RASCI ist eine Verantwortungsmatrix, die für jede Aufgabe eines Projekts festlegt, wer sie ausführt (Responsible), wer die Gesamtverantwortung trägt (Accountable), wer unterstützt (Support), wer beratend hinzugezogen wird (Consulted) und wer informiert wird (Informed). Der Unterschied zur RACI-Matrix liegt allein in dieser Support-Rolle: RACI kennt nur vier Rollen, RASCI macht zusätzlich sichtbar, wer bei der Ausführung aktiv mitarbeitet. Welche der beiden Matrizen zu Ihrem Projekt passt, zeigt der Vergleich in diesem Beitrag.
Das Wichtigste in Kürze
- RASCI steht für Responsible, Accountable, Support, Consulted, Informed.
- Der einzige Unterschied zu RACI ist die Support-Rolle (S): Personen, die die Ausführung aktiv mit Arbeit oder Ressourcen unterstützen.
- Pro Aufgabe gibt es genau eine Person mit der Rolle Accountable.
- RASIC bezeichnet dieselben fünf Rollen in anderer Reihenfolge.
- Die RASCI-Matrix eignet sich besonders für komplexe, bereichsübergreifende Projekte wie eine ERP-Einführung – ein Beispiel finden Sie unten.
Was ist RASCI? Definition der RASCI-Matrix
Die RASCI-Matrix (auch RASCI-Modell, RASCI-Methode oder RASCI-Diagramm) ist eine Abwandlung der RACI-Matrix. In beiden Fällen handelt es sich um ein visuelles Hilfsmittel, mit dem Projektmanager allen Beteiligten Aufgaben und Verantwortungsbereiche zuordnen. Die Matrix verteilt die Arbeit, legt Funktionen fest und dient allen Projektbeteiligten als gemeinsame Referenz.
Aufgebaut ist sie als einfache Tabelle: In den Zeilen stehen die Aufgaben oder Arbeitspakete, in den Spalten die Rollen oder Personen. In jede Zelle wird der passende Buchstabe eingetragen. Das Ziel: Unsicherheit ausräumen, Rollenüberschneidungen und doppelte Arbeit vermeiden und sicherstellen, dass keine Aufgabe ohne Verantwortlichen bleibt.
Verantwortungsmatrizen dieser Art haben sich über Jahrzehnte in der Praxis des Projekt- und Prozessmanagements entwickelt und lassen sich keiner einzelnen Person als Erfinder zuschreiben. Aufbau, Rollen und Anwendung im Detail erklärt unser Beitrag zur RASCI-Matrix.
Bedeutung von RASCI: die 5 Rollen im Detail
RASCI ist das Akronym von fünf englischen Begriffen. Jede Rolle beschreibt, in welchem Maß eine Person in eine Aufgabe eingebunden ist.
- Responsible (R) – Durchführungsverantwortung: Die Person oder das Team, das die Aufgabe ausführt und die eigentliche Arbeit erledigt. Es kann mehrere Responsible geben.
- Accountable (A) – Gesamtverantwortung: Die Person, die rechenschaftspflichtig ist, die Aufgabe abnimmt, Entscheidungen trifft und sicherstellt, dass das Ergebnis den Anforderungen entspricht. Pro Aufgabe gibt es nur eine Person mit dieser Rolle. Sie kann zugleich Responsible sein.
- Support (S) – Unterstützung: Personen, die den Responsible bei der Ausführung aktiv unterstützen, etwa mit Arbeitszeit, Fachwissen oder Ressourcen. Sie arbeiten mit, tragen aber nicht die Durchführungsverantwortung.
- Consulted (C) – Beratung: Personen, die vor einer Entscheidung oder während der Arbeit um Rat gefragt werden. Sie bringen Know-how ein; die Kommunikation verläuft in beide Richtungen.
- Informed (I) – Information: Personen, die über Fortschritt oder Ergebnis informiert werden müssen, ohne direkt an der Ausführung beteiligt zu sein. Die Kommunikation verläuft in eine Richtung.
Der Unterschied zwischen Support und Consulted sorgt in der Praxis am häufigsten für Fragen: Eine Support-Person arbeitet aktiv an der Aufgabe mit, eine Consulted-Person gibt Rat und Input, führt aber selbst nichts aus.
RACI vs. RASCI: die Unterschiede im Vergleich
Die RACI- und die RASCI-Matrix verfolgen dasselbe Ziel und sind funktionieren nach demselben Prinzip. Der auffälligste Unterschied ist die zusätzliche Rolle Support (S) in der RASCI-Matrix. Sie macht sichtbar, wer neben dem Responsible tatsächlich Arbeit leistet – etwas, das bei RACI oft unter „Responsible“ oder „Consulted“ verschwimmt.
| Kriterium | RACI | RASCI |
|---|---|---|
| Anzahl der Rollen | 4 (Responsible, Accountable, Consulted, Informed) | 5 (zusätzlich Support) |
| Mitwirkende ohne Hauptverantwortung | Nicht eigens abgebildet | Als Support (S) ausgewiesen |
| Detailgrad | Schlank, schnell erstellt | Feiner, zeigt die tatsächliche Arbeitsverteilung |
| Geeignet für | Kleinere, überschaubare Projekte mit klarer Arbeitsteilung | Komplexe, bereichsübergreifende Projekte mit vielen Beteiligten |
| Aufwand für die Pflege | Gering | Etwas höher |
| Grundregel | Genau ein Accountable pro Aufgabe, mindestens ein Responsible | |
Beide Matrizen helfen dabei, verwaiste oder nicht zugeteilte Aktivitäten zu erkennen. Sie zeigen zudem, ob Aufgaben doppelt vergeben wurden oder ob zu viele Personen informiert oder konsultiert werden. In der Praxis lässt sich damit auch die Arbeitsbelastung pro Funktionsträger analysieren: Häufen sich bei einer Person die R- und S-Einträge, ist sie wahrscheinlich überlastet.
Wie die RASCI-Matrix ist auch die RACI-Matrix ein Hilfsmittel, um komplexe Projekte oder Prozesse zu steuern. Ein ausführliches Beispiel für RACI finden Sie im Beitrag zum RACI-Diagramm.
Beispiel einer RACI-Matrix: Die folgende Grafik zeigt ein typisches Projekt in einem SaaS-Unternehmen – die Einführung einer neuen Funktion –, an dem CEO, CIO, CTO, Projektleitung, Vertrieb und Marketing beteiligt sind, verteilt auf die vier RACI-Rollen.
Beispiel einer RASCI-Matrix: ERP-Einführung
Eine ERP-Einführung ist ein typisches Projekt, in dem sich die Support-Rolle lohnt: Viele Abteilungen arbeiten mit, ohne die Hauptverantwortung zu tragen. Das folgende Beispiel zeigt eine vereinfachte RASCI-Matrix. Sie ist ein Muster und muss an Ihre Organisation angepasst werden.
| Aufgabe | Geschäftsführung (Sponsor) | Projektleitung | Implementierungspartner | IT-Abteilung | Key User Fachbereiche | Schulungsteam | Betriebsrat | Endanwender |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Projektziele und Budget freigeben | A | R | C | C | I | I | I | I |
| Soll-Prozesse definieren | I | A | S | C | R | I | – | C |
| System konfigurieren | – | A | R | S | C | – | – | – |
| Daten bereinigen und migrieren | – | A | S | R | S | – | – | I |
| Abnahmetests (UAT) durchführen | I | A | S | S | R | – | – | C |
| Schulungskonzept und Lerninhalte erstellen | – | A | C | C | S | R | C | I |
| Endanwender schulen | I | A | – | – | S | R | I | I |
| Go-live-Entscheidung treffen | A | R | C | C | C | I | I | I |
| Support nach dem Go-live (Hypercare) | I | A | S | R | S | S | – | I |
So lesen Sie die Matrix: Jede Zeile hat genau ein „A“. Die Key User sind bei den Soll-Prozessen und Tests Responsible, bei der Migration und der Schulung leisten sie Support. Der Betriebsrat wird bei den Schulungsinhalten konsultiert, da die Einführung neuer IT-Systeme in Deutschland nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG häufig mitbestimmungspflichtig ist. Ein Strich bedeutet: keine Beteiligung.
RASCI-Matrix erstellen: Schritt für Schritt
Wenn Sie die RASCI-Matrix erfolgreich im Projektmanagement einsetzen wollen, gehen Sie schrittweise vor:
- Beteiligte festlegen: Klären Sie, welche Personen oder Rollen beteiligt sind, und tragen Sie sie als Spalten oben in die Matrix ein. Rollen sind meist stabiler als Namen.
- Aufgaben erfassen: Listen Sie alle Aufgaben in der linken Spalte auf. Bei großen Projekten können Sie übergeordnete Arbeitspakete in Unteraufgaben gliedern.
- Accountable zuerst vergeben: Legen Sie für jede Zeile genau eine Person mit der Rolle A fest.
- R, S, C und I ergänzen: Füllen Sie die übrigen Zellen aus. Farbcodes erleichtern den Überblick.
- Matrix prüfen: Hat jede Aufgabe mindestens ein R und genau ein A? Gibt es Personen mit zu vielen R- oder S-Einträgen? Werden zu viele Personen konsultiert?
- Abstimmen und teilen: Besprechen Sie die Matrix mit allen Beteiligten und machen Sie sie für das ganze Team zugänglich.
- Regelmäßig aktualisieren: Passen Sie die Matrix an, wenn sich Aufgaben oder Zuständigkeiten ändern.
Weisen Sie nicht mehr Personen als nötig dieselbe Rolle zu. So vermeiden Sie, dass Aufgaben länger dauern oder doppelt erledigt werden.
Vorteile der RASCI-Matrix
Die RASCI-Matrix vermittelt einen umfassenden Überblick über Aufgaben, Interaktionen und Kommunikationswege. In vielen Unternehmen entstehen Fehler, weil wichtige Arbeiten vergessen werden oder mehrere Personen dieselbe Tätigkeit ausführen. Mit der Matrix lassen sich solche Planungsfehler vermeiden.
- Klare Zuständigkeiten: Jedes Teammitglied kennt seine Funktion und seinen Verantwortungsbereich. Das reduziert Missverständnisse und verbessert die Zusammenarbeit.
- Sichtbare Mitarbeit: Die Support-Rolle zeigt, wer tatsächlich zur Ausführung beiträgt, und macht verdeckte Arbeitslast transparent.
- Effizientere Kommunikation: Es ist klar, wer gefragt und wer nur informiert werden muss.
- Schnellere Entscheidungen: Weil pro Aufgabe nur eine Person Accountable ist, gibt es keine Unklarheit darüber, wer entscheidet.
- Bessere Ressourcenplanung: Engpässe und Überlastungen werden früh erkannt.
Typische Probleme und Lösungsansätze
Obwohl die RASCI-Matrix einfach ist, kann die Umsetzung herausfordernd sein – vor allem, wenn Teammitglieder ihren Nutzen nicht kennen oder sich Zuständigkeiten in großen Teams überschneiden.
| Problem | Lösungsansatz |
|---|---|
| Mitarbeitende verstehen die Rollen nicht, besonders den Unterschied zwischen S und C | Rollen zu Projektbeginn kurz erklären und eine Legende in die Matrix aufnehmen |
| Mehrere Personen sehen sich als Accountable | Regel „ein A pro Aufgabe“ konsequent durchsetzen und Konflikte früh klären |
| Starrheit in dynamischen Organisationen | Matrix als lebendes Dokument behandeln und in festen Abständen überprüfen |
| Konflikte, weil sich Mitglieder an den Rand gedrängt fühlen | Matrix gemeinsam erarbeiten statt sie vorzugeben |
| Zu viele C- und I-Einträge verlangsamen das Projekt | Nur konsultieren, wer wirklich entscheidungsrelevantes Wissen hat |
Für eine erfolgreiche Umsetzung ist es ratsam, die Matrix so einfach wie möglich zu halten und neue oder geänderte Zuständigkeiten im Projektverlauf mit allen Beteiligten abzustimmen. Eine reibungslose Kommunikation sorgt dafür, dass alle Beteiligten über den Projektfortschritt auf dem Laufenden sind.
RASIC, RASI und weitere Varianten
- RASIC: dieselben fünf Rollen wie RASCI (Responsible, Accountable, Support, Informed, Consulted), nur in anderer Reihenfolge. Inhaltlich gibt es keinen Unterschied.
- RASI: eine verkürzte Variante ohne die Rolle Consulted – geeignet, wenn Beratung keine eigene Rolle braucht.
- RACI-VS: ergänzt RACI um Verify (Prüfung) und Sign-off (Freigabe).
- DACI: Driver, Approver, Contributors, Informed – vor allem für Entscheidungsprozesse.
Welche Variante Sie wählen, hängt vom Projekt ab. Für die meisten Teams ist RACI der Einstieg und RASCI die Erweiterung, sobald mehrere Personen gemeinsam an der Ausführung arbeiten. Weitere Hintergründe zu Verantwortungsmatrizen finden Sie z. B. bei Atlassian.
RASCI bei der Softwareeinführung: Schulung und Adoption
Bei der Einführung eines neuen ERP-, CRM- oder HR-Systems wird eine Aufgabe in der RASCI-Matrix oft unterschätzt: die Befähigung der Endanwender. Schulung und Nutzerakzeptanz brauchen ein klares A und ein klares R – sonst fühlt sich nach dem Go-live niemand für die Akzeptanz verantwortlich.
- Legen Sie fest, wer Schulungsinhalte erstellt (R), wer sie fachlich prüft (C, meist Key User) und wer die Nutzung nach dem Go-live verfolgt.
- Geben Sie Key Usern eine klare Support-Rolle für ihre Kolleginnen und Kollegen.
- Planen Sie Unterstützung direkt im Arbeitsablauf ein, damit Endanwender nicht bei jeder Frage den Support anrufen müssen.
Mit der Digital Adoption Platform K-NOW erhalten Endanwender Schritt-für-Schritt-Anleitungen direkt in der Anwendung. Mit K-VALUE sieht die verantwortliche Person (A), wie die neue Software tatsächlich genutzt wird und wo Unterstützung fehlt.
Häufig gestellte Fragen
Wofür steht RASCI?
RASCI steht für Responsible, Accountable, Support, Consulted und Informed. Responsible führt die Aufgabe aus, Accountable trägt die Gesamtverantwortung und nimmt das Ergebnis ab, Support unterstützt aktiv bei der Ausführung, Consulted wird um Rat gefragt und Informed wird über Fortschritt oder Ergebnis informiert. Die RASCI-Matrix ordnet diese Rollen jeder Aufgabe eines Projekts zu.
Was ist der Unterschied zwischen RACI und RASCI?
Der Unterschied liegt in der zusätzlichen Rolle Support (S). RACI kennt vier Rollen: Responsible, Accountable, Consulted und Informed. RASCI ergänzt Personen, die die Ausführung aktiv mit Arbeit oder Ressourcen unterstützen, ohne die Hauptverantwortung zu tragen. RASCI ist dadurch etwas detaillierter und eignet sich besonders für komplexe Projekte mit vielen Beteiligten.
Was bedeutet RASIC?
RASIC ist eine andere Schreibweise der RASCI-Matrix. Die Buchstaben stehen für Responsible, Accountable, Support, Informed und Consulted – also dieselben fünf Rollen, nur in anderer Reihenfolge. Inhaltlich und in der Anwendung gibt es keinen Unterschied zwischen RASIC und RASCI; welche Bezeichnung verwendet wird, ist eine Frage der Gewohnheit im Unternehmen.
Was bedeutet RASI?
RASI ist eine verkürzte Variante der Verantwortungsmatrix mit den Rollen Responsible, Accountable, Support und Informed. Die Rolle Consulted entfällt. RASI wird genutzt, wenn beratende Beteiligung keine eigene Rolle braucht oder der Abstimmungsaufwand bewusst gering gehalten werden soll. Für Projekte mit vielen Fachexperten ist RASCI meist die passendere Wahl.
Wie viele Accountable darf es pro Aufgabe geben?
In einer RASCI- oder RACI-Matrix gibt es pro Aufgabe genau eine Person mit der Rolle Accountable. Sie trägt die Gesamtverantwortung, trifft Entscheidungen und nimmt das Ergebnis ab. Responsible, Support, Consulted und Informed können dagegen mehrere Personen sein. Die Accountable-Person kann gleichzeitig Responsible sein, etwa in kleinen Teams.
Wann sollte man RASCI statt RACI verwenden?
RASCI lohnt sich, wenn mehrere Personen oder Abteilungen an der Ausführung einer Aufgabe mitarbeiten, ohne selbst verantwortlich zu sein – zum Beispiel bei ERP-Einführungen, Migrationen oder bereichsübergreifenden Prozessprojekten. Bei kleinen Projekten mit klarer Arbeitsteilung reicht RACI meist aus und ist schneller gepflegt.