Die richtige MES-Software: Diese 10 Auswahlkriterien sollten Sie berücksichtigen

MES-Software auswählen: 10 Kriterien für die MES-Auswahl – von Funktionen und Anwenderprofilen über Integration und Budget bis zu Anbieter und Support.

Von Marielle Gantenberg
7 Min. Lesezeit

Bei der MES-Auswahl zählen zehn Kriterien: die benötigten Funktionen, Zahl und Profile der Anwender, die Passung zum Unternehmensprofil, das Budget, die Integration in ERP und Maschinenpark, der Anbieter, der Support, ein Plan für Einführung und Schulung, Sicherheit und Compliance sowie Leistung und Skalierbarkeit. Grundlage für den Vergleich ist ein Lastenheft, das Ihre Anforderungen vollständig beschreibt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die zehn wichtigsten Kriterien für die MES-Auswahl sind Funktionen, Anwenderprofile, Unternehmensprofil, Budget, Integration, Anbieter, Support, Einführungs- und Schulungsplan, Sicherheit sowie Skalierbarkeit.
  • Ein Lastenheft, gegliedert nach den MES-Aufgaben der VDI 5600, macht Angebote vergleichbar und wird später Teil des Projektvertrags.
  • Der MES-Markt ist heterogen: Spezialisten, Anbieter für ausgewählte Branchen und Generalisten unterscheiden sich stark im Anpassungsaufwand.
  • Testen Sie die Favoriten in Workshops mit realen Szenarien und beziehen Sie künftige Anwender aus Produktion, Qualität und Instandhaltung ein.

Definieren Sie die gewünschten Funktionen

Die wichtigste Frage, die Sie sich vor der Entscheidung für eine MES-Software stellen sollten, betrifft die gewünschten Funktionen des Systems. In der Regel bieten die gängigen Anbieter Funktionen wie:

  • Sammeln der Produktionsdaten in Echtzeit,
  • eine dynamische Produktionsplanung,
  • Weitergabe von Arbeitsanweisungen,
  • Qualitätsmanagement und Rückverfolgbarkeit der Produkte.

Sie müssen jedoch bestimmen, welche Funktionen Sie wirklich benötigen, um das Produktionsmanagement zu optimieren und Ihr Unternehmen an den Prinzipien von Industrie 4.0 auszurichten. Darüber hinaus sollten Sie berücksichtigen, wie erweiterbar die Steuerungssoftware ist, um auch für zukünftige Veränderungen und technologische Fortschritte gerüstet zu sein.

Bestimmen Sie die Anzahl der Anwender und ihre Profile

Ein weiteres relevantes Kriterium für die Wahl eines Manufacturing Execution Systems (MES), das Ihren Erwartungen entspricht, ist die Anzahl der künftigen Anwender und ihre Profile. Bestimmen Sie zunächst, welche spezifischen Tätigkeiten die Anwender ausführen sollen, sowie welche Interaktionen und Zugriffsebenen dafür erforderlich sind.

Sie können beispielsweise einen Usability-Test durchführen und auf diese Weise die Bedürfnisse der Anwender ermitteln und potenzielle Hürden erkennen. Die Festlegung von Benutzerprofilen hilft beim Konfigurieren der Zugriffsrechte und bei der Anpassung der Benutzeroberfläche des MES, um den Anforderungen aller Anwender gerecht zu werden.

Wählen Sie eine Lösung, die zum Unternehmensprofil passt

Die Größe des Unternehmens und die Art der Betriebstätigkeit sind für die Wahl des passenden MES ausschlaggebend. Kleinen Unternehmen reicht in der Regel eine flexiblere und kostengünstigere Lösung. Große Organisationen benötigen dagegen ein leistungsfähiges Manufacturing Execution System, das in der Lage ist, umfangreiche Datenmengen zu verarbeiten und diverse Prozesse zu steuern. Eine umfassende Analyse der spezifischen Unternehmensanforderungen wird daher vor einer Entscheidung dringend empfohlen.

Erstellen Sie ein Budget

Nehmen Sie die Kostenseite des MES genau unter die Lupe, bevor Sie sich für eine Software entscheiden. Dazu gehören sowohl direkte als auch indirekte Kosten:

  • Lizenzen,
  • Anpassungen (Customizing),
  • Implementierung,
  • notwendige Hardware …

Auf dieser Basis und in Abhängigkeit von den finanziellen Gegebenheiten des Unternehmens erstellen Sie dann ein Budget. Nutzen Sie ein Tool für die Budgetplanung oder einen Onlinerechner, damit die Finanzplanung Hand und Fuß hat. Vergessen Sie auch nicht, den Return on Investment (ROI) zu berechnen, um die Investition abzusichern.

Berücksichtigen Sie die Integration in andere Systeme

Bei der Entscheidung für ein Manufacturing Execution System (MES) ist die Frage, wie sich dieses System mit anderen Systemen (z. B. einem ERP-System) verknüpfen lässt, von entscheidender Bedeutung. Nur so ist ein kohärentes und effizientes Datenmanagement im Unternehmen sichergestellt.

Das ist einer der wichtigsten Punkte, die bei der Wahl eines MES zu berücksichtigen sind. Eine optimale Verknüpfung mit anderen Systemen und neuen Technologien liefert einen besseren Überblick über die Abläufe und unterstützt fundierte Entscheidungen hinsichtlich der Produktion.

Knowmore vous présente dix critères à considérer pour effectuer un choix judicieux en matière de logiciel MES.

Entscheiden Sie sich für den richtigen Dienstleister

Die Wahl des richtigen Softwareherstellers ist ebenfalls ein Faktor, der einen nicht unbedeutenden Anteil daran hat, dass Ihr zukünftiges MES leistungsfähig ist und Ihre Erwartungen erfüllt. Vergewissern Sie sich bereits im Vorfeld, welchen Ruf der infrage kommende Anbieter hat, und klären Sie ab, ob er einen hochwertigen Kundenservice anbietet. Denn sollte beim Manufacturing Execution System eine Funktionsstörung auftreten, ist es wichtig, dass Wartungsfragen einfach zu klären sind.

Prüfen Sie die Möglichkeiten des Kundensupports

Die Art des Kundensupports, den der Softwarehersteller anbietet, ist ein weiteres wichtiges Entscheidungskriterium. Eine schnelle und bedarfsorientierte Unterstützung hilft dabei, möglicherweise auftretende Probleme schnell zu lösen. Auf diese Weise kann die Steuerungssoftware optimal genutzt werden.

Erstellen Sie einen Plan für Einführung und Schulungen

Damit die Einführung eines MES erfolgreich über die Bühne geht, ist eine detaillierte Planung unbedingt notwendig. Definieren Sie zunächst die Anforderungen sowie eindeutige Ziele, und erstellen Sie auf dieser Basis ein präzises Lastenheft.

Zudem sollten Sie einen kompetenten Projektleiter bestimmen, der für folgende Aufgaben zuständig ist:

Transparente Kommunikation und passende Schulungsmaßnahmen sind die Voraussetzung dafür, dass die Anwender die Software schneller akzeptieren.

Stellen Sie Sicherheit und Compliance sicher

Sicherheit und Compliance sind Faktoren, die ebenfalls in die Entscheidung für eine MES-Software einfließen sollten. Da dieses System eine zentrale Rolle bei der Koordination und Überwachung der Produktionsprozesse spielt, müssen der Schutz sensibler Daten und die Einhaltung der bestehenden Industrienormen gewährleistet sein.

Die gewählte Steuerungssoftware muss eine leistungsfähige Schnittstelle zwischen der Produktionsstätte und den Managementsystemen sein. Das Manufacturing Execution System sollte zudem die Rückverfolgbarkeit und Qualität der Produkte während des gesamten Fertigungsprozesses sicherstellen.

Bewerten Sie die Performance und Entwicklungsfähigkeit des MES

Indem Sie die Leistung und Skalierbarkeit des MES kritisch bewerten, stellen Sie sicher, dass es an den strategischen Unternehmenszielen ausgerichtet ist. Überprüfen Sie, ob das System auch bei steigender Nachfrage leistungsfähig bleibt und ob es sich an Marktveränderungen oder organisatorische Veränderungen im Unternehmen anpassen lässt.

Im Rahmen einer solchen Evaluation sollte man Kriterien wie die Skalierbarkeit (vertikal und horizontal) sowie alle Faktoren, die sich auf die Leistungsfähigkeit auswirken, unter die Lupe nehmen. Eine gut geplante Softwarearchitektur, die diese Punkte berücksichtigt, ist die Grundlage für eine reaktionsschnelle Anwendung mit guter Benutzererfahrung.

Sie sollten also die Entscheidung für eine MES-Software nicht auf die leichte Schulter nehmen. Die zehn aufgeführten Schlüsselkriterien helfen Produktionsverantwortlichen dabei, eine Softwarelösung zu finden, die den spezifischen Unternehmensanforderungen entspricht. Mit ihrer Hilfe können Sie die Produktion dann optimal steuern und sich einen Wettbewerbsvorsprung auf dem Markt sichern.

Anwendungsfall

MES-Einführung: Schichtteams und Leiharbeitskräfte startklar – ohne Linienstopp.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet MES?

MES steht für Manufacturing Execution System, auf Deutsch Fertigungsmanagement- oder Produktionsleitsystem. Ein MES ist eine Software, die die Fertigung in Echtzeit plant, steuert, überwacht und dokumentiert. Es liegt zwischen dem ERP-System und der Maschinenebene. Eine ausführliche Erklärung finden Sie in unserem Beitrag zum MES-System.

Welche Kriterien sind bei der MES-Auswahl am wichtigsten?

Am wichtigsten sind bei der MES-Auswahl die Abdeckung Ihrer Kernprozesse im Standard, die Integration in das ERP-System und den Maschinenpark, die Erfahrung des Anbieters in Ihrer Branche sowie die Gesamtkosten über mehrere Jahre. Ebenso entscheidend sind Bedienbarkeit für Werker und Schichtleitung, Skalierbarkeit für weitere Linien und Werke sowie ein verlässlicher Support.

Wie vergleiche ich MES-Plattformen miteinander?

Um MES-Plattformen zu vergleichen, beschreiben Sie Ihre Anforderungen zunächst in einem Lastenheft, gegliedert nach den MES-Aufgaben der VDI 5600. Gewichten Sie die Kriterien, holen Sie Angebote ein und laden Sie zwei bis drei Favoriten zu Workshops ein, in denen sie reale Abläufe aus Ihrer Fertigung vorführen. Beziehen Sie dabei künftige Anwender aus Produktion, Qualität und Instandhaltung ein.

Welches MES passt zu einem mittelständischen Unternehmen?

Für mittelständische Fertiger eignen sich häufig modulare oder cloudbasierte MES-Lösungen, die mit wenigen Kernfunktionen starten und schrittweise wachsen. Wichtig sind eine gute Standardabdeckung ohne aufwendige Individualentwicklung, fertige Schnittstellen zum eingesetzten ERP-System und ein Anbieter mit Referenzen in Ihrer Branche. Ein Pilotprojekt hilft, die Passung vor dem breiten Rollout zu prüfen.

Was ist der Unterschied zwischen Lastenheft und Pflichtenheft bei der MES-Auswahl?

Im Lastenheft beschreiben Sie als Kunde, welche Anforderungen das MES erfüllen soll. Es ist die Grundlage für Ausschreibung und Anbietervergleich. Im Pflichtenheft legt der ausgewählte Anbieter oder Integrator dar, wie er diese Anforderungen technisch umsetzt. Bei der MES-Auswahl steht daher zuerst das Lastenheft, das Pflichtenheft folgt mit der Implementierung.

Lastenheft und Anbietervergleich: So strukturieren Sie die MES-Auswahl

Damit Sie die Kriterien in diesem Beitrag objektiv bewerten können, sollten Sie Ihre Anforderungen zu Beginn in einem Lastenheft festhalten. Fachleute von Fraunhofer IPA und Trovarit empfehlen in ihrem Beitrag „MES ist nicht gleich MES“, das Lastenheft nach den Funktionskategorien der Richtlinie VDI 5600 zu gliedern und neben funktionalen auch technische Anforderungen wie Hardware, Datenbank und Betriebssystem aufzunehmen.

Der Markt ist dabei sehr heterogen: Die Autoren zählen über 150 MES-Lösungen. Rund 8 % der Anbieter sind auf eine Branche spezialisiert, etwa 50 % bedienen ein ausgewähltes Branchenspektrum und 41 % sind Generalisten. Spezialisten lassen sich meist einfacher konfigurieren, Generalisten erfordern mehr Anpassungsaufwand. Die Branchenausrichtung eignet sich daher als erster Filter, ersetzt aber nicht die detaillierte Prüfung der Funktionen.

Für den Vergleich hat sich folgendes Vorgehen bewährt:

  1. Lastenheft mit Projektteam, Systembetreuern und Prozessverantwortlichen aus der Produktion erstellen.
  2. Anbieter anhand von Branchenfokus und Kernfunktionen vorauswählen.
  3. Strukturierte Workshops mit zwei bis drei Favoriten durchführen und reale Abläufe durchspielen.
  4. Das Lastenheft zum Bestandteil des Vertrags machen; es dient später als Grundlage für das Pflichtenheft.

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