Vom klassischen CMMS zur vorbeugenden und vorausschauenden Instandhaltung

Vorbeugende oder vorausschauende Instandhaltung? Unterschiede, Technologien wie IoT und KI, Grenzen klassischer CMMS und der Weg zu Predictive Maintenance.

Von Marielle Gantenberg
8 Min. Lesezeit

Die vorbeugende Instandhaltung (präventive Instandhaltung) wartet Anlagen in festen Zeit- oder Nutzungsintervallen, bevor ein Ausfall eintritt. Die vorausschauende Instandhaltung (prädiktive Instandhaltung, Predictive Maintenance) geht einen Schritt weiter: Sensoren und Datenanalysen ermitteln den tatsächlichen Zustand und sagen Ausfälle voraus. Ein klassisches CMMS plant vor allem vorbeugende Maßnahmen – für Vorhersagen braucht es zusätzlich IoT-Daten und Analysemodelle.

Das Wichtigste in Kürze

  • Vorbeugende (präventive) Instandhaltung arbeitet mit festen Intervallen; vorausschauende (prädiktive) Instandhaltung richtet sich nach dem gemessenen Zustand der Anlage.
  • Ein klassisches CMMS organisiert Wartungspläne, Aufträge und Ersatzteile, kann Ausfälle aber ohne Sensordaten nicht vorhersagen.
  • Predictive Maintenance kombiniert IoT-Sensoren, Datenanalyse und maschinelles Lernen, um Eingriffe genau dann zu planen, wenn sie nötig sind.
  • Hohe Anfangsinvestitionen, Datenkompetenz und Akzeptanz im Instandhaltungsteam sind die größten Hürden – ein schrittweiser Einstieg mit kritischen Anlagen senkt das Risiko.

Passender Anwendungsfall: Schulung für CMMS-Instandhaltungssoftware

Das klassische CMMS: Grundlagen und Grenzen

Die herkömmlichen computergestützten Wartungsmanagementsysteme (CMMS) wurden entwickelt, damit Unternehmen Instandhaltungsaufgaben besser planen und effizienter ausführen können. Sie helfen dabei, den Verlauf von Wartungsarbeiten zu überwachen, vorbeugende Wartungsmaßnahmen zu planen und den Lagerbestand an Ersatzteilen zu verwalten. Ein CMMS zentralisiert die Informationen über Instandhaltungen, erleichtert den Zugriff auf die Daten und optimiert die Prozesse.

Vorteile: Das klassische CMMS erleichtert die Organisation und zentralisierte Planung von Wartungsarbeiten und stellt auf diese Weise sicher, dass diese zielführend und effizient ausgeführt werden. Durch die effiziente Verwaltung des Ersatzteilbestands werden Stillstandszeiten aufgrund fehlender kritischer Teile vermieden oder reduziert. Der schnelle Zugriff auf die Wartungshistorie verbessert die Rückverfolgbarkeit und hilft dabei zu erkennen, welche Anlagen einer besonderen Aufmerksamkeit bedürfen.

Grenzen: Allerdings darf man nicht darüber hinwegsehen, dass diese Systeme auch Grenzen aufweisen. Da die Daten manuell eingegeben werden, kann es zu Fehlern oder Versäumnissen kommen, die die Zuverlässigkeit der Informationen schmälern. Ein klassisches CMMS arbeitet darüber hinaus vor allem mit festen Intervallen und Störmeldungen, statt Ausfälle anhand des tatsächlichen Anlagenzustands vorherzusagen. Die Fähigkeiten für eine prädiktive Analyse und Prozessoptimierung sind ebenfalls begrenzt.

Vorbeugende, zustandsorientierte und vorausschauende Instandhaltung: Was ist der Unterschied?

Die Begriffe werden oft vermischt, beschreiben aber unterschiedliche Instandhaltungsstrategien. Die Norm DIN 31051 definiert die Grundmaßnahmen – Wartung, Inspektion, Instandsetzung und Verbesserung –, die sich je nach Strategie unterschiedlich auslösen lassen:

StrategieAuslöserDatenbasisTypisches Werkzeug
Reaktive (korrektive) InstandhaltungAusfall oder StörungStörmeldungAuftrag im CMMS
Vorbeugende (präventive) InstandhaltungFeste Zeit- oder NutzungsintervalleHerstellervorgaben, BetriebsstundenWartungsplan im CMMS
Zustandsorientierte InstandhaltungGrenzwert eines MesswertsInspektionen, Condition MonitoringCMMS mit Messwertanbindung
Vorausschauende (prädiktive) InstandhaltungPrognose eines AusfallsSensordaten in Echtzeit, historische AusfälleIoT-Plattform, Analysemodelle, EAM/APM

Die vorbeugende Instandhaltung ist planbar, tauscht Teile aber mitunter zu früh. Die vorausschauende Instandhaltung richtet sich nach dem tatsächlichen Zustand. Wie die Computerwoche erläutert, gibt es zustandsbasierte Verfahren schon seit den 1990er-Jahren; neu sind vor allem Datenmenge und Analysemöglichkeiten durch Big Data und Machine Learning. In der Praxis kombinieren Unternehmen die Strategien je nach Kritikalität der Anlage. Welche Strategie passt, hängt von Ausfallkosten, Sicherheitsrisiken und Verschleißverhalten ab.

Vorausschauende Instandhaltung: die Einbindung fortschrittlicher Technologien

Die vorausschauende Instandhaltung (Predictive Maintenance) ist ein deutlicher Fortschritt im Wartungsmanagement, da hoch entwickelte Technologien zum Einsatz kommen, um Defekte zu erkennen, bevor sie auftreten. Das ermöglicht rechtzeitige Eingriffe.

Eingesetzte Technologie: Die vorausschauende Instandhaltung stützt sich auf mehrere zentrale Technologien. IoT-Sensoren (Internet of Things) machen es möglich, den Zustand des Equipments in Echtzeit zu überwachen, indem sie wertvolle Echtzeitdaten über die Leistung sowie potenzielle Anomalien erfassen. Mithilfe von Big Data werden diese Daten analysiert, um Muster und Trends zu erkennen und verwertbare Erkenntnisse zu liefern, die als Basis für Entscheidungen dienen. Künstliche Intelligenz (KI) und Algorithmen für Machine Learning helfen dabei, potenzielle Ausfälle immer genauer vorherzusagen.

Vorteile: Der Einsatz der vorausschauenden Wartung bietet zahlreiche Vorteile. Es gibt weniger ungeplante Stillstandszeiten, da die Betriebstätigkeit durch rechtzeitige Eingriffe kontinuierlich aufrechterhalten werden kann. Die Ressourcen werden besser genutzt und die Instandhaltungskosten sinken. Das sind wichtige positive Auswirkungen, durch die ein Unternehmen seine Performance auf hohem Niveau halten und gleichzeitig die Kosten senken kann. Eine längere Lebensdauer der Assets und eine bessere Betriebssicherheit machen das Anlagenmanagement effizienter.

Neue Lösungen: EAM- und APM-Plattformen mit KI und IoT

Im Rahmen von Industrie 4.0 hat Spitzentechnologie in Unternehmen Einzug gehalten und das Assetmanagement verändert. Moderne EAM- und APM-Systeme (Asset Performance Management) basieren auf solchen Innovationen und bieten durch die Kombination von Datenanalyse, KI und IoT-Anbindung fortschrittliche Möglichkeiten für die Wartung. Dadurch verbessert sich das Anlagenmanagement.

Beispiele für solche Plattformen

  • IBM Maximo: Asset Management und vorausschauende Wartung auf der Basis von KI liefern fortschrittliche Features für die Überwachung der Ausrüstungsgegenstände und die Optimierung der Instandhaltungsprozesse.
  • SAP EAM: Big-Data-Tools für Echtzeitanalysen und proaktive Instandhaltung sorgen für effizienteres Assetmanagement und niedrigere Betriebskosten.

Stärken: Solche Lösungen unterstützen die Prozessoptimierung durch ausgefeilte Analysen. Dadurch stehen konkrete Daten für proaktive Entscheidungen zur Verfügung. Die langfristige Kostenreduzierung durch effizientes Assetmanagement ist ein wichtiger Vorteil, der Unternehmen dabei hilft, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Schritt für Schritt zur vorausschauenden Instandhaltung

Der Umstieg gelingt selten auf einen Schlag. Ein bewährtes Vorgehen in fünf Schritten:

  1. Kritische Anlagen auswählen: Starten Sie mit Maschinen, deren Ausfall besonders teuer oder sicherheitsrelevant ist.
  2. CMMS-Daten bereinigen: Vollständige Wartungshistorien und einheitliche Schadenscodes sind die Grundlage jeder Prognose.
  3. Sensorik im Pilotbetrieb testen: Schwingung, Temperatur oder Stromaufnahme werden zunächst an wenigen Anlagen erfasst.
  4. Modelle mit der Praxis abgleichen: Instandhalter prüfen, ob die Warnungen zu tatsächlichen Befunden passen, und verfeinern die Grenzwerte.
  5. Prozesse und Team mitnehmen: Neue Auftragsarten, Rollen und Auswertungen müssen geschult werden, damit die Techniker den Prognosen vertrauen und sie im CMMS konsequent rückmelden.

So entsteht schrittweise eine Kombination aus vorbeugender Wartung für unkritische Anlagen und vorausschauender Instandhaltung dort, wo sie sich wirtschaftlich lohnt. Wichtig ist, die Ergebnisse des Pilotprojekts messbar zu machen – etwa über ungeplante Stillstände, Instandhaltungskosten je Anlage und die Trefferquote der Warnungen. Erst wenn sich der Nutzen zeigt, lohnt sich die Ausweitung auf weitere Anlagen.

Praxisbeispiele aus verschiedenen Branchen

Luft- und Raumfahrt, Automobilindustrie und Energiewirtschaft sind drei Branchen, in denen die vorausschauende Instandhaltung bereits verbreitet ist.

Branchen:

  • Luft- und Raumfahrt: Vorausschauende Instandhaltung verbessert die Sicherheit und verkürzt die Stillstandszeiten der Flugzeuge. Das sichert die Leistungsfähigkeit kritischer Komponenten.
  • Automobilindustrie: Die Überwachung der Produktionsmaschinen hilft dabei, kostenintensive Ausfälle zu vermeiden und die Herstellungsprozesse zu optimieren.
  • Energiebranche: Das proaktive Management der Infrastrukturen für die Energieerzeugung minimiert Unterbrechungen und Risiken bei der Energieversorgung. Das stellt eine kontinuierliche Leistungserbringung sicher.

Resultat: Unternehmen, die eine Strategie für die vorausschauende Wartung umsetzen, können ihre operative Leistung verbessern und Kosten senken. Geringere Stillstandszeiten, niedrigere Instandhaltungskosten und eine längere Lebensdauer der Assets sind typische Ziele dieser Vorgehensweise.

Herausforderungen und Zukunftsperspektiven

Trotz aller Vorteile darf man nicht darüber hinwegsehen, dass die vorausschauende Instandhaltung auf Basis moderner EAM- und APM-Systeme auch mit Herausforderungen verbunden ist.

Hindernisse für die Einführung: Die Installation von Sensoren und innovativen Technologien verursacht zunächst hohe Kosten, die für manche Unternehmen eine Hürde darstellen. Interpretation der Daten und Prozessoptimierung setzen spezifisches Wissen voraus, was ebenfalls eine Hemmschwelle darstellen kann. Mögliche Herausforderungen sind zudem die Integration in die bestehenden Systeme und das Veränderungsmanagement innerhalb der Organisation.

Zukunftsperspektiven: Die Zukunft der Instandhaltung liegt in einer immer stärkeren Einbindung von KI und maschinellem Lernen für immer präzisere Vorhersagen. Die Entwicklung von benutzerfreundlichen und leicht zugänglichen Lösungen für kleine und mittlere Unternehmen eröffnet vielversprechende Perspektiven. Technologieanbieter und Unternehmen arbeiten mehr und mehr zusammen, um gemeinsam maßgeschneiderte Lösungen zu entwickeln. Das wird dazu führen, dass sich zukunftsgerichtete Ansätze für das Wartungsmanagement mehr und mehr verbreiten.

Der Übergang von der intervallbasierten zur vorausschauenden Instandhaltung stellt einen klaren Fortschritt für das Management von Assets und Equipment dar. Unternehmen, die diese Technologie nutzen, können nicht nur die Effizienz ihrer Betriebsabläufe verbessern, sondern auch ihre Konkurrenzfähigkeit stärken. Instandhaltung wird sich zukünftig immer mehr auf Innovation stützen und intelligente Technologien einbeziehen, die Unternehmen aller Branchen und aller Größen vielversprechende Chancen eröffnen.

Häufig gestellte Fragen

Was versteht man unter vorbeugender Instandhaltung?

Unter vorbeugender Instandhaltung versteht man alle geplanten Maßnahmen, die Maschinen und Anlagen in festen Abständen warten, prüfen oder Verschleißteile austauschen, bevor ein Defekt auftritt. Auslöser sind Kalenderintervalle, Betriebsstunden oder Stückzahlen. Ziel ist es, ungeplante Stillstände zu vermeiden, die Lebensdauer zu verlängern und die Sicherheit zu erhöhen. Ein CMMS plant diese Maßnahmen automatisch.

Welche Arten der Instandhaltung gibt es?

Üblicherweise unterscheidet man vier Instandhaltungsstrategien: die reaktive (korrektive) Instandhaltung nach einem Ausfall, die vorbeugende (präventive) Instandhaltung nach festen Intervallen, die zustandsorientierte Instandhaltung anhand von Messwerten und die vorausschauende (prädiktive) Instandhaltung auf Basis von Prognosen. Davon zu trennen sind die vier Grundmaßnahmen nach DIN 31051: Wartung, Inspektion, Instandsetzung und Verbesserung.

Was ist der Unterschied zwischen Wartung und Instandhaltung?

Instandhaltung ist der Oberbegriff für alle Maßnahmen, die den funktionsfähigen Zustand einer Anlage erhalten oder wiederherstellen. Die Wartung ist nach DIN 31051 nur eine dieser Maßnahmen: Sie verzögert den Abbau des Abnutzungsvorrats, etwa durch Reinigen, Schmieren oder Nachstellen. Zur Instandhaltung gehören außerdem Inspektion, Instandsetzung und Verbesserung.

Ist Predictive Maintenance dasselbe wie zustandsorientierte Instandhaltung?

Nicht ganz. Die zustandsorientierte Instandhaltung reagiert, sobald ein gemessener Wert – etwa Schwingung oder Temperatur – einen Grenzwert überschreitet. Predictive Maintenance, die vorausschauende Instandhaltung, nutzt zusätzlich historische Daten und Modelle des maschinellen Lernens, um den Zeitpunkt eines Ausfalls vorherzusagen. Sie baut also auf der Zustandsüberwachung auf und erweitert sie um Prognosen.

Braucht man für vorausschauende Instandhaltung ein CMMS?

Ja, in der Regel. Sensoren und Analysemodelle erkennen zwar drohende Ausfälle, doch erst ein CMMS oder EAM-System macht daraus planbare Arbeitsaufträge mit Ersatzteilen, Personal und Rückmeldung. Gepflegte Wartungshistorien aus dem CMMS sind außerdem die Datengrundlage, mit der Prognosemodelle trainiert und überprüft werden.

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