportteam ihr Vertrauen gewinnen: durch aufmerksames Zuhören und eine schnelle Bearbeitung der Anfragen. Stellt der Second-Level-Support fest, dass ein bestehendes Problem seinen Zuständigkeitsbereich übersteigt, muss das Ticket sofort an das nächsthöhere Supportlevel weitergegeben werden. Auf diese Weise werden Probleme ganzheitlich gelöst und das Risiko reduziert, dass dasselbe Problem erneut auftritt.

Zeit- und Prioritätenmanagement

Für einen bestmöglichen 2nd Level Support im Bereich IT ist es wichtig, dass man den eingegangenen Anfragen Prioritäten zuweist. Die Priorität hängt von der Dringlichkeit und der Auswirkung des Problems auf die betrieblichen Abläufe ab. Manche Störungen müssen schneller als andere gelöst werden, sodass unter Umständen externe Fachleute hinzugezogen oder andere Probleme zurückgestellt werden. Wie schnell ein Problem behoben sein muss, legen Service-Level-Agreements (SLAs) je nach Priorität fest; eine stark beeinträchtigte Kernanwendung hat dabei Vorrang. Bleibt eine solche Störung länger bestehen, kann das für das Unternehmen erhebliche finanzielle Folgen haben.

Wie lässt sich der 2nd-Level-Support entlasten?

Viele Tickets erreichen den 2nd Level nur, weil dem 1st Level eine dokumentierte Lösung fehlt oder Anwender ihre Software nicht sicher bedienen. Mit diesen Maßnahmen gewinnen Ihre Techniker Zeit für anspruchsvolle Fälle:

  • Lösungen nach vorn verlagern (Shift Left): Jede im 2nd Level gefundene Lösung wird als Anleitung für den 1st Level oder für den Self-Service aufbereitet.
  • Vollständige Tickets einfordern: Eine Checkliste legt fest, welche Angaben (Fehlermeldung, Screenshot, betroffene Anwender) vor der Eskalation vorliegen müssen.
  • Wiederkehrende Störungen analysieren: Häufen sich ähnliche Tickets, lohnt sich eine Ursachenanalyse im Rahmen des Problemmanagements, statt Symptome immer wieder einzeln zu beheben.
  • Anwender befähigen: Gezielte Schulungen und Hilfen direkt in der Anwendung verhindern viele Bedienfehler, bevor sie zum Ticket werden.

Messen Sie den Effekt, indem Sie regelmäßig auswerten, wie viele Tickets an den 2nd Level eskaliert werden und wie viele davon der 1st Level mit einer vorhandenen Anleitung hätte lösen können. Wie Sie das Ticketaufkommen insgesamt senken, beschreibt unser Beitrag Supportanfragen dauerhaft reduzieren.

Kontinuierliche Verbesserung und Feedback

Die IT-Leitung sollte den 2nd-Level-Support kontinuierlich verbessern. Dazu gehört neben der Weiterbildung der Techniker eine regelmäßige Auswertung der Ticketdaten, um daraus Hinweise auf mögliche Verbesserungen in der Zukunft abzuleiten. Der Helpdesk muss sich zudem auf das Feedback der Anwender stützen, um die Vorgehensweise bei der Lösung von Störungen zu verbessern.

Zentrale Hebel für eine bessere Supportqualität im 2nd Level sind Prioritätenmanagement und eine ständige Weiterbildung der Supporttechniker.

Digitale Hilfen direkt in der Anwendung, wie sie etwa eine Digital Adoption Platform bietet, können das Helpdesk-Team zusätzlich entlasten. Das ist vor allem für den Fernsupport sehr hilfreich. Die Techniker können auf einfache Weise maßgeschneiderte, interaktive Inhalte erstellen, die direkt in die Unternehmenssoftware integriert werden. Mit dieser Hilfe kann ein Anwender bei Problemen mit niedriger Priorität bestimmte Einstellungen selbstständig vornehmen. Auf diese Weise sinken Zeitaufwand und Kosten für den IT-Support. Lesen Sie auch unseren Artikel über den 1st-Level-Support.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der 2nd-Level-Support?

Der 2nd-Level-Support (Second Level Support) ist die zweite Stufe im IT-Support. Er übernimmt alle Anfragen, die der 1st-Level-Support nicht mit Standardlösungen beheben kann, die aber noch kein Expertenwissen des 3rd Level erfordern. Typische Fälle sind Systemausfälle, fehlerhafte Updates sowie Berechtigungs-, Server- und Netzwerkprobleme. Die Techniker arbeiten häufig per Fernwartung und pflegen die Wissensdatenbank für den 1st Level.

Was ist der Unterschied zwischen First- und Second-Level-Support?

Der First-Level-Support ist die erste Anlaufstelle: Er nimmt alle Anfragen entgegen, erfasst sie als Ticket und löst einfache Fälle wie Passwortprobleme oder Bedienfragen sofort. Der Second-Level-Support übernimmt die Tickets, die dafür zu komplex sind, und analysiert sie mit vertieftem System- und Anwendungswissen. Mehr zur ersten Stufe lesen Sie im Beitrag zum 1st-Level-Support.

Welche Qualifikation braucht man im 2nd-Level-Support?

Eine spezielle Ausbildung für den Support gibt es nicht. Im 2nd-Level-Support werden in der Regel eine Ausbildung zum Fachinformatiker oder ein Informatikstudium, mehrjährige Berufserfahrung in der IT und Grundkenntnisse im IT-Service-Management nach ITIL erwartet. Hinzu kommen kommunikative Fähigkeiten, denn die Techniker müssen technische Sachverhalte auch Anwendern ohne IT-Kenntnisse verständlich erklären.

Wann wird ein Ticket an den 2nd Level eskaliert?

Ein Ticket wird an den 2nd Level eskaliert, wenn der 1st-Level-Support das Problem nicht mit dokumentierten Standardlösungen beheben kann oder ihm die nötigen Berechtigungen fehlen. Damit der 2nd Level schnell arbeiten kann, sollte das Ticket eine genaue Fehlerbeschreibung, Fehlermeldungen oder Screenshots, die betroffenen Systeme und die bereits getesteten Lösungsschritte enthalten.

Sind 2nd-Level-Support und Second-Level-Support dasselbe?

Ja. 2nd-Level-Support, Second-Level-Support und Level-2-Support bezeichnen dieselbe Supportstufe; im Englischen sind auch Tier 2 oder L2 Support üblich. Die Schreibweise ohne Bindestriche („2nd Level Support“) ist zwar verbreitet, nach den deutschen Rechtschreibregeln werden solche Zusammensetzungen aber durchgehend mit Bindestrichen gekoppelt. Gemeint ist immer die Stufe zwischen dem 1st-Level-Support und dem 3rd-Level-Support.

DIGITALE ADOPTION

Fördern Sie die Nutzung Ihrer Business-Anwendungen

Entdecken Sie, wie Knowmore Ihre Mitarbeitenden direkt in ihren Anwendungen unterstützt.

Demo anfordern