Die Lernplattform

Die Lernplattform ist die Software, auf der betriebliches Lernen organisiert wird. Die Kürzel LMS und LXP bezeichnen dabei keine zwei Produktkategorien mit festen Grenzen, sondern Etiketten, die die Anbieter selbst uneinheitlich verwenden.

9 Min. Lesezeit Lernen Anwenderbefähigung

Definition in Kürze

Eine Lernplattform ist die Software, auf der ein Unternehmen Lerninhalte bereitstellt, Kurse und Lernpfade zuweist und den Fortschritt der Lernenden nachvollzieht. Der deutsche Begriff wird von den Anbietern gleichbedeutend mit Learning Management System verwendet.

  • Weder „Lernplattform“ noch „LXP“ hat eine normative Definition; die Beschreibungen stammen sämtlich von Anbietern.
  • ILIAS setzt „Lernplattform“ und „Learning Management System“ im selben Satz gleich; bei den hier geprüften Anbietern werden die beiden Begriffe gleichbedeutend verwendet.
  • Vergleichbar und prüfbar sind nicht die Etiketten, sondern die Standards: SCORM, xAPI, cmi5 und LTI.

Was ist eine Lernplattform (LXP)?

Eine normative Definition gibt es nicht. Das zuständige ISO-Komitee ISO/IEC JTC 1/SC 36, „Information technology for learning, education and training“, arbeitet an der Interoperabilität und Wiederverwendbarkeit von Ressourcen und Werkzeugen – es definiert keine Produktkategorie. Auch ISO/IEC 40180:2017, die Norm zur Qualität in der Aus- und Weiterbildung, tut das nicht.

Was es gibt, sind Selbstbeschreibungen der Anbieter – und eine davon klärt den deutschen Sprachgebrauch. ILIAS beschreibt sich als leistungsfähige Lernplattform (Learning Management System) – beide Begriffe stehen im selben Satz, der eine in Klammern hinter dem anderen. Moodle spricht auf seinen deutschen Seiten vom Lernmanagementsystem, OpenOlat von einem Learning Management System (LMS) für Unternehmen.

Praktische Folge für Lastenhefte und Konzepte: „Lernplattform“ und „LMS“ bezeichnen bei den hier geprüften Anbietern dasselbe. Wer die beiden Wörter gegeneinander ausspielt, beschreibt einen Unterschied, den die Anbieter selbst nicht machen.

Was das Kürzel LXP bezeichnet

Die verbreitete Erzählung lautet, das LMS verwalte zugewiesene Pflichtkurse, während die Learning Experience Platform auf Entdeckung, Empfehlung und selbst gewählte Inhalte setze. Diese Gegenüberstellung steht auf keiner der Anbieterseiten, die das Kürzel verwenden.

  • Degreed führt das Produkt als „Degreed Learning (LXP)“ – ohne das Kürzel zu definieren und ohne es dem LMS gegenüberzustellen.
  • 360Learning, häufig derselben Kategorie zugerechnet, bezeichnet sich auf seiner deutschen Seite ausdrücklich als KI-getriebenes LMS.
  • Microsoft Viva Learning nennt sich weder LMS noch LXP, sondern ein zentraler Hub für das Lernen in Microsoft Teams.

Drei Anbieter, drei unvereinbare Einordnungen für benachbarte Produkte. LXP ist ein Marktbegriff ohne gemeinsame Definition, verwendet als Produktetikett. In einer Anforderungsliste ist das Kürzel deshalb wertlos: Prüfbar sind Funktionen und Standards, nicht Kategorien.

Die Standards: der prüfbare Teil

Was sich zwischen Plattformen tatsächlich vergleichen lässt, sind die unterstützten Standards. Vier zählen.

SCORMSharable Content Object Reference Model, herausgegeben von der ADL Initiative des US-Verteidigungsministeriums. Eine Sammlung technischer Spezifikationen, die Inhalte zwischen Plattformen übertragbar macht und Abschluss sowie Testergebnis zurückmeldet. Gepflegt – also weiterhin unterstützt – werden SCORM 1.2 sowie SCORM 2004 in der 3. und 4. Ausgabe; inhaltlich ist der Standard seit 2009 unverändert. Zwei Punkte stehen in Lastenheften trotzdem regelmäßig falsch: eben dieses Datum der jüngsten Fassung und die Empfehlung der ADL, die 3. Ausgabe zu verwenden, nicht die 4. – wegen breiterer Verbreitung und aktuellerer Konformitätstests.

xAPIExperience Application Programming Interface, ebenfalls von der ADL Initiative, 2023 durch die IEEE normiert (IEEE 9274.1.1-2023), aktuell in Version 2.0. Der Unterschied zu SCORM ist der praktisch entscheidende: SCORM erfasst, was innerhalb eines Kurses geschieht; xAPI erfasst Lernaktivitäten auch außerhalb der Plattform. Rustici Software, Betreiber von xapi.com, formuliert es so: Ältere Standards erfassten nur digitale Erfahrungen; xAPI erfasse Erfahrungen aus ganz unterschiedlichen Umgebungen und Systemen.

Dafür braucht xAPI eine eigene Komponente, die im SCORM-Modell nicht vorkommt: den Learning Record Store, nach Definition der ADL ein Server, der xAPI-Datensätze entgegennimmt, speichert und zugänglich macht. Wer xAPI in einem Lastenheft fordert, fordert damit eine zusätzliche Datenhaltung – mit allem, was an Berechtigungen und Aufbewahrung daran hängt.

cmi5 ergänzt xAPI um die Regeln, nach denen ein Kurs gestartet und bewertet wird. LTILearning Tools Interoperability, herausgegeben von 1EdTech, in Version 1.3 mit der Erweiterung LTI Advantage – löst eine andere Aufgabe: es erlaubt einer Lernplattform, externe Werkzeuge und Inhalte auf standardisiertem Weg einzubinden. SCORM und xAPI transportieren Inhalte und Daten, LTI bindet fremde Werkzeuge ein.

Abgrenzung zu Schulungssoftware, E-Learning und Wissen

Der Begriff überschneidet sich mit mehreren Nachbarbegriffen, und die Anbieter ziehen die Grenzen nicht.

  • E-Learning ist die Lernform, die Lernplattform die Software, auf der sie stattfindet. OpenOlat beschreibt sich als LMS für eLearning, Wissensvermittlung, eTesting – die Begriffe stehen nebeneinander, nicht gegeneinander. Siehe E-Learning.
  • Schulungssoftware ist der weitere Oberbegriff; die Lernplattform ist die Ausprägung, die Kurse verwaltet, zuweist und auswertet. Siehe Schulungssoftware.
  • Die Wissensdatenbank beantwortet eine Frage im Moment des Problems; die Lernplattform organisiert einen Weg mit Zuweisung und Nachweis. Microsoft führt Wissen und Lernen als zwei eigene Säulen derselben Plattform. Siehe Wissensdatenbank.

Ein Begriff verdient besondere Vorsicht, weil er in zwei Bedeutungen umläuft: Onboarding. Bei Moodle Workplace und 360Learning meint es die Einarbeitung neuer Mitarbeitender, also ein Personalthema. Bei ILIAS meint es die Einführung in die Bedienung der Software selbst. Im Eintrag Nutzer-Onboarding ist die zweite Bedeutung gemeint.

Was über die Nutzung entscheidet

Eine Lernplattform bereitzustellen ist eine Frage von Wochen. Dass Beschäftigte sie über das Pflichtprogramm hinaus benutzen, ist die eigentliche Aufgabe. Drei Punkte kehren in diesen Projekten wieder.

  1. Der Weg zur Plattform ist ein Umweg. Wer mitten in einer Anwendung nicht weiterkommt, verlässt sie ungern, um in einem anderen System nach einem Kurs zu suchen. Deshalb bringt die Plattform bei Anwendungswissen selten das, was von ihr erwartet wird.
  2. Inhalte veralten schneller, als die Kurse gepflegt werden können. Jede neue Version einer Fachanwendung entwertet Bildschirmfotos und Klickwege in den Kursen – und niemand ist dafür zuständig.
  3. Abschluss ist nicht Anwendung. Die Plattform belegt, wer einen Kurs beendet hat. Ob die Vorgänge danach in der Fachanwendung richtig ausgeführt werden, steht in der Fachanwendung, nicht in der Lernplattform.

Die Lernplattform bleibt deshalb der richtige Ort für strukturierte Qualifizierung mit Nachweis – Pflichtunterweisungen, fachliche Weiterbildung, Einarbeitungsprogramme. Für die Beherrschung einer Anwendung im Arbeitsalltag braucht es die Begleitung in der Anwendung selbst. Das ist das Feld der Digital-Adoption-Plattform.

146 460

bei Moodle registrierte Lernplattformen weltweit, davon 8 583 in Deutschland – Selbstregistrierung, kein erhobener Bestand.

Moodle Statistics

Die Zahl ist mit Vorsicht zu lesen: Die Registrierung ist freiwillig, Moodle prüft den Fortbestand der registrierten Installationen regelmäßig nach, und die Seite nennt kein Stichtagsdatum. Sie zeigt eine Größenordnung und das Gewicht Deutschlands im Vergleich – keinen gemessenen Marktanteil.

Beispielszenario · Ein Jahr nach der Einführung

Die Lage

Die Lernplattform läuft, die Pflichtunterweisungen sind zu 96 % abgeschlossen. Der Servicedesk bearbeitet trotzdem weiterhin dieselben Fragen zur neuen Fachanwendung.

Was die Auswertung zeigt

  • der Kurs zur Anwendung wurde von zwei Dritteln der Belegschaft abgeschlossen – im Monat der Einführung;
  • seither gab es zwei Versionswechsel, die Bildschirmfotos im Kurs stimmen nicht mehr;
  • niemand ruft den Kurs ein zweites Mal auf, wenn eine Frage auftaucht.

Die Alternative

Die Pflichtunterweisungen bleiben auf der Lernplattform, wo der Nachweis hingehört. Für die Anwendung tritt eine Führung in der Anwendung selbst an die Stelle des Kurses – sie veraltet nicht mit dem nächsten Versionswechsel und steht im Moment der Frage zur Verfügung.

Die Expertise von Knowmore

Wie Knowmore die Lernplattform ergänzt.

K-NOW begleitet die Anwender in der Fachanwendung selbst, im Moment der Frage – dort, wo ein Kurs erst aufgerufen werden müsste. Weil die Führungen an den Ablauf in der Anwendung geknüpft sind und nicht an Bildschirmfotos, überstehen sie einen Versionswechsel ohne Neuproduktion.

K-STUDIO bildet die Anwendung für strukturierte Übung ab, und K-VALUE zeigt, wo Anwender tatsächlich hängen bleiben. Damit lässt sich belegen, was nach dem Kursabschluss noch offen ist.

Fazit

„Lernplattform“, „LMS“ und „LXP“ bezeichnen keine sauber getrennten Kategorien: ILIAS setzt die ersten beiden gleich, und das dritte verwenden die Anbieter uneinheitlich, ohne es zu definieren. In Anforderungslisten helfen die Kürzel deshalb nicht weiter.

Prüfbar sind die Standards: SCORM für übertragbare Kurse, xAPI für Lernaktivitäten außerhalb der Plattform, cmi5 für die Regeln, nach denen ein Kurs gestartet und bewertet wird, LTI für die Einbindung fremder Werkzeuge. Und prüfbar ist die Frage, ob nach dem Kursabschluss in der Anwendung richtig gearbeitet wird – was die Plattform nicht beantwortet.

Häufige Fragen

Worin unterscheiden sich Lernplattform und LMS?

Bei den hier geprüften Anbietern in nichts. ILIAS bezeichnet sich als „leistungsfähige Lernplattform (Learning Management System)“, also beide Begriffe im selben Satz. Moodle spricht vom Lernmanagementsystem, OpenOlat vom Learning Management System. Es handelt sich um dieselbe Sache.

Ist eine LXP etwas anderes als ein LMS?

Die Anbieter selbst sind sich nicht einig. Degreed führt sein Produkt als „Degreed Learning (LXP)“, ohne das Kürzel zu definieren; 360Learning, das oft derselben Kategorie zugerechnet wird, bezeichnet sich als KI-getriebenes LMS; Microsoft Viva Learning nennt sich Hub. LXP ist ein Produktetikett, kein prüfbares Merkmal.

Was kann xAPI, was SCORM nicht kann?

SCORM meldet zurück, was innerhalb eines Kurses geschieht – Abschluss und Testergebnis. xAPI erfasst Lernaktivitäten auch außerhalb der Plattform, in anderen Systemen und Umgebungen. Dafür braucht es einen Learning Record Store, einen eigenen Server für diese Datensätze. SCORM ist seit 2009 unverändert, xAPI wurde Ende 2020 durch die IEEE normiert.

Reicht eine Lernplattform, um Anwender auf eine neue Software vorzubereiten?

Für die Erstschulung und den Nachweis ja. Für den Arbeitsalltag selten: Der Weg zur Plattform ist mitten in einem Vorgang ein Umweg, und Kurse veralten mit jedem Versionswechsel der Anwendung. Beherrschung entsteht dort, wo gearbeitet wird – in der Anwendung, mit Hilfe im Moment der Frage.

Von der Theorie zur Praxis

96 % Abschlussquote. Dieselben Fragen im Servicedesk.

Zeigen Sie uns die drei häufigsten Fragen zu Ihrer Fachanwendung: wir zeigen Ihnen, warum der Kurs sie nicht beantwortet.