Das Legacy-System

Ein Legacy-System ist eine veraltete, aber oft geschäftskritische Software oder IT-Infrastruktur, die ein Unternehmen weiter betreibt, weil ihre Ablösung aufwendig und riskant ist. Hier erfahren Sie, woran man Legacy-Systeme erkennt, welche Risiken sie bergen und warum ihre Ablösung vor allem eine Frage der Menschen ist.

7 Min. Lesezeit IT-Landschaft Transformation

Definition in Kürze

Ein Legacy-System (deutsch: Altsystem) ist eine historisch gewachsene Software, Anwendung oder Hardware, die technisch veraltet ist, aber weiterhin für zentrale Geschäftsprozesse genutzt wird, weil sie schwer zu ersetzen ist.

  • „Veraltet“ heißt nicht „kaputt“: Viele Legacy-Systeme laufen seit Jahrzehnten stabil.
  • Typische Risiken sind fehlende Sicherheitsupdates, knappe Fachkräfte, hohe Betriebskosten und schwierige Integration.
  • Die größte Hürde beim Ablösen ist oft nicht die Technik, sondern das Wissen und die Gewohnheiten der Anwender.

Was ist ein Legacy-System?

Der Begriff Legacy-System stammt aus dem Englischen („legacy“ = Erbe, Vermächtnis) und bezeichnet IT-Systeme, die ein Unternehmen aus früheren Technologiegenerationen „geerbt“ hat. Im Deutschen spricht man auch von Altsystemen oder Bestandssystemen.

Ein Legacy-System kann eine Anwendung sein, etwa ein selbst entwickeltes Warenwirtschaftssystem, eine Plattform wie ein Großrechner, eine Datenbank oder eine ganze Systemlandschaft. Entscheidend ist nicht das Alter allein, sondern die Kombination aus veralteter Technik und hoher Bedeutung für den Betrieb.

Legacy-Systeme sind deshalb ein zentrales Thema der digitalen Transformation: Sie tragen das Tagesgeschäft, bremsen aber oft Innovation, Integration und Automatisierung.

Woran erkennt man ein Legacy-System?

  • Kein oder auslaufender Herstellersupport: Updates und Sicherheitspatches fehlen oder enden absehbar.
  • Veraltete Technologie: alte Programmiersprachen wie COBOL, nicht mehr unterstützte Betriebssysteme oder Datenbanken.
  • Wenige Wissensträger: Nur noch einzelne Personen verstehen, wie das System funktioniert.
  • Schwierige Integration: Moderne Schnittstellen fehlen, Daten werden manuell übertragen.
  • Hohe Wartungskosten: Ein großer Teil des IT-Budgets fließt in den Erhalt statt in Neues.
  • Umständliche Bedienung: Masken, Tastenkürzel und Abläufe, die nur mit langer Erfahrung beherrschbar sind.

Welche Beispiele gibt es für Legacy-Systeme?

BeispielTypisches UmfeldWarum Legacy?
Großrechner mit COBOL-AnwendungenBanken, Versicherungen, BehördenStabil und leistungsfähig, aber kaum noch Entwickler am Markt
Ältere ERP-Releases wie SAP ECCIndustrie, HandelWartung durch den Hersteller endet, Umstieg auf S/4HANA steht an
Eigenentwicklungen aus den 1990er- und 2000er-JahrenMittelstand, FachbereicheDokumentation fehlt, Entwickler sind nicht mehr im Haus
KernbanksystemeFinanzinstituteHoch kritisch, eng mit allen Prozessen verflochten
Access-Datenbanken und Makro-TabellenFachabteilungenGewachsene Schatten-Lösungen ohne IT-Betreuung

Ein aktuelles Beispiel ist SAP ECC: SAP hat die reguläre Wartung bis Ende 2027 zugesagt, eine kostenpflichtige erweiterte Wartung bis Ende 2030. Viele Unternehmen stehen deshalb vor der Entscheidung, wie und wann sie ihr ERP ablösen.

2027

endet die reguläre Wartung für SAP ECC 6.0, eines der am weitesten verbreiteten Legacy-ERP-Systeme.

SAP

2030

endet die optionale, kostenpflichtige erweiterte Wartung für SAP ECC 6.0.

SAP

Welche Risiken bergen Legacy-Systeme?

  • Sicherheit: Ohne Patches bleiben bekannte Schwachstellen offen.
  • Fachkräftemangel: Wenn Wissensträger in Rente gehen, geht mit ihnen das Systemwissen.
  • Compliance: Neue Anforderungen an Datenschutz oder Nachweise lassen sich nur schwer umsetzen.
  • Kosten: Wartung, Spezialhardware und Workarounds werden mit jedem Jahr teurer.
  • Innovationsstau: Cloud-Dienste, Automatisierung oder KI lassen sich kaum anbinden.
  • Schatten-IT: Wenn das System nicht mehr reicht, bauen Fachbereiche eigene Umwege. Mehr dazu im Beitrag zur Schatten-IT.

Warum halten Unternehmen an Legacy-Systemen fest?

Trotz dieser Risiken laufen Legacy-Systeme oft jahrzehntelang weiter, und das aus nachvollziehbaren Gründen:

  • Sie funktionieren: Das System ist stabil und erfüllt seinen Zweck.
  • Sie sind tief verankert: Zahlreiche Prozesse, Schnittstellen und Berichte hängen daran.
  • Die Ablösung ist riskant: Ein fehlgeschlagener Cutover kann den Betrieb lahmlegen.
  • Es steckt Wissen darin: Jahrzehnte an Geschäftsregeln sind im Code abgebildet, oft undokumentiert.
  • Die Anwender sind eingespielt: Wer ein System seit 20 Jahren bedient, arbeitet darin extrem schnell.

Der unterschätzte Faktor: die Anwender

Bei der Diskussion um Legacy-Systeme geht es meist um Technik und Kosten. In der Praxis scheitern Ablösungen jedoch häufig an etwas anderem: an den Menschen, die mit dem alten System arbeiten.

Erfahrene Anwender kennen jede Maske und jedes Tastenkürzel. Ein neues System, selbst ein objektiv besseres, macht sie zunächst langsamer und unsicherer. Dazu kommt implizites Wissen: Umgehungslösungen, Sonderfälle und Prüfschritte, die nirgends dokumentiert sind und beim Umstieg verloren gehen können.

Wer ein Legacy-System ablöst, sollte deshalb früh

  • das Prozess- und Bedienwissen der Anwender erfassen,
  • die Veränderung aktiv begleiten, siehe Change Management,
  • Anwender vor dem Go-live realistisch üben lassen, zum Beispiel mit Simulationstraining,
  • und sie nach dem Umstieg im neuen System begleiten, etwa in der Hypercare-Phase.

Welche Optionen gibt es?

Grundsätzlich können Unternehmen ein Legacy-System weiterbetreiben, kapseln (über Schnittstellen an moderne Systeme anbinden), modernisieren oder ablösen. Ob ein schrittweiser Umbau oder ein Neustart sinnvoller ist, beschreibt der Eintrag Brownfield und Greenfield.

Konkrete Modernisierungsansätze wie Rehosting, Refactoring oder Reengineering behandelt unser Beitrag Wie optimiert man eine Legacy-Anwendung?. Den Weg in die Cloud Schritt für Schritt beschreibt der Beitrag Eine Legacy-Anwendung in die Cloud migrieren.

Die Expertise von Knowmore

Die Expertise von Knowmore zu Legacy-Systemen.

Bei Knowmore begleiten wir große Organisationen bei der Ablösung von Legacy-Systemen, etwa beim Wechsel auf SAP S/4HANA oder bei der Migration von Kernbanksystemen. Unsere Erfahrung: Die technische Migration ist planbar, der Umstieg der Anwender oft nicht.

Mit K-NOW und K-STUDIO führen wir Anwender direkt im neuen System durch ihre gewohnten Aufgaben, sodass erfahrene Mitarbeitende schnell wieder ihr altes Tempo erreichen. K-VALUE zeigt, wo nach dem Umstieg noch Schwierigkeiten bestehen.

Fazit

Legacy-Systeme sind veraltete, aber oft unverzichtbare Säulen des Tagesgeschäfts. Sie bergen Risiken bei Sicherheit, Kosten und Innovation. Ob sie weiterbetrieben, modernisiert oder abgelöst werden: Der Erfolg hängt nicht nur von der Technik ab, sondern davon, dass das Wissen und die Arbeitsweise der Anwender sicher ins neue System mitgenommen werden.

Häufige Fragen

Was versteht man unter Legacy?

In der IT bezeichnet „Legacy“ Systeme, Software oder Technologien aus früheren Generationen, die weiterhin im Einsatz sind. Der Begriff kommt aus dem Englischen und bedeutet Erbe oder Vermächtnis.

Was ist ein Legacy-System?

Ein Legacy-System ist eine veraltete Software, Anwendung oder Hardware, die weiterhin für wichtige Geschäftsprozesse genutzt wird. Es ist oft schwer zu warten, schlecht integrierbar und von wenigen Wissensträgern abhängig, lässt sich aber nicht ohne Weiteres ersetzen.

Welche Beispiele gibt es für Legacy-Systeme?

Typische Beispiele sind Großrechner mit COBOL-Anwendungen in Banken und Versicherungen, ältere ERP-Releases wie SAP ECC, Kernbanksysteme sowie Eigenentwicklungen und Access-Datenbanken, die über Jahre in Fachbereichen gewachsen sind.

Was ist der Unterschied zwischen Legacy-System und Altsystem?

Es gibt keinen inhaltlichen Unterschied. Altsystem ist die deutsche Bezeichnung für Legacy-System. Im Unternehmensalltag ist der englische Begriff verbreiteter.

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