Produktmanagement ist ein strategischer Prozess, bei dem aus einer Produktidee ein Produkt entsteht, das während des gesamten Lebenszyklus optimiert wird, damit es immer die Erwartungen von Unternehmen und Kunden erfüllt. Der Prozess umfasst Marktuntersuchungen, die Erstellung einer Produkt-Roadmap, die Priorisierung der Merkmale und die Koordination der funktionsübergreifenden Teams. Product Management Frameworks sind dabei gute Hilfsmittel für Entscheidungsfindung, Umsetzung und effiziente Abläufe.
In diesem Artikel erfahren Sie mehr über Produktmanagement-Frameworks, die von Unternehmen wie Spotify, Amazon, Google, Facebook und Netflix entwickelt wurden. Mit solchen Product Management Frameworks werden Workflows optimiert, Prioritäten gesetzt und das Wachstum angekurbelt.
Produktmanagement-Teams stützen für ihre Arbeit auf strukturierte Ansätze, die Produktmanagement-Frameworks genannt werden. Nachfolgend eine Übersicht über bekannte Methoden. Vor allem Großunternehmen unterscheiden dabei zwischen Priorisierungsmodellen (um die zu entwickelnden Features zu gewichten) und strategischen Ansätzen.
Ein Product Management Framework hilft Produktverantwortlichen dabei, Produktideen zu entwickeln, zu priorisieren, umzusetzen und kontinuierlich zu verbessern. Diese Produktmanagement-Modelle unterstützen die Ausrichtung an den Zielen, fördern bessere Entscheidungen und ein schnelleres Wachstum. Einige Produktmanagement-Frameworks sind eher teamorientiert (z. B. Spotify Squads), während andere den Fokus auf die Entscheidungsfindung legen (z. B. Working Backwards von Amazon).
Spotify entwickelte sein Squad-Modell in den frühen 2010er-Jahren, um Agilität und Autonomie zu verbinden und ein starkes Wachstum zu unterstützen. Ziel war es, eigenständige und funktionsübergreifende Teams zu bilden.
Die grundlegenden Elemente dieses Frameworks sind:
| ✅ Pro | ❌ Contra |
| Ermutigt zu unabhängigen Entscheidungen. | Schwierig, die Teams aufeinander abzustimmen. |
| Unterstützt die funktionsübergreifende Zusammenarbeit. | Kann zu Doppelarbeit führen. |
| Agiles Wachstum kann effizient durchgeführt werden. |
Die Working-Backwards-Methode von Amazon basiert auf dem „Was-wäre-wenn-Prinzip“ basiert. Sie hat das Ziel, Kundenbedürfnisse über intern entwickelte Ideen zu stellen.
| ✅ Pro | ❌ Contra |
| Die Kundenbedürfnisse stehen im Zentrum aller produktbezogenen Entscheidungen. | Zeitintensiver Dokumentationsprozess. |
| Vermeidet die Verschwendung von Ressourcen für Merkmale mit geringer Auswirkung. | Setzt ein umfassendes Marktverständnis voraus. |
Google hat das HEART-Framework eingeführt, damit die Produktmanagement-Teams die User Experience (UX) anhand effizienter Indikatoren besser messen können.
HEART ist auf fünf zentrale UX-Indikatoren ausgerichtet.
· Happiness (Zufriedenheit): Kundenzufriedenheit (z. B. Net Promoter Score)
| ✅ Pro | ❌ Contra |
| Bietet quantifizierbare Daten über die User-Experience. | Indikatoren können subjektiv und schwer messbar sein. |
| Hilft bei der Optimierung der Benutzerfreundlichkeit. |
Facebook stützt sich als wachstumsorientiertes Unternehmen auf North Star Metric (NSM), damit sich die Produktmanagement-Teams an einem Indikator orientieren, der einen langfristigen Erfolg verspricht.
| ✅ Pro | ❌ Contra |
| Die Teams konzentrieren sich auf Aktivitäten, die Wachstum generieren. | Kann zu einer Zahlenbesessenheit führen. |
| Erleichtert die Abstimmung zwischen funktionsübergreifenden Teams. | Für Produkte im Anfangsstadium nicht immer geeignet. |
Bevor Netflix ein neues Feature global einführt, wird dieses A/B-Tests unterzogen.
| ✅ Pro | ❌ Contra |
| Reduziert das Risiko für einen Misserfolg bei der Einführung neuer Produkte. | Kann Innovationszyklen verlangsamen. |
| Fördert datenbasierte Entscheidungen. | Erfordert eine große Anzahl an Usern, damit es verlässlich ist. |
Die Methode Shape Up von Basecamp ist eine Alternative zu Vorgehensweisen wie Scrum und Kanban. Ihr Ziel ist es, Projekten einen klaren Rahmen zu geben.
| ✅ Pro | ❌ Contra |
| Vermeidet das Hinzufügen neuer Funktionalitäten ohne Deadlines oder die verfügbaren Ressourcen zu berücksichtigen (Scope Creep). | Setzt eine peinlich genaue Planung im Vorfeld voraus. |
| Fördert eine konzentrierte und gezielte Umsetzung. | Für Start-ups im Wachstumsprozess weniger geeignet. |
Damit Produktmanagement-Teams ihre Ressourcen sinnvoll einsetzen und sich auf rentable Projekte konzentrieren können, ist es wichtig, klare Prioritäten zu setzen. Lesen Sie mehr über drei gängige Modelle: RICE Scoring, das Kano-Modell und die MoSCoW-Methode.
Entwickelt wurde das RICE Scoring Model vom Messaging-Softwarehersteller Intercom. Dieser wollte seine Produktmanagement-Teams dabei unterstützen, Projekte und Features anhand von vier Schlüsselkriterien möglichst objektiv zu gewichten: Reach (Reichweite), Impact (Auswirkungen), Confidence (Zuversicht), Effort (Aufwand).
Beim RICE-Scoring wird jedes der Kriterien mit einem quantitativen Wert gewichtet:
Der RICE-Score wird mit folgender Formel berechnet:
| ✅ Pro | ❌ Contra |
| Objektive Entscheidungen, da die Priorisierung auf der Basis realer Daten getroffen wird. | Setzt präzise Einschätzungen voraus, da eine falsche Bewertung die Prioritäten verschieben kann. |
| Vermeidet voreingenommene Entscheidungen, da diese auf einer rationalen Grundlage getroffen werden und nicht auf Annahmen basieren. | Kann die Wahrnehmung des Kunden vernachlässigen, da sich die Gewichtung auf Indikatoren und weniger auf die Wahrnehmung der Nutzer stützt. |
| Gleichgewicht zwischen Aufwand und Auswirkungen, da Aktivitäten mit starken Auswirkungen und wenig Aufwand bevorzugt werden. |
Das Kano-Modell wurde in den 1980er-Jahren von Noriaki Kano (Professor an der Universität Tokio) entwickelt. Es will Produktmanagement-Teams dabei unterstützen, Features nach ihrer Auswirkung auf die Kundenzufriedenheit zu gewichten.
Das Kano-Modell teilt Features in drei Hauptkategorien ein:
Die Stärke des Kano-Modells liegt darin, dass es ein Gleichgewicht zwischen den Erwartungen der Kunden und dem Entwicklungsaufwand herstellt.
| ✅ Pro | ❌ Contra |
| Auf den Kunden ausgerichtet, da es dem Produktmanagement hilft, die Prioritäten aufgrund echter Kundenbedürfnisse festzulegen. | Schwer zu quantifizieren, da es Kundenumfragen und qualifizierte Rückmeldungen erfordert. |
| Schafft ein Gleichgewicht zwischen Aufwand und Zufriedenheit und stellt dadurch eine optimale Nutzung der Ressourcen sicher. | Die Erwartungen können sich im Laufe der Zeit verändern; was heute „Begeisterung“ auslöst, kann morgen als Grundvoraussetzung betrachtet werden. |
| Unterstützt die Einführung unerwarteter Features und fördert dadurch Innovationen. |
Die MoSCoW-Priorisierung wurde von Dai Clegg entwickelt, als dieser in den 1990er-Jahren bei Oracle arbeitete. Sie stellt einen einfachen Rahmen dar, um Produktanforderungen in Abhängigkeit von den Businessanforderungen zu gewichten.
Die Features werden hier in vier Kategorien eingeteilt:
| ✅ Pro | ❌ Contra |
| Einfach und intuitiv, für die Produktmanagement-Teams leicht verständlich. | Keine quantitative Bewertung, Entscheidungen sind möglicherweise subjektiv. |
| Unterstützt das Scope Management und verhindert das Hinzufügen unnötiger Features. | Kann die Kundenbedürfnisse vernachlässigen, da es sich mehr auf Businessanforderungen anstatt auf die Erwartungen der User stützt. |
| Stimmt die verschiedenen Akteure aufeinander ab und fördert die Einigung auf Prioritäten. |
Je nach den individuellen Produktanforderungen eignet sich ein anderes Modell:
Manche Produktmanagement-Teams kombinieren mehrere Ansätze, um eine maximale Effizienz zu erzielen. Es gibt zum Beispiel Unternehmen, die mit Spotify Squads auf einen teamorientierten Ansatz setzen und gleichzeitig das A/B-Testing für die Entscheidungsfindung nutzen.
Die aufgeführten Frameworks helfen zwar bei Produktentscheidungen, geht es jedoch um die User des Unternehmens, dann liefern Plattformen für digitale Akzeptanz (DAP) wertvolle Daten und Informationen für fundierte Entscheidungen. Eine DAP wie Knowmore kann:
✅ Analysen bereitstellen, wie die User mit neuen Features umgehen.
✅ Produktschulungen anbieten, um die Akzeptanz der Features zu verbessern.
✅ Reibungspunkte aufzeigen, um Produktentscheidungen zu verfeinern.
Mit einer digitalen Adoptionsplattform können Sie:
Durch die Integration von Informationen mithilfe von Frameworks in die DAP treffen Produktentwicklungsteams fundierte und nutzerorientierte Entscheidungen.
Es gibt nicht DEN ultimativen Ansatz für Produktmanagement. Gute Produktmanagement-Teams stützen sich nicht nur auf ein einziges Framework, sondern passen dieses an oder kombinieren verschiedene Ansätze, um spezifischen Anforderungen gerecht zu werden.
Ob Sie Ihre Teams mit Spotify Squads autonomer machen, die Kundenorientierung mit Working Backwards von Amazon verbessern oder Prioritäten auf der Basis konkreter Daten mit dem RICE-Scoring-Modell setzen: Es ist wichtig, flexibel zu sein. Gutes Produktmanagement besteht nicht darin, eine bestimmte Vorgehensweise blindlings umzusetzen, sondern zu wissen, wann man Regeln übertreten muss, um etwas wirklich Einzigartiges zu schaffen.
Welches Framework ist das Beste für Ihr Produktmanagement-Team?