Oftmals erkennen Unternehmen den Grund für einen schlechten Return on Investment (ROI) erst dann, wenn es zu spät ist. Wenn nämlich bereits Schaden, möglicherweise sogar hohe finanzielle Verluste entstanden sind. Um solche Fehler auszumerzen, fallen dann weitere Kosten an. Wussten Sie, dass 70 % der Projekte im Rahmen des digitalen Wandels scheitern?
Und das hängt mit einer einfachen Annahme zusammen. Die meisten Unternehmen verbinden eine neue Technologie mit einer 100%igen Benutzerakzeptanz.
Und dass daran nicht einmal die eigentliche Software schuld ist, sondern die schlechte Akzeptanz durch die User? Misslingt eine ERP-Einführung, dann hat dies in mehreren Bereichen Folgen für das Unternehmen: finanziell, intern und in der Öffentlichkeit. Wir haben einige gescheiterte ERP-Einführungen, die in den letzten Jahrzehnten für Aufsehen gesorgt haben, im Hinblick auf ihre Ursachen und finanziellen Auswirkungen analysiert. Das soll Ihnen dabei helfen, solche Fehler zu vermeiden.
Ursache für derartige Probleme ist die Tatsache, dass viele Unternehmen von der simplen Hypothese ausgehen, dass eine neue Technologie voll und ganz von den Anwendern angenommen wird.
ERP-Systeme können sowohl bei kleinen Start-ups als auch bei großen Konzernen ein unglaubliches Wachstumspotenzial freilegen. Woran liegt das? Die meisten erfolgreichen Start-ups, die Technologie verkaufen oder entwickeln, stützen sich heute auf Cloud-Lösungen. Die Probleme beginnen, wenn solche Unternehmen dann mehr als ein paar Hundert Mitarbeiter haben, die oft auf dem ganzen Globus verstreut sind. Dann werden Unstimmigkeiten und Leistungsschwächen sichtbar und die Agilität kommt unter Umständen zum Stillstand (isolierte Teams, Datenfehler, Qualitätsprobleme, schlechtes Zeitmanagement).
Hier setzen ERP-Lösungen (wie SAP, Oracle, Microsoft Dynamics oder Infor) an, da sie Informationen konsolidieren und zentralisieren, Abläufe rationeller gestalten oder gar automatisieren und auf diese Weise die weltweit verstreuten Mitarbeiter und Abteilungen verbinden. Nicht zu Unrecht wird eine ERP-Software oft als Gehirn oder zentrales Nervensystem eines Unternehmens betrachtet, das alle Bereiche verknüpft. Dennoch scheitern viele Projekte für eine ERP-Einführung aufgrund von Fehlern, die vermeidbar gewesen wären.
Wussten Sie das? Es kann Jahre dauern, bis man eine gescheiterte ERP-Einführung verdaut hat!
Die Auswirkungen einer gescheiterten ERP-Einführung können katastrophal sein:
Sehen wir uns nun einige reale und sehr mediatisierte Fälle von gescheiterten ERP-Einführungen an, damit Sie wissen, welche Fehler Sie auf alle Fälle vermeiden sollten.
Die Marke Nike gehört seit 2022 zu den größten und bekanntesten Sportartikelmarken der Welt. Doch der Weg an die Spitze war nicht nur von Erfolg gekrönt. Im Jahr 2000 leitete Nike eine Strategie für ein umfassendes Unternehmenswachstum, die Vergrößerung des Marktanteils sowie eine deutliche Umsatzsteigerung ein, um im Wettbewerb besser bestehen zu können. In diesem Zusammenhang investierte Nike 400 Millionen Dollar in die digitale Transformation der ERP-Lösung, um ein veraltetes System zu ersetzen und die Beschaffungskette zu verbessern.
Das Implementierungsprojekt wurde offensichtlich zu überstürzt umgesetzt und führte zu einer schlechten Verwaltung des ERP-Systems, was unmittelbar riesige Verluste nach sich zog. Durch die zunehmende Globalisierung des Unternehmens war die Beschaffungskette immer mehr aufgesplittet. Nike führte neben dem bestehenden ERP-System eine Software für die Beschaffungskette basierend auf der i2-Technologie ein, anstatt diese mit dem neuen SAP ERP zu integrieren. Die Integration und Pflege von zwei separaten Lösungen bedeutete für die Anwender, mit unterschiedlichen Vorgaben und Datenformaten zu arbeiten. Die Personalisierung war komplex und führte zum Scheitern.
Die unmittelbare Folge des Desasters waren ein Verlust von 100 Millionen Dollar, ein Einbruch des Aktienkurses um 20 % sowie Sammelklagen wegen nicht ausgeführter Aufträge. Um den Fehler auszumerzen und das Projekt wieder auf Kurs zu bringen, benötigte Nike insgesamt 7 Jahre und zusätzliche Investitionen in Höhe von 500 Millionen Dollar. 2004 führte Nike dann SAP ERP ein.
Der Discounter Lidl entwickelte ein 580-Millionen-Dollar-Projekt, um das interne ERP-System durch die Lösung SAP HANA zu ersetzen. Dadurch wollte Lidl das Lagermanagement verbessern, Daten und Wartung zentralisieren und seinen Expansionskurs beschleunigen. Das Projekt namens eLWIS (elektronisches Lidl-Warenwirtschaftsinformationssystem) lief 7 Jahre, bevor es beendet wurde.
Offenbar hatte Lidl intern über 90 interne Lösungen betrieben, die durch eine einzige Standardlösung ersetzt werden sollten. Die Bestände im neuen System basierten jedoch auf dem Einzelhandelsverkaufspreis, während die Systeme von Lidl mit dem Einkaufspreis kalkulierten. Anstatt die Unternehmensabläufe an das neue ERP-System anzupassen, versuchte Lidl den umgekehrten Weg zu gehen und die Software an die eigene Organisation anzugleichen. Diese komplexe Personalisierung in Verbindung mit einem nicht vorhandenen Veränderungsmanagement sowie einer unproduktiven Umsetzung ließen das Projekt am Ende scheitern.
Neben den konkreten Verlusten der 580 Millionen Dollar, die Lidl in das Projekt investiert hatte, hatte das Unternehmen bei der Expansion auf internationaler Ebene 7 Jahre Zeit verloren. Das war nicht nur in finanzieller Hinsicht ein harter Schlag, sondern bedeutete darüber hinaus einen enormen Schaden für das Image.
Am Ende kehrte Lidl wieder zu seinem internen Warenwirtschaftssystem zurück. Laden Sie unseren Leitfaden für ein gelungenes Change Management herunter.
Revlon entwickelte nach der Übernahme von Elizabeth Arden im Jahr 2016 das Projekt für eine ERP-Einführung. Das Unternehmen entschied sich für die Lösung SAP HANA, um die Abläufe durch die Integration von Planung, Beschaffung, Fertigung und Vertrieb, um nur einige Bereiche zu nennen, effizienter zu gestalten.
Durch zahlreiche Probleme im Zusammenhang mit der ERP-Einführung war das Unternehmen Revlon nicht in der Lage, den jährlichen Finanzbericht zu erstellen. Weiterhin gelang es dem Unternehmen deshalb nicht, die bestellten Mengen zu produzieren, was Lieferverzögerungen zur Folge hatte.
Eine schlechte Planung führte umgehend zu einer ganzen Reihe von Problemen. Nach der Ankündigung einer verspäteten Kommunikation der Finanzdaten brach der Aktienkurs innerhalb von 24 Stunden um 6,9 % ein. Da Revlon nicht in der Lage war, den Lagerbestand im ERP-System zu erfassen und zu verarbeiten, konnten Aufträge nicht ausgeführt werden. Die Folge waren Klagen durch Investoren. Waren im Wert von etwa 64 Millionen Dollar wurden nicht geliefert. Weitere 53,6 Millionen Dollar musste Revlon wegen der Nichteinhaltung von Lieferverträgen an Kunden zahlen.
Die Störungen bei Produktion und Lieferungen zogen sich hin, und Revlon war nicht in der Lage, die Umsatzverluste auszugleichen. Die Konsequenzen der gescheiterten ERP-Einführung reichten offenbar bis in die Managementebene.
Wie können Unternehmen wie Nike, Lidl, Revlon beziehungsweise Start-ups in der Wachstumsphase eine ERP-Einführung oder die Einführung anderer Software zum Erfolg führen?
Jedes Unternehmen sollte im Prozess der digitalen Transformation bestimmte Präventivmaßnahmen ergreifen, um Risiken zu reduzieren und ein Scheitern zu vermeiden.
Ein Tipp von Knowmore: Jedes digitale Transformationsprojekt ist nur so erfolgreich, wie das Change Management und die Schulungen, die es begleiten.
Mit einer digitalen Adoptionsplattform können Start-ups und Unternehmen in Wachstumsphasen eine strukturierte Strategie für Onboarding, Schulung, Veränderungsmanagement und Support entwickeln, um die Akzeptanz der User und deren Umgang mit dem Tool optimal zu gestalten.
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